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Lassen auch wir uns ver-sammeln!

Bei vielen Gläubigen beider Konfessionen herrscht in diesen Tagen direkt eine Hochstimmung: Endlich wieder öffentliche Gottesdienste - sozusagen in real! Seit Christi Himmelfahrt feiern katholische Christen auch wieder öffentlich die Eucharistie, manche an diesem Sonntag wieder das erste Mal seit Wochen. Es herrscht darüber große Freude: die Gemeinden sammeln sich. Natürlich sind damit auch viele Herausforderungen und Einschränkungen verbunden, die aber gern in Kauf genommen und mitgetragen werden, weil die Versammlung in sichtbarer Gemeinschaft eben nicht ersetzt werden kann.

Was viele so empfinden und nun und wieder erleben, entdecke ich auch im Abschnitt aus der Apostelgeschichte, die heute in der katholischen Messfeier gelesen wird (Apg 1,1,2-14):

 

„Als Jesus in den Himmel aufgenommen worden war, kehrten die Apostel von dem Berg, der Ölberg genannt wird und nur einen Sabbatweg von Jerusalem entfernt ist, nach Jerusalem zurück.
Als sie in die Stadt kamen, gingen sie in das Obergemach hinauf, wo sie nun ständig blieben:
Petrus und Johannes, Jakobus und Andreas, Philíppus und Thomas, Bartholomäus und Matthäus,
Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Simon, der Zelót, sowie Judas, der Sohn des Jakobus.
Sie alle verharrten dort einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und Maria, der Mutter Jesu,
und seinen Brüdern.“

 Nach dem Drama des Karfreitags zerstreuten sich die Jünger Jesu - eine Zeit der Enttäuschung, der Prüfung und der Angst. Und es braucht die persönliche Begegnung mit dem auferstandenen Herrn in den vierzig Tagen nach Ostern, damit die Apostel und eine Vielzahl derer, die ihm gefolgt waren, auch eine Ostererfahrung machen können, damit sie sich wieder als Gemeinschaft sammeln lassen. Und gerade der Ölberg, also der Ort, an dem Jesus mit Todesängsten gerungen hatte und seinen Leidensweg begonnen, wird der Ort, von wo er in die Herrlichkeit Gottes geht, um den Geist zu senden.

Von hier aus sehen wir die Apostel zurückkehren in die Stadt Jerusalem. Ich erkenne da uns und unsere Situation wieder! Auch wir kehren von den Ölbergerfahrungen der letzten Wochen langsam zurück ins Leben unserer Städte und Dörfer. Und wohin gehen die Apostel? Sie kehren in das Obergemach zurück, also an den Ort, an dem das Letzte Abendmahl stattgefunden hatte. Sie kehren dorthin zurück, so wie wir heute in unsere Kirchen, um die Eucharistie zu feiern! Und mir gefällt, dass dann die Namen der Apostel und seiner Mutter erwähnt und noch weitere Menschen aufgezählt werden. Das heißt: einzeln werden sie wieder zusammen gerufen; sie werden nach der Zerstreuung wieder ver-sammelt! Ich finde es so schön, sozusagen im „Obergemach“ unserer Gotteshäuser Menschen zu sehen, die ich auch mit Namen kenne wie der Verfasser des Berichtes aus der Apostelgeschichte. Auch wir freuen uns, dass wir uns wieder ver-sammeln können, wie die Jünger im Obergemach. Sie alle verharrten dort einmütig im Gebet. Es braucht unser Mittun, um die Gemeinde Jesu jetzt wieder Schritt für Schritt zu sammeln. Wir wollen uns aber auch sammeln lassen, zusammenführen vom Geist Gottes, auf den wir betend warten. Darum bete ich in diesen Tagen vor Pfingsten: dass der Auferstandene sein Volk durch den Geist wieder sammelt.

 

Es grüßt Sie herzlich

Ihr Pfarrvikar Christian Nowak

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