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Tagesimpuls 17.4.2021

Samstag der zweiten Osterwoche - Apg 6,1-7

17.4.2021_Apg_6.1-7.pdf

Lesung aus der Apostelgeschichte

1In jenen Tagen, als die Zahl der Jünger zunahm, begehrten die Hellenisten gegen die Hebräer auf, weil ihre Witwen bei der täglichen Versorgung übersehen wurden.

2Da riefen die Zwölf die ganze Schar der Jünger zusammen und erklärten: Es ist nicht recht, dass wir das Wort Gottes vernachlässigen und uns dem Dienst an den Tischen widmen.

3Brüder, wählt aus eurer Mitte sieben Männer von gutem Ruf und voll Geist und Weisheit; ihnen werden wir diese Aufgabe übertragen.

4Wir aber wollen beim Gebet und beim Dienst am Wort bleiben.

5Der Vorschlag fand den Beifall der ganzen Gemeinde, und sie wählten Stephanus, einen Mann, erfüllt vom Glauben und vom Heiligen Geist, ferner Philippus und Prochorus, Nikanor und Timon, Parmenas und Nikolaus, einen Proselyten aus Antiochia.

6Sie ließen sie vor die Apostel hintreten, und diese beteten und legten ihnen die Hände auf.

7Und das Wort Gottes breitete sich aus, und die Zahl der Jünger in Jerusalem wurde immer größer; auch eine große Anzahl von den Priestern nahm gehorsam den Glauben an.

 

 

Impuls:
Literarisch geschickt führt Lukas einen neuen Protagonisten ein, der uns die nächsten Kapitel begleitet: Stephanus. Auf den ersten
Blick geht es um ein organisatorisches Problem, das sich schnell beheben lässt. Tiefer betrachtet ist es der Wendepunkt zur Verkündigung des Evangeliums über die Grenzen Jerusalems und Israels hinaus. Sicher gab es auch schon in der Urgemeinde sehr früh zwei Gruppen. Da waren zum einen die aramäisch sprechenden Juden, die sich zum Glauben an Jesus Christus bekehrten („Hebräer“). Sie sammelten sich um die Gruppe der ersten Jesusbewegung. Zum anderen wuchs eine zweite Gruppe von griechisch sprechenden Juden, die Christen wurden („Hellenisten“). Sie fühlten sich möglicherweise nicht gleichberechtigt behandelt durch die Mitglieder der Urgemeinde, v.a. bei der Berücksichtigung ihrer Notleidenden. Es ging sicher um mehr als organisatorische Fragen bei der Versorgung von Witwen. Wahrscheinlich waren die „Hellenisten“ bestrebt, als eigenständige Gruppe anerkannt zu werden. Ihr wichtigster Vertreter ist Stephanus, gebildet und ausgezeichnet durch die Fülle des Heiligen Geistes. Der Anfang der Kirche ist vielfältig. Beide Gruppen dürfen sein. Es ist die Größe der frühen Kirche, dass sie Wege findet, wie die Verkündigung des Evangeliums Menschen mit unterschiedlichem Lebenshintergrund beheimaten kann. Sicher war das Zusammenleben spannungsreich, aber auch fruchtbar. Eine Kirche im „Einheitsformat“ wird weniger Konflikte austragen müssen, aber auch weniger interessant sein für unterschiedliche Lebensentwürfe. Der Kirche ist die Kraft des Heiligen Geistes zu wünschen, Unterschiede auszuhalten, verschiedene Arten zu akzeptieren, den einen Glauben zu leben, und ein versöhntes Miteinander zu ermöglichen.

Sven Johannsen, Pfarrer

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