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„Kommunion und Kontemplation sind untrennbar miteinander verbunden“ (Papst Benedikt XVI.)

 Die Verehrung des Allerheiligsten Sakraments schafft gleichsam das geistliche "Ambiente" in dem eine Gemeinde gut und in wahrhaftiger Weise die Eucharistie feiern kann. Nur wenn ihr diese innere Haltung des Gebets und der Anbetung vorangeht, sie begleitet und ihr folgt, kann die liturgische Handlung ihren vollen Sinn und Wert ausdrücken. Die Begegnung mit Jesus in der Heiligen Messe vollzieht sich wahrhaftig und in vollständiger Weise, wenn die Gemeinschaft erkennt, dass Er im Sakrament gegenwärtig ist in seinem Haus, dass er uns erwartet, dass er uns an seinen Tisch einlädt und - wenn die Versammlung sich aufgelöst hat - Er bei uns bleibt mit seiner diskreten und stillen Präsenz und uns begleitet durch seine Fürsprache und auch weiterhin unsere geistlichen Opfer sammelt, um sie dem Vater darzubringen.

In diesem Zusammenhang möchte ich auf die Erfahrung hinweisen, die wir auch heute Abend gemeinsam machen werden. Im Augenblick der Anbetung stehen wir alle auf derselben Stufe, auf Knien vor dem Sakrament der Liebe. Das allgemeine Priestertum und das Amtspriestertum sind miteinander vereint bei der Verehrung der Eucharistie. Es ist eine sehr schöne und bezeichnende Erfahrung, die wir mehrfach in der Petersbasilika erlebt haben, aber auch in den unvergesslichen Vigilfeiern mit Jugendlichen - ich erinnere beispielsweise an die in Köln, London, Zagreb, Madrid. Es ist für alle offensichtlich, dass diese eucharistischen Vigilfeiern auf die Feier der Heiligen Messe vorbereiten: sie bereiten die Herzen vor auf die Begegnung, damit diese fruchtbarer sei. Gemeinsam für eine längere Zeit in Stille vor dem im seinen Sakrament gegenwärtigen Herrn zu verharren, ist eine der authentischsten Erfahrungen unseres Kircheseins. Diese wird begleitet und ergänzt durch die Feier der Eucharistie, durch das Hören auf das Wort Gottes, singend und gemeinsam an den Tisch des Brot des Lebens tretend. Kommunion und Kontemplation können nicht getrennt werden, sie gehören zusammen. Um wirklich mit einer anderen Person zu kommunizieren, muss ich sie kennen, muss ich in Stille bei ihr bleiben können, auf sie hören und in Liebe anschauen können. Die wahre Liebe und die wahre Freundschaft leben immer von diesem wechselseitigen Blick, von intensivem Schweigen, das zugleich beredt ist und mit großem Respekt und in Verehrung, sodass die Begegnung in tiefgehender Weise erlebt werden kann, persönlich und nicht oberflächlich. Wenn diese Dimension fehlt, kann leider auch der eigentliche sakramentale Kommunionempfang unsererseits eine oberflächliche Geste werden. In der wahren Kommunion hingegen, die vorbereitet worden ist durch das Zwiegespräch des Gebets und des Lebens, können wir dem Herrn Worte des Vertrauens sagen, wie sie eben im Antwortspsalm erklungen sind: "Ich Herr, ich bin doch dein Knecht, dein Knecht bin ich, der Sohn deiner Magd. Du hast meine Fesseln gelöst. Ich will dir ein Opfer des Dankes bringen und anrufen den Namen des Herrn." (Ps 116 (115), 16-17)

(Papst Benedikt XVI in seiner Predigt am Fronleichnamstag 2012)

Fronleichnam_Benedikt_XVI.pdf

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