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Tagesimpuls Fastenzeit 2021

24.3.2021 - Röm 11, 25 - 36

„Lobpreis auf den Gott, der ganz Israel rettet“

oder „Am Ende wird er selbst das Geheimnis lüften“

Röm_1125-36.pdf 

Der Bibeltext:

25 Denn ich will euch, Brüder und Schwestern, nicht in Unkenntnis über dieses Geheimnis lassen, damit ihr euch nicht selbst für klug haltet: Verstockung liegt auf einem Teil Israels, bis die Vollzahl der Heiden hereingekommen ist, 26 und so wird ganz Israel gerettet werden, wie geschrieben steht: Es wird kommen aus Zion der Retter, er wird alle Gottlosigkeit von Jakob entfernen.

27 Und das ist der Bund, den ich für sie gestiftet habe, wenn ich ihre Sünden hinwegnehme.

28 Vom Evangelium her gesehen sind sie Feinde, und das um euretwillen; von ihrer Erwählung her gesehen aber sind sie Geliebte, und das um der Väter willen.

29 Denn unwiderruflich sind die Gnadengaben und die Berufung Gottes.

30 Denn wie ihr einst Gott ungehorsam wart, jetzt aber infolge ihres Ungehorsams Erbarmen gefunden habt, 31 so sind auch sie infolge des Erbarmens, das ihr gefunden habt, ungehorsam geworden, damit jetzt auch sie Erbarmen finden.

32 Denn Gott hat alle in den Ungehorsam eingeschlossen, um sich aller zu erbarmen.
Hymnus auf die Unergründlichkeit der Wege Gottes
33 O Tiefe des Reichtums, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Wie unergründlich sind seine Entscheidungen, wie unerforschlich seine Wege!

34 Denn wer hat die Gedanken des Herrn erkannt? Oder wer ist sein Ratgeber gewesen?

35 Oder wer hat ihm etwas gegeben, sodass Gott ihm etwas zurückgeben müsste?

36 Denn aus ihm und durch ihn und auf ihn hin ist die ganze Schöpfung. Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Amen.

 

Impuls:

Jedes Geheimnis macht neugierig und zeigt, dass der Sachverhalt, um den es geht, von großer Wichtigkeit ist. Paulus hat der Gemeinde in Rom also jetzt eine Mitteilung von großer Tragweite zu machen, ein Geheimnis, das über das logische Denkvermögen seiner Leser hinausgeht, eine Offenbarung Gottes: Gott wird ganz Israel retten, den Teil, der schon an Christus glaubt, aber auch den Teil, der nicht an Christus glaubt. Die Verhärtung Israels hat für Paulus letztlich einen weitreichenden Zweck: Gott will auch die Heiden zum Heil führen. Gerade das ereignet sich zur Zeit des Paulus. Dann aber wird Gott die Verhärtung aufbrechen und ganz Israel mit den Heiden zum endgültigen Heil führen. Das scheint aufgrund der bisherigen Argumentation in menschlichen Denkkategorien unvorstellbar, steht aber gänzlich in der Vorstellung von Gottes Treue zu seinem Volk, an dem er immer barmherzig handeln wird.

Das Paradox „Feinde“ und „Geliebte“ ist für Paulus nur scheinbar unauflösbar. Aus der Perspektive des Evangeliums sind sie „Feinde“, weil sie den Glauben an Christus ablehnen. Aus der Perspektive der Erwählung durch Gott sind sie „Geliebte“, weil Gott seinen Bund nicht bereut.

Auch der Ungehorsam löst sich in der Sicht des Apostels auf durch den Heilswillen Gottes.

Wie Gott das einmal bewirken wird, das bleibt Geheimnis.
So münden die langen Überlegungen des Apostels in den Kapitel 9-11 ein in einen Lobpreis der unergründlichen Wege Gottes (33-36).

Gott handelt souverän. Niemand kann ihn auf ein bestimmtes Verhalten festlegen. Es bleibt „unerforschlich“ und „unergründlich“, also unzugänglich für Theologie, Logik und Philosophie. Gott ist gänzlich unverfügbar und zeigt so seine Größe und Weisheit.

„Er ist Ursprung von allem (Schöpfung), er ist Herr der Geschichte und erhält alles am Leben („durch ihn“), und er ist das Ziel von allem (Vollendung)“ (Katholisches Bibelwerk; Paulus schreibt den Gemeinden; die sieben Briefe des Apostels I, Stuttgart 2020, S. 153).

Diese Einsicht kann man nur staunend loben und bekennen:
„Denn aus ihm und durch ihn und auf ihn hin ist alles. Ihm ist die Herrlichkeit für immer. Amen“

Sven Johannsen, Pfarrer

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