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Sie zogen Daniel aus der Grube heraus, und man fand keine Verletzung an ihm; denn er hatte seinem Gott vertraut.“ (Daniel 6,24)

Die Geschichte von Daniel in der Löwengrube, aus der der heutige Losungsvers stammt, ist eine der eindrücklichsten Geschichten der Bibel. Sie bezeugt genauso wie die Auferweckung Jesu die große Macht Gottes, der sogar aus dem Tode und aus Todesgefahr erretten kann. Gottes Größe und Macht gehen weit über unser Begreifen und Verstehen hinaus. So wie wir die Auferstehung Jesu nur froh und Gott
lobend bezeugen können, ohne im Einzelnen erklären zu können, was da im Grabe Jesu vor sich ging, so ist es im höchsten Maße erstaunlich und unerklärlich, dass
Daniel, zum Strafvollzug zu den Löwen in den Zwinger geworfen, am nächsten Tag unversehrt aus der Grube gezogen wurde.

Ostern und die Wundergeschichten der Bibel wollen keinen naiven, magischen Wunderglauben nähren („glaub nur dran: Es wird schon wieder!“). Sondern sie zeigen uns, dass Gott gegen das Böse und Zerstörerische eingreift, dass er für das Gute und Gerechtigkeit kämpft. Und so leiten sie uns an, unsere Hoffnung auf Gott zu
setzen. Das gilt auch uns heute, die wir mitten im Leben vom Tode umgeben sind.
Es gilt für uns in unseren Sorgen und Nöten. Es gilt für uns in unseren Zweifeln und Verzweiflungen. Was lernen wir von Daniel?

1. Er musste durch das Dunkel gehen. Ihm blieben Herausforderungen und Prüfungen nicht erspart. Das Wunder bestand nicht darin, dass er vor, sondern in der Löwengrube gerettet wurde. Auch Jesus musste den bitteren Weg des Leidens und Sterbens gehen. So unterscheidet sich auch der Weg der Glaubenden nicht dadurch vom Weg der Nichtchristen, dass sie vor Gefahren, Leid und Schmerzen bewahrt bleiben.

2. Als Grund für die Bewahrung vor dem Zerfleischtwerden durch die Raubtiere wird – auf der menschlichen Seite sozusagen – das Vertrauen Daniels genannt. Freilich bewahrte ihn die Macht Gottes – aber eben darum, weil Daniel Ihm ganz und gar vertraute. So wie Jesus vor und in seinem Leiden sein Ergehen völlig Gott überließ: „Mein Vater, ist's möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber; doch nicht wie ich will, sondern wie du willst!“ (Matth. 26,39) – „Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände!“ (Luk. 23,46)

3. Dieses Vertrauen entsprang bei Daniel keinem Stoßgebet in höchster Gefahr. Daniels Glaube war kein in der Krise geborenes start-up-Unternehmen. Vielmehr lebte er sein ganzes Leben lang in Treue und Hingabe gegenüber Gott; und so wuchs und reifte sein Glaube und konnte sich auch im Katastrophenfall bewähren. Es kümmerte ihn nicht, wenn die Moden, Meinungen und Weltanschauungen wechselten: „Dreimal am Tag fiel er auf seine Knie, betete, lobte und dankte seinem Gott, wie er es auch vorher zu tun pflegte.“ (Dan. 6,11)

Lassen Sie uns heute vor Gott darüber nachdenken, wie es mit unserem Glauben aussieht.

Dekan Till Roth

Tagesandacht_2020-04-21.pdf

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