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Die O Antiphone

17.12._O_Antiphone.pdf

„10 - 9 - 8...Zero“ - Die letzten Sekunden vor dem Start einer Rakete stecken immer voller Spannung. Es wird heruntergezählt, das meint das englische Wort „Countdown“, bis zum entscheidenden Augenblick. In der Zeit vorher gab es viel zu erledigen, zu überprüfen, einzuschalten - jetzt breitet sich für zehn Sekunden eine erwartungsvolle Stille aus.

Ein treffendes Bild für den heutigen Tag. Wir beginnen den Countdown auf Weihnachten. In diesem Jahr sind wir sogar zu einer größeren Ruhe gezwungen als sonst. Aber auch die Liturgie biegt heute auf die Zielgerade ein und die Tage werden jetzt augenscheinlich „herunter“- gezählt bis zum Heiligabend, wenn Gott auf unsere Erde niederkommt und Mensch wird: Unser Countdown sind nicht einfache Zahlen, sondern die sog. O-Antiphonen. Sie beginnen am 17. Dezember und begleiten uns durch die letzten Tage vor dem Heiligabend. Bis zum 23.12. werden wir in das Abendgebet der Kirche und in unseren Gottesdiensten jeweils eine uralte Symbolik aus der biblischen Tradition einfügen und sie auf das Kind hindeuten, das im Stall von Bethlehem geboren wird. Im Gotteslob finden sich die Weissagungen aus den Schriften der hebräischen Bibel eindrucksvoll vertont im Lied „Herr, send herab uns deinen Sohn“ (GL 222). Seit dem 8. Jahrhundert sind sie schon Bestandteil der adventlichen Liturgie vor dem Weihnachtsfest.

 

Die sieben Anrufungen sollen uns in dieser letzten Woche vor Weihnachten immer mehr erschließen, wer dieses Kind eigentlich ist, dessen Geburt wir erwarten:

 

17.12. O Sapientia (Weisheit)

18.12. O Adonai (Herr)

19.12. O radix Jesse (Wurzel Jesse)

20.12. O Clavis David (Schlüssel Davids)

21.12. O Oriens (Morgenstern)

22.12. O Rex gentium (König der Völker)

23.12. O Emmanuel (Immanuel)

 

Die Reihenfolge ist fest und nicht beliebig. Sie beschreibt beginnend von der Weisheit, die nach der Bibel schon bei der Erschaffung der Welt bei Gott war, bis zum Immanuel, dem beim Propheten Jesaja verheißenen „Gott mit uns“, wie in einem immer enger werdenden Kreis das Geheimnis des Kindes. Liest man die Anfangsbuchstaben der lateinischen Anrufungen vom letzten Tag beginnend zurück, dann ergibt sich die Zusage „ero cras“ - „Ich werde da sein“.

Mit einem einprägsamen Stilmittel hat also schon die älteste Liturgie einen Weg gefunden, uns das Geheimnis der Menschwerdung aufzuschlüsseln: Gott ist der Gott mit uns. Auf sein Kommen im Fleisch gehen wir jetzt voll Sehnsucht zu und dürfen uns von der Liturgie helfen lassen, ihn besser kennenzulernen.

 Vielleicht beten sie einfach Tag für Tag jetzt in Stille diesen „liturgischen“ Countdown im Gotteslob (GL 222) mit. Der Text beschreibt einfühlsam, welche Erwartung sich hinter jeder Antiphon verbirgt.                                                                                                          Sven Johannsen, Pfarrer

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