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"Alles kann, wer glaubt“ aus einer Predigt zu Markus 9,23f von Dietrich Bonhoeffer

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Wir glauben ja an allerlei, wir glauben sogar viel zu viel – wir glauben an die Macht, wir glauben an uns selbst, wir glauben an andere Menschen, wir glauben an die Menschheit. Wir glauben an unser Volk, wir glauben an unsere Religionsgemeinschaft – wir glauben an neue Ideen – aber wir glauben über dem allem an den Einen nicht – an Gott. Und dieser Glaube an Gott würde uns nämlich den Glauben an alle anderen Mächte nehmen, unmöglich machen. Wer Gott glaubt, der glaubt in dieser Welt an nichts anderes, denn er weiß, es zerbricht und vergeht, aber er braucht auch an nichts „anderes“ zu glauben, denn er hat ja den, von dem alles kommt und in dessen Hände alles fällt. Wir kennen die Siege, die ein Mensch erringt, der wirklich an sich selbst glaubt, der an irgendeine Macht oder Idee dieser Erde glaubt, so dass er sich ihr gänzlich ergibt und lebt, er vermag Übermenschliches, Unmögliches – wie viel größere Siege müsse erst der erringen, dessen Glaube nicht nur ein subjektives Phantom, sondern der lebendige Gott selbst ist! Die Wunder Jesu, die Wirkung Jesu sie waren ja nichts als dein Glaube! Wir sollten die sein, die so glauben, und wie beschämt müssen wir auf unser Leben sehen angesichts dessen, was Menschen mit einem Glauben an diese Welt geschaffen haben.

Glauben heißt bedingungslos trauen und wagen.

Dietrich Bonhoeffer; Predigt zu Markus 9,23f; 1934 DBW 13.414f in: Manfred Weber (Hg.) Dietrich Bonhoeffer von A bis Z; Gütersloh 2010, 72)

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