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Mose sprach: Siehe, ich lege euch heute vor den Segen und den Fluch: den Segen, wenn ihr gehorcht den Geboten des Herrn, eures Gottes, die ich euch heute gebiete; den Fluch aber, wenn ihr nicht gehorchen werdet den Geboten des Herrn, eures Gottes.“ (5.Mose 11,26-28)

Die heutige Losung aus dem Herrnhuter Losungsbuch greift ein Bibelwort auf, das wir im März bei der ökumenischen Bibelwoche betrachtet haben. Das Volk Israel – und wir nicht anders – werden von Gott vor die Wahl gestellt (vgl. 5. Mose 30,19): Segen oder Fluch? Wahrscheinlich würde niemand, der so gefragt wird, den Fluch wählen. Verbunden wird die Wahl jedoch von Gott mit der Wahl eines entsprechenden Lebens-stil – besser noch: einer bestimmten Lebenshaltung: Wollen wir Segen haben, dann sollen wir Gott gehorchen. Wenn wir dagegen das, was Gott sagt und was er von uns will, in den Wind schlagen, wählen wir automatisch den Fluch.

Nun können wir es uns nicht so einfach machen und sagen: „Das ist doch alttesta-mentliches Denken! Nach dem Neuen Testament hat Gott doch jeden Menschen lieb!“
Zum einen schafft Jesus den Gehorsam Gott gegenüber ja nicht ab. Zum anderen heißt es ähnlich dem Segen-Fluch-Schema: „Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben. Wer aber dem Sohn nicht gehorsam ist, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt über ihm.“ (Joh. 3,36) Das, was hier mit „Zorn Gottes“ gemeint ist, hat viel mit dem im 5. Mosebuch beschriebenen Fluch zu tun.

Nun klingt das Wort „Gehorsam“ nicht sehr attraktiv. Neigen wir moderne Menschen dazu, eher auf den Segen zu verzichten, weil es uns ganz und gar nicht gefällt, uns jemandem unterzuordnen? Ist das nicht gar eine Art Erpressung oder Zuckerbrot-und-Peitsche-Spiel von Gott, wenn er uns keinen Segen geben will, solange wir uns nicht an seine Gebote halten?

Nein. Gott liebt uns! Das lässt die Grundausstattung seiner Schöpfung, in der ER uns leben lässt, noch zu Genüge erkennen. Und seine Liebe, Barmherzigkeit und Ver-gebung, die Er in Jesus anbietet, beweisen das vollends. Und es kann ja nicht anders sein als dass es für uns negative Folgen hat, wenn wir uns von der Quelle der Liebe, des Segen und des Lebens überhaupt abwenden. Gehorsam kommt von hören: Sollte es nicht naheliegend sein, auf den hören zu lernen, der unser Schöpfer ist? Gott legt uns doch keine schweren Lasten und sauren Verbote auf, sondern hilft uns und zeigt uns, wie wir im Leben gut zurechtkommen. Dass Gott die Ergebnisse unserer Wahl in Form von Segen und Fluch voraussagt, ist keine Form von Erpressung, sondern kann und soll uns dazu dienen, zu überprüfen, ob es so ist, wie es Gott sagt. Wir können lernen, auf Gott zu hören, ernst zu nehmen, was er in der uns überlieferten Heiligen Schrift sagt und dabei mehr und mehr die Liebe und das Gute darin erkennen. Gehor-sam heißt keineswegs Unmündigkeit, sondern kann mit Verstehen und Erkennen verbunden sein. Ebenso wenig bedeutet Gehorsam Unterwerfung, weil er sehr wohl mit Vertrauen und Liebe verbunden sein kann.

Gebet:

Herr, mein Gott, gib mir den Mut, auf dich zu hören. Öffne mir die Ohren, dass ich verstehe, was du sagst. Gib mir die Freude zu tun, was ich verstehe. Amen.

Dekan Till Roth

Tagesandacht_2020-05-23_A4.pdf

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