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Wir Leute von der Straße“ – Madeleine Delbrel

15._Juni_2020.pdf

Madeleine Delbrel, eine künstlerisch und geistig hochbegabte Frau, wurde 1904 in Mussidan geboren. Ihr Weg führte sie vom strikten Atheismus als Jugendliche zu einem sozialen und apostolischen Engagement als junge Frau nach einer „heiligen Konversion“ im Alter von 20 Jahren. Von 1933 bis zu ihrem Tod 1964 lebte und arbeite sie als Sozialarbeiterin mit Gleichgesinnten in Ivry, einer Arbeiter- und Industriestadt in der Bannmeile Paris. In dieser Hochburg der Kommunistischen Partei lebten sie ein unaufdringliches, aber doch wahrnehmbares Leben als Zeuginnen des Evangeliums. 1938 veröffentlichte sie den Text „Wir Leute von der Straße“, ein Schlüsseltext für das Verständnis ihrer Mission.

 

Es gibt Orte, wo der Geist weht, aber es gibt einen Geist, der allerorten weht.

Es gibt die Leute, die Gott nimmt und beiseite stellt. Andere gibt es, die lässt er in der Masse, die zieht er nicht „aus der Welt zurück.“ Es sind die Leute, die eine gewöhnliche Arbeit verrichten, eine gewöhnliche Wohnung haben und gewöhnliche Ledige sind. Leute, die gewöhnliche Krankheiten, gewöhnliche Traueranlässe haben. Leute, die ein gewöhnliches Haus bewohnen und gewöhnliche Kleidung tragen. Es sind die Leute des gewöhnlichen Lebens. Leute, die man in einer beliebigen Straße antrifft.

Sie lieben ihre Tür, die sich zur Straße hin öffnet, wie ihre der Welt unsichtbaren Brüder die Tür lieben, die sich endgültig geschlossen hat.

Wir andere, die Leute von der Straße, glauben aus aller Kraft, dass diese Straße, dass diese Welt, auf die Gott uns gesetzt hat, für uns der Ort unserer Heiligkeit ist.

Wir glauben, dass uns hier nichts Nötiges fehlt, denn wenn das Nötige fehlte, hätte Gott es uns schon gegeben…

Wir anderen, wir Leute von der Straße sind ganz überzeugt, dass wir Gott so sehr lieben können, als er Lust hat, von uns geliebt zu werden.

Wir halten die Liebe für eine nicht glanzvolle, aber aufzehrende Angelegenheit; wir denken, dass wenn wir für Gott ganz kleine Dinge tun, wir ihn ebenso lieben wie mit großen Aktionen.

 

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