headeroben

Hilft Glaube? - Glaube hilft!

Impulse aus dem Tagesevangelium der Messliturgie

Wenn Eltern an den Krankenbetten ihrer Kinder stehen, die langsam, aber sicher zu Sterbebetten werden, ist das immer schrecklich. Es gibt wohl mitunter kein furchtbareres Ereignis als in das Grab des eigenen Kindes blicken zu müssen. Es ist auch die Situation des Mannes, von dem das Tagesevangelium berichtet. Seinen Sohn zu verlieren - das ist seine Angst. Er handelt und kämpft ganz bestimmt um das Leben seines Kindes. Und er stemmt sich mit gerade Eltern eigenem Trotz gegen den Tod ihrer Liebsten und unerschütterlicher Treue zu seinem Kind gegen das herannahend Unausweichliche. Es scheint, als ob er auf Jesus seine letzte Hoffnung setzt, als alles verloren scheint. Er ist einer der Ersten in einer langen Prozession persönlicher Schicksale in harten Zeiten, die ihre letzte Zuflucht als flehende Bittsteller bei Jesus suchen. Dieser Vater - sogar ein Mann des öffentlichen Lebens, ein königlicher Beamter - fleht um Rettung und Gesundung. Er führt uns mit seinem Handeln vor die Frage: Hilft Glaube? Schauen wir in den Text des Evangeliums: 

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes (Joh 4,43-54)

[In jener Zeit 43 ging Jesus von Samaria nach Galiläa. 44 Er selbst hatte bestätigt: Ein Prophet wird in seiner eigenen Heimat nicht geehrt. 45 Als er nun nach Galiläa kam, nahmen ihn die Galiläer auf, weil sie alles gesehen hatten, was er in Jerusalem während des Festes getan hatte; denn auch sie waren zum Fest gekommen.] 

46 Jesus kam wieder nach Kana in Galiläa, wo er das Wasser in Wein verwandelt hatte. In Kafarnaum lebte ein königlicher Beamter; dessen Sohn war krank.

47 Als er hörte, dass Jesus von Judäa nach Galiläa gekommen war, suchte er ihn auf und bat ihn, herabzukommen und seinen Sohn zu heilen; denn er lag im Sterben. 48 Da sagte Jesus zu ihm: Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, glaubt ihr nicht. 49 Der Beamte bat ihn: Herr, komm herab, ehe mein Kind stirbt. 50 Jesus erwiderte ihm: Geh, dein Sohn lebt! Der Mann glaubte dem Wort, das Jesus zu ihm gesagt hatte, und machte sich auf den Weg. 

51 Noch während er unterwegs war, kamen ihm seine Diener entgegen und sagten: Dein Junge lebt. 52 Da fragte er sie genau nach der Stunde, in der die Besserung eingetreten war. Sie antworteten: Gestern in der siebten Stunde ist das Fieber von ihm gewichen. 53 Da erkannte der Vater, dass es genau zu der Stunde war, als Jesus zu ihm gesagt hatte: Dein Sohn lebt. Und er wurde gläubig mit seinem ganzen Haus. 54 So tat Jesus sein zweites Zeichen, und zwar nachdem er von Judäa nach Galiläa gekommen war.

 Hilft Glaube wirklich? Im Falle des königlichen Beamten und seines Sohnes ist etwas gut gegangen. Hier hat jemand die Erfahrung gemacht, das seine Bitte erhört wurde. Es gibt aber eben auch die andere Erfahrung. Das man trotz innigem und existenziellem Gebet nicht erhört wird. Viele haben eher die Erfahrung der Vergeblichkeit des Gebetes gemacht, als der Mann des Evangeliums, in dessen Familie Zeichen und Wunder geschehen sind.

Noch einmal: Hilft Glaube? Ja! Ich glaube daran, dass Gott mir die Kraft gibt, die ich brauche, auch wenn ich mir es anders gewünscht hätte wie es dann letztendlich eingetreten ist. Das ist die Erfahrung dieses Vaters im Evangelium. Er ist gegangen und findet erst auf dem Heimweg bestätigt, was ihm versprochen wurde. Der Glaube hilft, indem er mir hilft, das, was mir im Leben begegnet zu deuten, zu tragen - manchmal zu ertragen. Glaube hilft, weil er mir die tiefe innere Gewissheit schenkt, dass Gott alle Wege mitgeht. Glaube hilft, weil er mir die Kraft gibt, das Leben zu bestehen. Glaube hilft, weil ich durch ihn mit dem Schicksal des gekreuzigten UND dem Sieg des österlichen Herrn verbunden bin.

 

So können wir wie im Psalm 16 beten:

Behüte mich Gott, denn ich vertraue dir. [...] Du, Herr, gibst mir das Erbe und reichst mir den Becher; du hältst mein Los in deinen Händen. […] Ich preise den Herrn, der mich beraten hat. Auch mahnt mich mein Herz in der Nacht. […] Du zeigst mir den Pfad zum Leben. Vor deinem Angesicht herrscht Freude in Fülle, zu deiner Rechten Wonne für alle Zeit. (Pfarrvikar Christian Nowak)

Geistlicher_Impuls_23.3.2020.pdf

­