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Menschen, durch die das LIcht scheint - zum Luziatag

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Zum weltlichen Advent gehören die besonders beleuchteten Schaufenster. Jede gute Geschäftsfrau weiß, dass ein hell leuchtendes Fenster Menschen anzieht. Oft sehe ich in unserer Altstadt abends, wenn die Geschäfte geschlossen sind, Menschen an den erleuchteten Schaufenstern stehen. Sie bringen Abwechslung in das frühe Dunkel, das sich über unsere Stadt breitet. Es ist klar, dass in das Schaufenster Qualität gehört. Ramsch lädt nicht ein, das Geschäft zu betreten. Im Schaufenster muss den Vorbeigehenden etwas anstrahlen, das ihn fasziniert und hinzieht. Es kann durchaus sein, dass mich dann das, was ich im Laden finde, enttäuscht und ich wieder gehe. Dann haben die Schaufenster ihren Sinn verfehlt. Versprechen sie eine Qualität, die dann nicht eingehalten wird, wenden sich die Menschen wieder ab.  Gut gemachte und beleuchtete Schaufenster betrügen nicht, sondern machen Geschmack auf das, was man im Innenraum finden kann.

Heute bedient man sich im Blick auf die Kirche gerne Vergleiche aus der Organisationspsychologie und der Unternehmenskultur. Natürlich hinken sie immer etwas, weil es uns ja nicht darum geht, etwas zu verkaufen. Aber es bleibt die Aufgabe der Kirche, allen Geschöpfen die frohe Botschaft zu verkünden. Deshalb muss sie ihnen auch Geschmack auf das Evangelium machen. Das geht am besten durch Menschen, die das Wort Jesu ernst genommen und gelebt haben. Vielleicht darf ich es dann auch sagen, dass die Kirche in der dunklen Jahreszeit ihre schönsten Schaufenster leuchten lässt: Die großen Heiligen der Nächstenliebe, Martin, Elisabeth, Nikolaus und Luzia. Es ist für mich eine interessante Beobachtung, dass es immer noch Teile der Kirche gibt, in denen der Advent mit dem Martinstag beginnt. Damit wären alle vier „adventliche Heilige.“ In jedem Fall sind sie große Lichtgestalten der Kirche Jesu: Menschen, die für alle Werte stehen, die uns auch heute nottun: Uneigennützigkeit, Selbstlosigkeit, Nächstenliebe und Mut, dem eigenen Gewissen zu folgen. Ich verweise u.a. auf ein Wort von Peter Hahne über den Heiligen Nikolaus:

Eine gute Tat bewegt auch andere zu guten Taten… Was könnte unsere Zeit mehr gebrauchen als eine Leitfigur, die sich jeder Form von Käuflichkeit widersetzt?“

Das passt auf alle vier Heiligen. Sie sind nicht nur gute Menschen. Sie sind Menschen, die aus dem Geist des Evangeliums handeln. Darum leuchten sie wie Schaufenster und können auch heute noch Menschen ansprechen. Aber wer sich mit ihnen beschäftigt, der darf hinter ihnen keinen „Ramsch“ entdecken, wenn er auf die Kirche schaut. Wir haben vielleicht nicht ihre „Qualität“, aber der Geist, der sie bewegt hat, ist auch in unserer Kirche noch lebendig. An diesem Sonntag feiern wir das Fest der heiligen Luzia, einer jungen Frau, die mutig und selbstlost zur Lichtträgerin in dunklen Zeiten wurde. Ihre Verehrung verbindet den Süden und den Norden. Als an der Wende des dritten zum vierten Jahrhundert noch einmal eine große Verfolgung über die Christen in Syrakus hereinbrach, ließ sie, die aufgrund ihrer Stellung sicher war, ihre Geschwister im Glauben nicht im Stich und versorgte sie mit dem Lebensnotwendigen. Sie zeigt dabei große Kreativität: Sie macht sich einen Lichterkranz, um so die Hände frei zu haben für die Körbe mit Brot. Viele Hundert Jahre später wird sie zur Lichtgestalt, die Menschen am Vänersee in Schweden als Hoffnungsgestalt während einer Hungersnot erkennen. Auf einem Schiff stehend, bringt sie Brot zu den Menschen und entzündet so das Licht der Liebe und der Hoffnung. Ein Mensch, der selbstlos, einfallsreich und mutig handelt, wird auch für Menschen spätere Zeiten zur Lichtgestalt.

Wem der Vergleich mit dem Schaufenster zu „kommerziell“ erscheint, den möchte ich auf eine Geschichte verweisen, die gerne in Familiengottesdiensten genutzt werden:

Ein kleiner Junge geht mit seiner Mutter über den Markt. Neben vielen anderen Dingen fallen ihm die dunklen Fenster der Kirche auf. Die Mutter erklärt ihm, dass diese nur von außen so dunkel aussehen. Sieht man von innen das Licht hindurch leuchten, so zeigen die Fenster in bunten Bildern das Leben der Heiligen. Wenig später wird im Religionsunterricht gefragt, wer oder was Heilige sind. Da meldet sich der Junge aufgeregt und antwortet: Heilige, das sind Menschen, durch die die Sonne scheint!

Paulus schreibt: „Der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus“ hat uns in ihm erwählt vor der Erschaffung der Welt, damit wir heilig und untadelig leben vor Gott“ (vgl. Eph 1,3-4).“ Heilig meint nicht perfekt, sondern durchlässig für das Licht der Welt, Christus. Die Schaufenster unseres Glaubens sind hell erleuchtet, werden auch wir zu Räumen des Lichts Christi, das durch uns strahlen will wie damals im Stall von Bethlehem mitten in der Nacht.

Sven Johannsen, Pfarrer

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