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Tagesimpuls in der Fastenzeit 2021 - 25.3.2021 – Röm 12,1-8

„Erneuerung im Denken und das Gleichnis vom Leib und seinen Gliedern“ 

oder „Grau ist alle Theorie“

Röm_12.18.pdf

Erneuerung im Denken

1 Ich ermahne euch also, Brüder und Schwestern, kraft der Barmherzigkeit Gottes, eure Leiber als lebendiges, heiliges und Gott wohlgefälliges Opfer darzubringen - als euren geistigen Gottesdienst.

2 Und gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern lasst euch verwandeln durch die Erneuerung des Denkens, damit ihr prüfen und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist: das Gute, Wohlgefällige und Vollkommene!

Das Gleichnis vom Leib und seinen Gliedern. Mahnung zur Besonnenheit

3 Denn aufgrund der Gnade, die mir gegeben ist, sage ich einem jeden von euch: Strebt nicht über das hinaus, was euch zukommt, sondern strebt danach, besonnen zu sein, jeder nach dem Maß des Glaubens, das Gott ihm zugeteilt hat!

4 Denn wie wir an dem einen Leib viele Glieder haben, aber nicht alle Glieder dieselbe Aufgabe haben,

5 so sind wir, die vielen, ein Leib in Christus, als Einzelne aber sind wir Glieder, die zueinander gehören.

6 Wir haben unterschiedliche Gaben, je nach der uns verliehenen Gnade.

Hat einer die Gabe prophetischer Rede, dann rede er in Übereinstimmung mit dem Glauben;

7 hat einer die Gabe des Dienens, dann diene er.

Wer zum Lehren berufen ist, der lehre;

8 wer zum Trösten und Ermahnen berufen ist, der tröste und ermahne.

Wer gibt, gebe ohne Hintergedanken;

wer Vorsteher ist, setze sich eifrig ein;

wer Barmherzigkeit übt, der tue es freudig.


 

Impuls:

Die langen Erörterungen über die Gnade Gottes, seine Erwählung, das neue Leben in Christus und das Verhältnis zu Israel münden in praktische Überlegungen: Wie soll der einzelne Christ und die ganze Gemeinde leben, um all das erkennen zu lassen, was Paulus über das Christsein bisher geschrieben hat?
Er kennt die Gemeinde in Rom nicht, aber er erhebt doch den Anspruch, ihr mit Autorität etwas sagen zu können „kraft des Erbarmens Gottes“. Es sind also nicht wohlgemeinte Ratschläge, sondern Richtlinien für das Christsein überhaupt. Ihr „Opfer“ ist eine Lebensweise, die Gottes Ruf entspricht. Eine kleine Gruppe von Christen, die eigentlich nicht auffallen kann in der Weltstadt Rom. Aber ihre neue Identität, die ihnen in der Taufe geschenkt wurde, wird in einer neuen Art zu leben erkennbar.

Paulus fragt nach der Besonderheit einer christlichen Gemeinde: Was macht sie aus? Er erklärt es in einem Bild, das in der Antike allen Zuhörern geläufig war: Der Leib und die vielen Glieder. Für Paulus beschreibt der Leib mit den Gliedern das Grundwesen einer christlichen Gemeinde: Einheit in Vielfalt. Alle sind aufeinander verwiesen und jeder wird gebraucht. Weil alle in Christus miteinander verbunden sind, ist keiner in der Gemeinde mehr wert als der andere. Weil alle Gnadengaben von Gott geschenkt sind, besteht kein Grund zur Überheblichkeit.

Vier „Charismen“ nimmt Paulus besonders in den Blick:

  • Die Gabe der Prophetie, also das kritische Hinterfragen des Lebens auf der Grundlage des Evangeliums.
  • Die Gabe des Dienens, also alle Aufgaben, die der Gemeinde und ihrem Zusammenhalt dienen.
  • Die Gabe des Lehrens, also die Erinnerung an die Tradition und an das Evangelium Jesu.
  • Die Gabe des Zuredens, also die seelsorgliche Zuwendung und Ermutigung der Gemeindemitglieder.

Es fällt auf, dass die Aufgabe des Vorstehens, also der Leitung, als sozialer Dienst verstanden wird in enger Verbindung mit caritativen und solidarischen Talenten, die geben, ohne etwas vom Empfänger zu erwarten.

Ein kluges Bild auch für unsere Gemeinden: Die Mitte ist nicht ein Programm oder eine Struktur, sondern Christus. Alle Aufgaben, Dienste und Ämter bekommen aus ihm heraus ihren Sinn und ihr Leben. Keiner kann sich von den anderen Gliedern lösen, denn dann wäre er getrennt vom Leib und stirbt ab.

Sven Johannsen, Pfarrer

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