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Der Einzug Jesu in Jerusalem

Von Frank Elsesser

 Das Besondere am Palmsonntag war für mich immer die Palmprozession. Dieser besondere Beginn des Festes erinnert mich daran, dass Gottesdienst schon dann beginnt, wenn sich die Gemeinde versammelt. Zwar müssen wir dieses Jahr auf diese schöne Tradition verzichten. Ja selbst darauf verzichten, den Gottesdienst miteinander öffentlich zu feiern. Uns bleibt das Miteinander im Gebet. Trotzdem ist der alte Brauch, den einen Teil des Wort Gottes an einem anderen Ort zu hören und dann im Bewusstsein dieses Wortes mit den Zweigen in den Händen zum Ort des Gottesdienstes zu ziehen, etwas, was mir bei der Betrachtung des Palmsonntages nicht aus dem Sinn geht.

 

Schon im Jahr 400 nach Christus gibt es Berichte, dass sich die Gemeinde von Jerusalem mit ihrem Bischof am Ölberg versammelte, um betend und singend zum Gottesdienst in die Stadt zu ziehen.

Dabei trugen Kinder Palmzweige in den Händen.

Später breitete sich dieser Brauch auch in Europa aus und wurde auch durch spielerische Elemente, wie z.B. den berühmten Palmesel, erweitert. Es war aber zu allen Zeiten wichtig, dass die Palmprozession nicht historische Nachbildung ist, sondern vielmehr ein Bekenntnis der Mitfeiernden zu Jesus Christus als unseren Messias.

 

Dieses Bekenntnis ist das, was auch schon beim Einzug Jesu eine zentrale Rolle spielte. Die Menschen empfangen Jesus als den Retter und König Israels. Jesus zog nicht das erste Mal in Jerusalem ein.

Aber erst bei diesem Einzug Jesu begrüßt das Volk von Jerusalem Ihn wie es den Messias begrüßen würde. Hat es ihn erkannt? Seine Botschaft verstanden? Sie jubeln ihm zu, legen Zweige und Kleider auf den Weg.

 

Der König, der auf einem Esel reitet, ist ein Zeichen des Friedens und der Armut, die Kleider auf dem Weg ein Zeichen der spontanen Freude der Menschen genau wie die abgerissen Palmzweige.

Es hat so etwas Alltägliches, etwas Improvisiertes.

Keine durchgeplante Parade. Sondern ein spontanes Fest der Freude.

Es ist der Empfang wie für einen König und doch anders.

Wenn der große und mächtige König auf einem Schlachtross in Begleitung seines Hofes und seiner Soldaten irgendwo eingezogen wäre, wäre sicher eine Art “roter Teppich“ ausgerollt worden, die Menschen hätten vielleicht auch mit Zweigen in den Händen am Straßenrand gestanden und gejubelt. Und zur Begrüßung des Königs wären die Honoratioren vor die Stadt gezogen.

 

Aber das wäre ein Schauspiel gewesen, eine Inszenierung von Macht - und das ist etwas, was Jesus nicht wichtig ist. Jesus kommt zu den Menschen. Anstatt in Gold und Pracht kommt er in Bescheidenheit und in Frieden. Statt Soldaten hat er seine Freunde dabei und vor allem seine Botschaft, die die Beziehung zwischen Gott und den Menschen und zwischen den Menschen untereinander neu beschreibt. Nicht mehr Gehorsam und Gesetz stehen im Mittelpunkt, sondern Liebe und Achtsamkeit. Und so kommt Jesu nach Jerusalem nicht als der, der eine neue mächtige Königsherrschaft gegen die Römer aufbauen will, sondern als der, der die Menschen untereinander und mit Gott versöhnen will.

 

Wir wissen, die Geschichte endet tragisch. Aus dem Freudenruf „Hosanna“ wird das Geschrei „Kreuzige Ihn“. Auf das Fest der Freude folgen Tage der Angst, des Schmerzes und des Todes.

Erst am Ostertag wendet Gott das Geschehen endgültig zum Guten.

 

Vielleicht kann uns der Palmsonntag daran erinnern, dass wir nie die Freude an Christus zu verlieren brauchen und dass diese Freude auch ihren alltäglichen und spontanen Ausdruck finden darf.

 Kaplan Frank Elsesser

Impuls_Palmsonntag_2020.pdf

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