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Tagesimpuls in der Fastenzeit -  20.2.2021

                       

Röm 2,1-29 „Wer mit einem Finger auf andere zeigt,...“

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21 Darum bist du unentschuldbar - wer du auch bist, o Mensch -, wenn du richtest. Denn worin du den andern richtest, darin verurteilst du dich selbst, weil du, der Richtende, dasselbe tust. 2 Wir wissen aber, dass Gottes Gericht über alle, die solche Dinge tun, der Wahrheit entspricht. 3 Meinst du etwa, o Mensch, du könntest dem Gericht Gottes entrinnen, wenn du die richtest, die solche Dinge tun, und dasselbe tust wie sie? 4 Oder verachtest du den Reichtum seiner Güte, Geduld und Langmut? Weißt du nicht, dass Gottes Güte dich zur Umkehr treibt? 5 Weil du aber starrsinnig bist und dein Herz nicht umkehrt, sammelst du Zorn gegen dich für den Tag des Zornes, den Tag der Offenbarung von Gottes gerechtem Gericht. 6 Er wird jedem vergelten, wie es seine Taten verdienen: 7 Denen, die beharrlich Gutes tun und Herrlichkeit, Ehre und Unvergänglichkeit erstreben, gibt er ewiges Leben, 8 denen aber, die selbstsüchtig sind und nicht der Wahrheit gehorchen, sondern der Ungerechtigkeit, widerfährt Zorn und Grimm. 9 Not und Bedrängnis wird das Leben eines jeden Menschen treffen, der das Böse tut, zuerst den Juden, aber ebenso den Griechen; 10 doch Herrlichkeit, Ehre und Friede werden jedem zuteil, der das Gute tut, zuerst dem Juden, aber ebenso dem Griechen; 11 denn es gibt bei Gott kein Ansehen der Person.

12 Denn die ohne das Gesetz sündigten, werden auch ohne das Gesetz zugrunde gehen, und die unter dem Gesetz sündigten, werden durch das Gesetz gerichtet werden. 13 Denn nicht die sind vor Gott gerecht, die das Gesetz hören, sondern die das Gesetz tun; die werden für gerecht erklärt werden. 14 Denn wenn Heiden, die das Gesetz nicht haben, von Natur aus das tun, was im Gesetz gefordert ist, so sind sie, die das Gesetz nicht haben, sich selbst Gesetz. 15 Sie zeigen damit, dass ihnen die Forderung des Gesetzes ins Herz geschrieben ist; ihr Gewissen legt Zeugnis davon ab, ihre Gedanken klagen sich gegenseitig an und verteidigen sich - 16 an jenem Tag, an dem Gott, wie ich es in meinem Evangelium verkünde, das, was im Menschen verborgen ist, durch Jesus Christus richten wird.

17 Wenn du dich aber Jude nennst, dich auf das Gesetz verlässt und dich Gottes rühmst, 18 seinen Willen kennst und, belehrt aus dem Gesetz, zu beurteilen weißt, worauf es ankommt; 19 wenn du dir zutraust, Führer zu sein für Blinde, Licht für die in der Finsternis, 20 Erzieher der Unverständigen, Lehrer der Unmündigen, da du im Gesetz die Verkörperung von Erkenntnis und Wahrheit besitzt. - 21 Du belehrst also andere Menschen, aber dich selbst belehrst du nicht? Du predigst: Du sollst nicht stehlen! und du stiehlst? 22 Du sagst: Du sollst die Ehe nicht brechen! und brichst sie? Du verabscheust die Götzenbilder, begehst aber Tempelraub? 23 Du rühmst dich des Gesetzes, entehrst aber Gott durch Übertreten des Gesetzes. 24 Denn euretwegen wird unter den Heiden der Name Gottes gelästert, wie geschrieben steht.

25 Die Beschneidung ist nämlich nützlich, wenn du das Gesetz befolgst; übertrittst du jedoch das Gesetz, so bist du trotz deiner Beschneidung zum Unbeschnittenen geworden. 26 Wenn aber der Unbeschnittene die Forderungen des Gesetzes beachtet, wird dann nicht sein Unbeschnittensein als Beschneidung angerechnet werden? 27 Der leiblich Unbeschnittene, der das Gesetz erfüllt, wird dich richten, weil du trotz Buchstabe und Beschneidung ein Übertreter des Gesetzes bist. 28 Denn Jude ist nicht, wer es nach außen hin ist, und Beschneidung ist nicht, was sichtbar am Fleisch geschieht, 29 sondern Jude ist, wer es im Verborgenen ist, und Beschneidung ist, was am Herzen durch den Geist, nicht durch den Buchstaben geschieht. Der Ruhm eines solchen Juden kommt nicht von Menschen, sondern von Gott.

Wer mit einem Finger auf andere zeigt, zeigt gleichzeitig mit drei Fingern auf sich, so eine alte Weisheit, die wir heute auch aus den Worten des Apostels Paulus heraushören können. Hat er gerade noch harsche Kritik am Verfall der menschlichen Gesellschaft und dem gottwidrigen Verhalten vieler Menschen geübt, nimmt er jetzt die Menschen in den Blick, die sich selbst für „besser“ halten und sich als Richter über andere aufspielen. Es ist für ihn ein große Täuschung, wenn ein Mensch meint, dass er Gottes Barmherzigkeit sicher habe, weil er der richtigen Religion angehört.

Für Gott gibt es keine Bevorzugung irgendeiner Person aufgrund seiner Religion, seines Geschlechtes oder seiner Volkszugehörigkeit. Er wendet sich denen voll Güte zu, die sich seinem Willen öffnen, und er zieht die zur Verantwortung, die sich ihm widersetzen, egal ob Jude oder Grieche.

Im Denken des Paulus tragen die Gläubigen, die das Gesetz Gottes kennen, die größere Verantwortung, es auch zu erfüllen und sich entsprechend zu verhalten, als die, denen es nicht bekannt ist. Aber auch die „Ungläubigen“ haben die Möglichkeit, im Sinne Gottes zu handeln und das Gesetz zu erfüllen.

Bereits die Propheten kennen das Wort von der „Beschneidung des Herzens“, also die Möglichkeit, dass ein Mensch nicht der richtigen Religion angehört, aber dennoch den Willen Gottes erfüllt. Für Paulus bilden die zehn Gebote eine Art Grundgesetz der Menschheit, das jeder Mensch unabhängig von seinem Glauben als plausibel und verpflichtend anerkennen kann. Dafür wird er auch vor Gott Rechenschaft ablegen müssen.

Wenn Paulus sich im Folgenden besonders kritisch gegenüber den Juden äußert, dann gilt es eine wichitge Voraussetzung zu bedenken: Paulus spricht als Jude zu Juden über den Glauben. Er ist kein Außenstehender, der überheblich den Gläubigen einer Religion Heuchelei vorwirft oder das Gericht androht. Er sieht sich auf Augenhöhe mit den jüdischen Gelehrten und Rabbinern. Seinen Glaubensgenossen schärft er ein, dass vor Gott nur zählt, „von ganzem Herzen und in ganzer Konsequenz in seinem Geist und nach seinem Willen zu leben“. (W. Klaiber, Der Römerbrief - Die Botschaft des Neuen Testaments, Neukirchen-Vluyn 2012, 48).

Diese Mahnung gilt auch uns uns. Dietrich Bonhoeffer folgt der Argumentation des Paulus, wenn er die Christen warnt vor der Gefahr, sich auf die „billige Gnade“ zu verlassen. Ja, Gottes Barmherzigkeit, Gnade und Zuwendung muss man sich nicht verdienen, sie ist uns geschenkt. In diesem Sinne ist sie „billige Gnade“. Aber das ist keine Garantie auf das ewige Heil, wenn der Christ nicht versucht, mit dem eigenen Verhalten und Leben diesem Geschenk zu entsprechen. In diesem Sinne ist sie „teure Gnade“. Auch die Taufurkunde ist keine Freikarte für den Himmel.

Das ist nicht die Drohung eines Fußballtrainers an seine Stars, dass es keine sicheren Stammplätze gibt. Es ist viel mehr die Erinnerung daran, dass der rechte Glaube und das rechte Tun eine Einheit bilden und dass die Verwirklichung des Willens Gottes jedem möglich ist.                                                             

Sven Johannsen, Pfarrer

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