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Tagesimpuls 16.4.2021

Freitag der zweiten Osterwoche - Apg 5,34-42

16.4._Freitag_zweite_Osterwoche.pdf

Lesung aus der Apostelgeschichte

In jenen Tagen 34erhob sich im Hohen Rat ein Pharisäer namens Gamaliël, ein beim ganzen Volk angesehener Gesetzeslehrer; er ließ die Apostel für kurze Zeit hinausführen.

35Dann sagte er: Israeliten, überlegt euch gut, was ihr mit diesen Leuten tun wollt.

36Vor einiger Zeit nämlich trat Theudas auf und behauptete, er sei etwas Besonderes. Ihm schlossen sich etwa vierhundert Männer an. Aber er wurde getötet, und sein ganzer Anhang wurde zerstreut und aufgerieben.

37Nach ihm trat in den Tagen der Volkszählung Judas, der Galiläer, auf; er brachte viel Volk hinter sich und verleitete es zum Aufruhr. Auch er kam um, und alle seine Anhänger wurden zerstreut.

38Darum rate ich euch jetzt: Lasst von diesen Männern ab, und gebt sie frei; denn wenn dieses Vorhaben oder dieses Werk von Menschen stammt, wird es zerstört werden;

39stammt es aber von Gott, so könnt ihr sie nicht vernichten; sonst werdet ihr noch als Kämpfer gegen Gott dastehen. Sie stimmten ihm zu,

40riefen die Apostel herein und ließen sie auspeitschen; dann verboten sie ihnen, im Namen Jesu zu predigen, und ließen sie frei.

41Sie aber gingen weg vom Hohen Rat und freuten sich, dass sie gewürdigt worden waren, für seinen Namen Schmach zu erleiden.

42Und Tag für Tag lehrten sie unermüdlich im Tempel und in den Häusern und verkündeten das Evangelium von Jesus, dem Christus.

Impuls:
Gamaliel
ist unbestritten ein kluger und weiser Mensch. Er schafft den Wendepunkt in einem Prozess, der abstruse Züge annimmt. Wie unsinnig erscheint es, Menschen für einen gute Tat hinzurichten. Vernunft spielt hier keine Rolle mehr, ab jetzt regieren Fanatismus und Hass. Da ist es gut, dass Gamaliel die Ratsmitglieder wieder zur Besinnung ruft. Seine Argumentation ist absolut logisch und nachvollziehbar. Er zeigt an Ereignissen der näheren Vergangenheit auf, dass die Dinge sich oft selbst regeln. Die meisten Ratsmitglieder haben die Vorgänge selbst miterlebt: Menschen traten auf, die sich anmaßten, der Messias zu sein. Sie verführten das Volk und brachten zunächst viele Anhänger auf ihre Seite. Aber die Entwicklung hat ihnen Einhalt geboten. Letztlich schafft Gott selbst Ordnung und darauf sollen die Menschen warten, so die Ansicht des Gamaliel.

Es wäre schön, wenn solche gelassenen und klugen Denker auch in unserer Kirche und in unserer Politik Gehör fänden. Zu oft verbeißen sich Menschen, die glauben Recht zu haben, in das Bemühen, den rechten Glauben, die rechte Ordnung oder das rechte Verhalten mit allen Mitteln, mitunter auch dem Ausschluss und der Bekämpfung von Andersdenkenden, durchzusetzen oder zu bewahren. Oft leidet unter der Härte, die dabei angewendet wird, die Glaubwürdigkeit der Kirche, die das Evangelium vom Retter Christus verkünden soll.

Sven Johannsen, Pfr.

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