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Tagesimpuls 20.4.2021 - Dienstag der dritten Osterwoche

Apg 7, 51- 8,1a

20.4.2021_Apg_751.pdf

Lesung aus der Apostelgeschichte:

51 Ihr Halsstarrigen, unbeschnitten an Herzen und Ohren! Immerzu widersetzt ihr euch dem Heiligen Geist, eure Väter schon und nun auch ihr.

52 Welchen der Propheten haben eure Väter nicht verfolgt? Sie haben die getötet, die die Ankunft des Gerechten geweissagt haben, dessen Verräter und Mörder ihr jetzt geworden seid, 53 ihr, die ihr durch die Anordnung von Engeln das Gesetz empfangen, es aber nicht gehalten habt.

54 Als sie das hörten, waren sie in ihren Herzen aufs Äußerste über ihn empört und knirschten mit den Zähnen gegen ihn.

55 Er aber, erfüllt vom Heiligen Geist, blickte zum Himmel empor, sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen 56 und rief: Siehe, ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen.

57 Da erhoben sie ein lautes Geschrei, hielten sich die Ohren zu, stürmten einmütig auf ihn los, 58 trieben ihn zur Stadt hinaus und steinigten ihn. Die Zeugen legten ihre Kleider zu Füßen eines jungen Mannes nieder, der Saulus hieß.

59 So steinigten sie Stephanus; er aber betete und rief: Herr Jesus, nimm meinen Geist auf!

60 Dann sank er in die Knie und schrie laut: Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an! Nach diesen Worten starb er.

81 Saulus aber war mit seiner Ermordung einverstanden.

Impuls:
Es kommt zum Äußersten: Stephanus wird der erste Märtyrer der Kirche, der sein Leben
zum Zeugnis für Jesus Christus gibt. Es werden ihm im Laufe der Kirchengeschichte bis zum heutigen Tag unzähligen Frauen und Männer auf diesem Weg folgen.

Leider lassen die Tageslesungen den Großteil der Rede des Stephanus vor dem Hohen Rat aus und springen gleich zum Schlusswort. Stephanus erweist sich als Mann des Geistes, der die Geschichte und die Glaubenstraditionen Israels gut kennt. Er verweist in seiner Rede auf die vielen Glaubensvorbilder, v.a. Abraham, Josef und Mose, deren Glaube an den Gott Israel weder an den Tempel, noch an das Land Israel gebunden war. Letztlich öffnet er so denkerisch den Weg zur Verkündigung des Evangeliums über die Grenzen des Heiligen Landes hinaus, die sich dann im Folgenden verwirklicht.

Sein langer Geschichtsrückblick gipfelt im Vorwurf des Prophetenmordes. Genau der bewahrheitet sich jetzt an ihm selbst. Es ist wichtig, die Details nicht zu übersehen. Es erfolgt kein Urteil durch den Hohen Rat, in dem die Hinrichtung des Stephanus von den Führern des Volkes beschlossen wird. Es handelt sich eher um Lynchjustiz, die hier von einem aufgebrachten Mob vollzogen wird.

Stephanus erweist sich als das Ideal des Zeugen, der noch im Sterben für seine Verfolger betet ganz im Sinne der Forderung Jesu, auch die Feinde zu lieben.
Zugleich aber lässt Lukas geschickt schon in der Katastrophe erkennen, dass damit die Geschichte der kleinen Christengemeinde nicht ausgelöscht wird. Der Leser weiß natürlich bereits, wer dieser junge Mann Saulus ist, der sich hier einverstanden zeigt mit dem Tod des Stephanus. Er wird noch mehr als der Erzmärtyrer dafür Sorge tragen, dass das Evangelium von Jesus Christus zur Botschaft wird, die keinen ausschließt und bis an die Enden der Erde getragen wird.

Lukas bekräftigt damit die Verkündigung der Apostel und des Stephanus: Der Geist Gottes lässt sich durch keine Menschenmacht aufhalten. Er setzt sich am Ende immer durch. Gott findet seinen Weg, seine frohe Botschaft zu den Menschen zu bringen.

Sven Johannsen, Pfarrer

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