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Die Tagesmesse: 

www.youtube.com/watch?v=SnivDdHdgF8

Chance zur Besinnung und zur Umkehr

Die Traurigkeit nach Gottes Willen wirkt zur Seligkeit eine Umkehr, die niemanden reut.“ (2. Korinther 7,10)

Nun leben wir seit einigen Tagen im Modus einer weitgehenden Kontaktver-meidung. Viele Läden sind geschlossen. Die Straßen und Plätze sind deutlich leerer. Mir scheint, dass die Menschen etwas langsamer gehen. Nur die Autos fahren noch genauso schnell wie immer.

Trotz aller Sorgen und erhöhter Anspannung, die es im privaten (Einkommen, Betreuung kleiner Kindern, Schulkinder, Alleinlebende, kranke und zu pflegende Menschen) und im öffentlichen Bereich (Starren auf die Infiziertenkurve, wirt-schaftliche Rezession, neue politische Konkurrenzen, Börsencrash) gibt, ist auch eine Entschleunigung unseres Lebens spürbar. Neben den negativen Aspekten können wir dies auch als Chance begreifen. Mehr Stille oder gar Langeweile sollten uns nicht verunsichern. Man kann sie freilich übertönen und füllen mit mehr Musik und mehr Medienkonsum. Aber wir können sie auch bewusst aushalten und uns mehr für Gott öffnen.

Ein Vorschlag zur Stilleübung: Sie sitzen zuhause. Sie schalten Radio und Fernseher aus. Sie legen Zeitung und Buch beiseite. Sie entspannen Schulter, Arme und Beine. Vielleicht können Sie durchs Fenster ein paar Minuten in den Garten oder die Natur schauen. Schließen Sie dann Ihre Augen und richten sich innerlich auf Gott aus. Sie könnten sagen (leise hörbar oder in Gedanken): „Hier bin ich, Herr… Ich öffne mich für dich... Komm zu mir… Zeige mir, wer du bist… Gib mir, was ich brauche… Hilf mir loszulassen, was ich nicht brauche… Segne mich …“ Es besteht kein Zeitdruck. Halten Sie die Stille aus. Finden Sie heraus, was Sie Gott sagen möchten.

Eine solche Besinnung ist der Sache nach zugleich eine Hinkehr zu Gott. Ich bin überzeugt, dass die gegenwärtige Krise nicht nur eine Chance zur (Selbst-) Besinnung ist, sondern auch die Chance birgt, Gott neu zu finden. Schrecken Sie nicht zurück, wenn sich dabei eine gewisse Traurigkeit einstellt, wie es die Tageslosung sagt. Es kann gut sein, dass uns bewusst wird, wie lose unsere Beziehung zu Gott ist, wie schwach unser Glaube, wie mangelhaft unser Dank gegen Gott. Das sollte kein Anlass sein abzubrechen und auszuweichen, son-dern vor Gott auszuhalten und anzuknüpfen. Denn auf lange Sicht bereuen wir diese Art Traurigkeit keinesfalls, sondern erfahren neuen Glauben, Trost und Zuversicht. Die Krise, bestehend in Angst vor Ansteckung und Tod, kann uns so „zu unserer Seligkeit“ fester an den binden, der den Tod überwunden hat.

Dekan Till Roth

Tagesandacht_2020-03-26_A4.pdf

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