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Der Link zum Gottesdienst auf Youtube:

https://www.youtube.com/watch?v=zeFVHmG-QPo&t=8s

„…und du wirst leben!“

Lesung aus dem Buch Deuteronomium

Mose sprach zum Volk: Israel, höre die Gesetze und Rechtsvorschriften, die ich euch zu halten lehre. Hört, und ihr werdet leben, ihr werdet in das Land, das der Herr, der Gott eurer Väter, euch gibt, hineinziehen und es in Besitz nehmen. 5Hiermit lehre ich euch, wie es mir der Herr, mein Gott, aufgetragen hat, Gesetze und Rechtsvorschriften. Ihr sollt sie innerhalb des Landes halten, in das ihr hineinzieht, um es in Besitz zu nehmen.

6Ihr sollt auf sie achten und sollt sie halten. Denn darin besteht eure Weisheit und eure Bildung in den Augen der Völker. Wenn sie dieses Gesetzeswerk kennen lernen, müssen sie sagen: In der Tat, diese große Nation ist ein weises und gebildetes Volk.

Denn welche große Nation hätte Götter, die ihr so nah sind, wie Jahwe, unser Gott, uns nah ist, wo immer wir ihn anrufen?

Oder welche große Nation besäße Gesetze und Rechtsvorschriften, die so gerecht sind wie alles in dieser Weisung, die ich euch heute vorlege?

Jedoch, nimm dich in acht, achte gut auf dich! Vergiss nicht die Ereignisse, die du mit eigenen Augen gesehen, und die Worte, die du gehört hast. Lass sie dein ganzes Leben lang nicht aus dem Sinn! Präge sie deinen Kindern und Kindeskindern ein!

Gedanken zur Lesung: 

„Wie rette ich mein Leben?“ Für Viele spitzen sich die Sorgen in der Krise der Corona-Epidemie auf diese Frage zu. Für einen nicht unerheblichen Teil unserer Bevölkerungen ist die Bedrohung wirklich lebensgefährlich und Vorsichtsmaßnahmen können Leben retten. Aber zugleich spüren viele Einsame und Ältere gerade in dieser Situation, dass Leben mehr als „Überleben“ ist. Wahres Leben ist Begegnung, Entfaltung und Tiefe.

Wenn Mose in der heutigen Lesung aus dem 5. Buch Mose / Deuteronomium die Gebote Gottes erneut einschärft verbunden mit der Aufforderung „Hört, und ihr werdet leben,...“ dann geht es um mehr als eine Überlebensstrategie für eine bedrohtes, kleines Volk, es geht um wirkliches Leben im neuen Land.

Mose klammert nicht mehr am Leben. Er weiß, dass er den Jordan, an dessen Ufer mit dem Volk steht, nicht mehr überschreiten wird. Das Volk aber steht an der Schwelle zu einem neuen Leben. Nach der Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten ist es ein Leben lang, 40 Jahre, durch die Wüste gezogen und wird am nächsten Tag in das Land kommen, das Gott ihm so lange schon verheißen hat. Für dieses neue Leben braucht es eine Grundlage: Freiheit in Verantwortung. Gott legt dem Volk keine unerträglichen Lasten auf. Mose erinnert es an die guten Erfahrungen und weist in die gute Zukunft: Gott hat es befreit und schenkt ihm Raum zum Leben. Auf der Grundlage dieser Heilserfahrung stehen die Gebote als Wegmarkierungen zum gelingenden Leben. Mose ruft nicht willkürliche Diktate, sondern Selbstverständlichkeiten des gelingenden Lebens in Erinnerung. Jetzt soll das Volk wirklich frei leben können, da wird es doch nicht von neuem sich zum Sklaven von Hass, Neid, Angst und Betrug machen. Leben kann der Einzelne nur, wenn er dem Anderen Raum zum Leben gewährt und wenn er in Einklang mit dem Geber des Lebens steht.

Wenn wir im Augenblick die Bedrohung des Lebens so massiv spüren, dann kann dies auch eine Einladung zumNachdenken sein, was wirkliches Leben bedeutet. Wir wollen diese Zeit nicht nur überleben, wir wollen Leben vertiefen, indem wir Gottes Nähe suchen und neu uns seinem Wort stellen, indem wir den anderen Menschen nicht vergessen, sondern solidarisch gerade jetzt auf die zugehen, die unter dieser Situation besonders leiden, indem wir bei allen Vorsichtsmaßnahmen dennoch geistig einander verbunden bleiben, füreinander beten und einander nicht aus den Augen verlieren, auch wenn manche Kontakte nur über Telefon möglich sind.

Sven Johannsen, Pfr.

 

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