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Gott, der Herr, wird mir helfen.“

 Lesung aus dem Buch Jesaja (Jes 50, 4-9a)

4 GOTT, der Herr, gab mir die Zunge von Schülern, damit ich verstehe, die Müden zu stärken

durch ein aufmunterndes Wort. Jeden Morgen weckt er mein Ohr, damit ich höre, wie Schüler

hören.

5 GOTT, der Herr, hat mir das Ohr geöffnet. Ich aber wehrte mich nicht und wich nicht zurück.

6 Ich hielt meinen Rücken denen hin, die mich schlugen, und meine Wange denen, die mir den

Bart ausrissen. Mein Gesicht verbarg ich nicht vor Schmähungen und Speichel.

7 Und GOTT, der Herr, wird mir helfen; darum werde ich nicht in Schande enden. Deshalb mache

ich mein Gesicht hart wie einen Kiesel; ich weiß, dass ich nicht in Schande gerate.

8 Er, der mich freispricht, ist nahe. Wer will mit mir streiten? Lasst uns zusammen vortreten! Wer

ist mein Gegner im Rechtsstreit? Er trete zu mir heran.

9 Siehe, GOTT, der Herr, wird mir helfen.

 

Gedanken zur Lesung

Solange es einem selber und seinen Lieben gut geht, ist es sehr leicht zu sagen, dass Gott uns beschützt, uns durchs Leben begleitet und für uns da ist. Aber wie sieht das aus, wenn sich dunkle Wolken über dem eigenen Leben oder dem eines nahestehenden Menschen zusammenziehen? Dann erscheint Gott manchmal so unendlich fern. Wut macht sich breit: Wie kann Gott das zulassen? Kann er nicht helfen oder will er nicht?

Kann der Glaube an Gott noch tragen, wenn scheinbar nichts mehr hält?

Die heutige Lesung entstand zu einer Zeit, in der das Volk Israel einige schreckliche Erfahrungen hinter sich hatte: Das eigene ist Land in den Händen fremder Herrscher, viele wurden in ein fremdes Land verschleppt und ohne Tempel erscheint selbst die Beziehung zu Gott brach gelegt. Das gewohnte religiöse Leben konnte also auch nicht mehr stattfinden. In jeder Hinsicht blieb nur noch ein Trümmerhaufen zurück.

Zu erwarten wäre in dieser Situation eher ein pessimistischer Blick in die Zukunft oder die große Frage nach dem Warum, die alles Andere in den Hintergrund rücken lässt. An anderen Stellen im Jesaja-Buch scheint diese Einstellung auch durch. In der heutigen Lesung ist aber das Gegenteil ist der Fall: Das erzählende Ich findet einen neuen Zugang zu Gott: Auch ohne den Tempel kann eine Beziehung zwischen Gott und Menschen stattfinden. Der Zugang liegt im Hören auf Gottes Wort, das wieder neue Kraft gibt. Natürlich ist die Situation immer noch schwierig. Aber das erzählende Ich erkennt: Egal was passiert: Gott ist da und wird selbst aus der ausweglosesten Situation herausführen.

Diese Erfahrung wird auch uns in diesen Tagen vor Augen geführt: Wir erinnern uns an Jesu Leiden und Sterben. Gott ist kein ferner Gott der sich aus dem Leid der Menschen heraus hält. Er schickt selbst seinen eigenen Sohn in die tiefsten Abgründe des Menschlichen Lebens, um mit uns durch Leiden und Tod hindurch zu gehen und unser Leben wieder zum Guten zu führen. So können wir uns sicher sein: Selbst wenn Gott noch so unerreichbar fern scheint und sich Wut und Anklage ihm gegenüber breit machen, ist er da. Er geht mit uns durch alle Herausforderungen und Schwierigkeiten des Lebens. Er lässt uns nicht alleine. Er wird uns immer auffangen und wieder zu einem guten Leben führen.

 

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