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Die Brotvermehrung

„Was ist das für so viele?“ Das ist die Frage des Apostels Andreas, wenn er Jesus im Evangeliumstext des heutigen Tages (Joh 6, 1-15) die Jünger mit den zwei Fischen und den fünf Broten präsentiert. Andreas steht mit den anderen Jüngern hilflos dem Auftrag Jesu gegenüber, wie man eine hungrige Menschenmenge satt machen soll. All ihre Ideen taugen nichts, wegschicken will Jesus die Menschen nicht, mit der Kasse der Apostel können sie wenig ausrichten, die zwei Fische und fünf Brote sind alles was sie haben. Die Apostel sind ratlos und ungläubig. Aber Jesus beginnt damit und das Unglaubliche geschieht: Alle aßen und wurden satt und zwölf Körbe bleiben übrig. Wie es geschehen ist, ist und bleibt ein Geheimnis, eine Sache des Glaubens.

Der Evangelist Johannes nennt dieses Wirken Jesu ein Zeichen.

Etwas was den Menschen deutlich macht: Hier lehrt jemand mit himmlischer Autorität und Vollmacht. Hier ist Jesus aus Nazareth und seine Lehre ist wahr. Die Zeichen, die er wirkt, sind Ausdruck seiner innigen Beziehung zu Gott und Beweis, dass er die Wahrheit verkündet. Damit passt er in das Denken der Menschen, die auf den Messias warten und die Zeichen Jesu dahin deuten. Deshalb sind sie von ihm begeistert, hören ihm zu, laufen ihm nach, wollen ihn zu ihrem Aushängeschild vor Gott und den Menschen, zum Propheten und König machen.

Das will Jesus aber nicht sein. Ein Aushängeschild. Etwas, hinter dem man sich verstecken kann. Jesus will den Menschen das Handeln nicht abnehmen, sondern sie zu neuem Handeln inspirieren. Einer Handlungsweise der Achtsamkeit und der Gemeinschaft. Jesus zeigt die Wege Gottes und erfüllt nicht Erwartungen der Menschen. Er geht in die Einsamkeit zurück, betet, bereitet sich vor und zeigt den Menschen, wie Gottes Reich auf Erden anbrechen kann. Im Handeln für das Gute in unserem Leben.

Zur Zeit finde ich diesen Text nicht ganz so einfach. Gewiss, es ist schön, Jesu Handeln zu erleben. Aber nach so vielen Tagen, an denen man sich im möglichst kleinen Kreis bewegt hat, ist mir der Gedanke an eine Menge schon ein bisschen fremd geworden. So erinnert mich der Text, dass Isolation für den Glauben ein schweres Gebiet ist. Gott im Nächsten und in der Gemeinschaft zu erkennen ist etwas, was für uns selbstverständlich ist und was wir uns in Zeiten der Trennung immer wieder selbst vor Augen halten können.

Bleiben wir in der Nachfolge Christi mit einem wachen Blick auf uns und unser Handeln für Gottes Botschaft in unserer Welt geistig und im Gebet vereint.

Kaplan Frank Elsesser

Impuls_24.5.2020.pdf

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