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Apg 12,24-13,5 - Lesung aus der Apostelgeschichte

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In jenen Tagen 24 wuchs das Wort des Herrn und breitete sich aus.

25Nachdem Barnabas und Saulus in Jerusalem ihre Aufgabe erfüllt hatten, kehrten sie zurück; Johannes mit dem Beinamen Markus nahmen sie mit.

1In der Gemeinde von Antiochia gab es Propheten und Lehrer: Barnabas und Simeon, genannt Niger, Luzius von Zyrene, Manaën, ein Jugendgefährte des Tetrarchen Herodes, und Saulus.

2Als sie zu Ehren des Herrn Gottesdienst feierten und fasteten, sprach der Heilige Geist: Wählt mir Barnabas und Saulus zu dem Werk aus, zu dem ich sie mir berufen habe.

3Da fasteten und beteten sie, legten ihnen die Hände auf und ließen sie ziehen.

4Vom Heiligen Geist ausgesandt, zogen sie nach Seleuzia hinab und segelten von da nach Zypern.

5Als sie in Salamis angekommen waren, verkündeten sie das Wort Gottes in den Synagogen der Juden. Johannes hatten sie als Helfer bei sich.

 

Impuls

Zum Glück gibt es den Josef, den Josef Barnabas“ - Aus eigenem Antrieb geht er nach Tarsus zu Saulus, dem ehemaligen Christenverfolger. Als Saulus nach seiner Bekehrung vor Damaskus Kontakt mit den Aposteln und der Urgemeinde aufnahm, stieß er auf große Reserviertheit, ja Ablehnung. Schon in dieser Situation war es Barnabas, der ausbrach und auf Saulus zuging, ihn in den Kreis der Apostel einführte und für ihn sorgte. (Apg 9,26-30). Er erkennt, dass Saulus der geeignete Helfer für die große Aufgabe in Antiochia ist und macht sich ohne Rücksprache mit den Aposteln auf den Weg nach Tarsus, die Heimatstadt des Saulus, in die er sich nach Drohungen in Jerusalem zurückgezogen hatte. Wie mag es Saulus in dieser Zeit der Abgeschiedenheit gegangen sein? Hat er über sein Leben nachgedacht und sich vergewissert über seinen Glauben ? War er unzufrieden? Fühlte er sich vielleicht sogar abgeschoben und kaltgestellt? Vermutlich trifft alles zu. Jetzt aber wagt Barnabas einen erneuten Anlauf und verhilft Saulus so, die Aufgabe zu finden, die zu seiner Lebensbestimmung wird: Die Verkündigung des Evangeliums an die Völker. Noch ist er der Helfer des Barnabas, der aber die Größe hat, später den Platz für Saulus freizugeben. Das wird nicht ohne Konflikte gehen, aber zum Segen für die Kirche werden.

Gemeinsam machen sie sich auf den Weg und brechen zu einer ersten Missionsreise auf, die sie vom Festland in die Heimat des Barnabas, Zypern, und auf die Insel Salamis führt. Der zweite Teil der Apostelgeschichte hat nun begonnen: Petrus wird aus dem Blickfeld verschwinden und Paulus, heute noch Saulus, dominieren. Der Glaube hat sich durch Petrus gefestigt und wird durch Paulus in die Welt getragen. Die Schlüsselfigur zwischen ihnen ist aber Barnabas.

Es braucht Menschen wie Barnabas, die auch die großen Denker und Verkündiger, die zwar unbequem für die Amtskirche sind, aber dennoch sich als große Zeuge erweisen, einbinden. Stellen wir uns vor, dass die Kirche auch Hans Küng am Ende seines Lebens rehabilitiert hätte. Er ging versöhnt. Es gab Gespräche mit Papst Benedikt und hochrangigen Vertretern der Amtskirche in Deutschland und Rom. Er war bis zum Ende loyal zur Kirche, aber dennoch gilt er als ihr größter Kritiker. Wie, wenn es einer geschafft hätte, auszubrechen und den Weg wieder zurück in die Mitte der Kirche zu ebnen. Sein Lebens- und Glaubenszeugnis wäre nicht nur groß gewesen, sondern ein uneingeschränkter Segen für die ganze Kirche.

 

Sven Johannsen, Pfarrer

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