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"maybe you were born for such a time as this"

Von Sabrina Peper

 Im vergangenen Jahr blieb beim Scrollen auf Instagram, einer App in der man Bilder mit kurzem Text veröffentlichen kann, mein Blick auf einem Bild mit einer jungen Frau hängen. Die Frau trägt ein T-shirt auf dem in schöner Schrift „maybe you were born for such a time as this“ – die Einheitsübersetzung übersetzt: „Wer weiß, ob du nicht gerade für eine Zeit wie diese jetzt Königin geworden bist?“ geschrieben steht. Das Zitat entstammt dem Buch Esther 4,14 aus der Heiligen Schrift, wie ich schließlich bei einer Recherche herausfand. Esther, eine jüdische Vollwaise, deren Volk als Minderheit in der persischen Hauptstadt Susa lebt, kommt durch wundersame Umstände an den Königshof und wird Königin. Eines Tages beschließt ihr Mann, der König Artaxerxes, dass das Volk der Juden an einem bestimmten Tag, der durch ein Würfelspiel bestimmt wurde, vernichtet werden soll. Der König weiß nicht, dass seine Frau ebenfalls Jüdin ist. Mordechai, der Onkel Esthers, bittet sie sich beim König als Jüdin zu offenbaren und Fürsprache für ihr Volk einzulegen und um Gnade zu bitten. Esther weißt darauf hin, dass ein Besuch beim König aus eigenen Stücken mit dem Tod bestraft wird. Mordechai lässt jedoch nicht nach und weißt sie auf ihre Position hin und fordert sie zum Handeln auf. „Wer weiß, ob du nicht gerade für eine Zeit wie diese jetzt Königin geworden bist?“

Diese Frage ist eine Frage, die wir uns selbst stellen können. Zwar ist niemand von uns in einer derartigen Position wie Esther und das Leben eines ganzen Volkes hängt auch nicht von unserer Entscheidung oder unserem Handeln ab. Jedoch lässt sich diese Frage auch im Alltag und in den Gegebenheiten des Lebens eines jeden Einzelnen stellen. Warum lebe ich, als Mutter, Vater, Arzt, Paketzusteller oder jedem anderen Stand und Beruf, in einer Zeit wie dieser? Warum lebe ich gerade jetzt an einem Ort wie diesem oder in einer Familie oder Beziehung wie der gegenwärtigen? Letztlich ist es eine Frage die uns täglich mit unserer Bestimmung und unserem Auftrag konfrontiert.

 

Königin Esther erkennt ihre Bestimmung und ihren Auftrag, sie betet: „Denk an uns, Herr! Offenbare Dich in Zeiten unserer Not und gib mir Mut, König der Götter und Herrscher über alle Mächte! [...] Gott, Du hast Macht über alle: Erhöre das Flehen der Verzweifelten, und befreie uns aus der Hand der Bösen! Befreie mich von meinen Ängsten! (Esther 4,17r;z)

Gerade jetzt, in dieser Zeit, mehr noch als sonst, können wir uns persönlich die Frage stellen, „Warum lebe ich gerade jetzt und was soll ich tun?“. Wenn wir dann eine Antwort gefunden haben, machen wir uns durch ein kurzes Gebet gestärkt an die Erfüllung unseres Auftrages. Es müssen nicht immer große Aufträge sein, sondern entscheidend sind die vielen kleinen, die man mit Liebe und Treue verrichtet.

 Manch eine Aufgabe, die uns die innere Stimme aufträgt, kostet möglicherweise Mut und Überwindung und wirkt aus der Außenperspektive betrachtet, vielleicht etwas verrückt. Nehmen wir uns ein Beispiel an Königin Esther und bitten wir Gott um Mut und Kraft sowie Furchtlosigkeit.

Verzweifeln wir nicht, sondern handeln wir – zum Wohl unserer Mitmenschen gerade in Zeiten wie dieser – mutig und beherzt um so wie Königin Esther ein Stück Geschichte – und sei es auch nur ein kleines- zu schreiben.

 2020-04-29_Impuls.pdf

 

P.S. Wer den Ausgang der Geschichte wissen möchte, kann das Buch Esther in der Bibel lesen. Es ersetzt durchaus einen durchschnittlichen Krimi im deutschen Fernsehen und ohne zu spoilern kann man erwähnen, dass die Juden jedes Jahr ein Fest namens Purim feiern um Esthers mutiges und entschlossenes Handeln zu ehren.

 

 

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