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Lebensnotwendig

 

Herr, lass mir deine Barmherzigkeit widerfahren, dass ich lebe (Psalm 119,77)

 

So bittet der Beter des 119. Psalms. Er weiß: Er ist von der Barmherzigkeit Gottes abhängig. Er braucht sie. Denn sie lässt ihn leben.

 

So erlebte es auch die Schwiegermutter des Petrus. Ein schweres Fieber hatte sie ergriffen, so dass sie nur noch liegen konnte. Als Jesus davon erfährt, zögert er nicht.

Er wendet sich der Frau voller Barmherzigkeit zu, nimmt sie bei der Hand, hilft ihr auf.

Das Fieber verschwindet. Die Frau ist gesund. Sie erkennt: „Auch ich liege Jesus am Herzen. Er schenkt mir Leben.“ (nach Markus 1,30-31).

 

Nicht immer werden wir das Erbarmen Gottes in der Art wie jene Frau erfahren, dass wir von einer Krankheit gesund werden. Viele bleiben krank oft über Jahre hinweg, sogar ihr Leben lang. Doch auch sie, ja wir alle, können dennoch auf Gottes Barmherzigkeit vertrauen, die uns leben lässt.

 

So denke ich an jenen Mann, der schon viele Jahre krank war. Er bekannte: „Ich wüsste nicht, wie ich alles durchstehen soll, wenn Gott mir nicht helfen würde durch seine Nähe und seine Kraft.“

 

Oder ich denke daran, wie Gott uns durch Jesus Christus von dem befreit, was uns gefangen nimmt an Ängsten, Zweifeln und Schuld.

„Dir sind deine Sünden vergeben.“ So sagte es Jesus oft, wenn er Menschen körperlich gesund machte. Denn er wusste, auch innerlich kann man sich wie gelähmt oder wie blind fühlen.

 

Schließlich denke ich daran, dass die Barmherzigkeit Gottes ja nicht nur auf dieses Leben begrenzt ist, sondern auch darüber hinaus geht. „Ich lebe und ihr sollt auch leben!“ (Johannes 14,19) sagt Jesus. Und er meint damit: „Durch meinen Tod und meine Auferstehung schenke ich euch ewiges Leben über den Tod hinaus.“

 

Herr, lass mir deine Barmherzigkeit widerfahren, dass ich lebe.

Vielleicht mögen auch wir diesen Psalmvers beten. Erinnert er uns doch daran, dass Gottes Barmherzigkeit uns leben lässt, in allen körperlichen und seelischen Nöten, ja sogar über den Tod hinaus. Amen

 

 

Gebet:

Herr, unser Gott,

schenke uns deine Barmherzigkeit.

Denn durch sie leben wir.

Amen

 

 Michael Kelinske

Evangelischer Pfarrer in Lohr am Main

Kelinske_Freitag_8-5-20.pdf

 

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