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Romano Guardini „Vom Geist der Liturgie“

28.6.2020_Guardini.pdf

Die Liturgie sagt nicht „Ich“, sondern „Wir“, es sei denn, dass die betreffende Handlung die Einzahl in besonderer Weise fordert (z. B. bei einer persönlichen Willenserklärung oder in manchen Gebeten des Bischofs, des Priesters u.a.). Die Liturgie wird nicht vom einzelnen, sondern von der Gesamtheit der Gläubigen getragen. Diese Gesamtheit setzt sich nicht nur aus den Menschen zusammen, die gerade in der Kirche sind; sie ist nicht nur aus die versammelte „Gemeinde“. Sie dehnt sich vielmehr über die Schranken des betreffenden Raumes hin aus und umfasst alle Gläubigen auf der ganzen Erde. Über die Schranke der Zeit greift sie ebenfalls hinweg. Insofern sich die auf der Erde betende Gemeinschaft auch mit den Heimgegangenen eins weiß, die in der Ewigkeit stehen. Allein die Bestimmung des Allumfassens erschöpft den liturgischen Gemeinschaftsbegriff noch nicht. Das Ich, welches die liturgische Haltung trägt, ist nicht die einfache Zusammenzählung aller gleichgläubigen Einzelnen. Es ist deren Gesamtheit, aber sofern die Einheit als solches etwas ist, abgesehen von der Menge derer, die sie bilden: die Kirche. 

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