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Apg 13,13-25

29.4.2021_Apg_1314.pdf

 

13Von Paphos fuhr Paulus mit seinen Begleitern ab und kam nach Perge in Pamphylien. Johannes aber trennte sich von ihnen und kehrte nach Jerusalem zurück.

14Sie selbst wanderten von Perge weiter und kamen nach Antiochia in Pisidien. Dort gingen sie am Sabbat in die Synagoge und setzten sich.

15Nach der Lesung aus dem Gesetz und den Propheten schickten die Synagogenvorsteher zu ihnen und ließen ihnen sagen: Brüder, wenn ihr ein Wort des Trostes für das Volk habt, so redet.

16Da stand Paulus auf, gab mit der Hand ein Zeichen und sagte: Ihr Israeliten und ihr Gottesfürchtigen, hört!

17Der Gott dieses Volkes Israel hat unsere Väter erwählt und das Volk in der Fremde erhöht, in Ägypten; er hat sie mit hoch erhobenem Arm von dort herausgeführt

18und fast vierzig Jahre durch die Wüste getragen.

19Sieben Völker hat er im Land Kanaan vernichtet und ihr Land ihnen zum Besitz gegeben,

21für etwa vierhundertfünfzig Jahre. Danach hat er ihnen Richter gegeben bis zum Propheten Samuel.

21Dann verlangten sie einen König, und Gott gab ihnen Saul, den Sohn des Kisch, einen Mann aus dem Stamm Benjamin, für vierzig Jahre.

22Nachdem er ihn verworfen hatte, erhob er David zu ihrem König, von dem er bezeugte: Ich habe David, den Sohn des Isai, als einen Mann nach meinem Herzen

gefunden, der alles, was ich will, vollbringen wird.

23Aus seinem Geschlecht hat Gott dem Volk Israel, der Verheißung gemäß, Jesus als Retter geschickt.

24Vor dessen Auftreten hat Johannes dem ganzen Volk Israel Umkehr und Taufe verkündigt.

25Als Johannes aber seinen Lauf vollendet hatte, sagte er: Ich bin nicht der, für den ihr mich haltet; aber seht, nach mir kommt einer, dem die Sandalen von den Füßen zu lösen ich nicht wert bin.

 

 

 

 

Impuls:

Vom Saulus zum Paulus“ ist für uns eine feststehende Wendung und bezeichnet die völlige Lebenswende eines Menschen. Wir verorten diesen absoluten Bruch im Leben eines Menschen in der Regel mit der Christuserfahrung des Saulus vor Damaskus. Der Verfolger wird durch die Vision und das Hören der Stimme des erhöhten Herrn zum mutigen Verkünder des Evangeliums. Aber Lukas verwendete in seiner Apostelgeschichte noch bis gestern noch den Namen „Saulus“, also weit über die Erzählung des Damaskusereignis hinaus. Die Namensänderung bezeichnet nicht so sehr eine innere Glaubensbekehrung, sondern vielmehr eine Neuausrichtung der ganzen Kirche. „Saulus“, der alte Name des ersten Königs Israels, steht für die jüdische Herkunft des Apostels und seine ersten Schritte in der Mission im Kontext des jüdischen Umfelds. „Paulus“, sein griechischer Name, hilft ihm, in einem neuen Umfeld, das weltoffener geprägt ist und in dem die Weltsprache „Griechisch“ zum wichtigsten Mittel der Kommunikation wird. Paulus nimmt jetzt in den Erzählungen die Führungsrolle ein. War er bis zu diesem Zeitpunkt Helfer und Mitarbeiter des Barnabas, wird er jetzt zur herausragenden Persönlichkeit im Kreis der ersten christlichen Missionare.

Die erste Missionsreise führt die Gruppe in jedem Ort zuerst in die Synagoge, das jüdische Gotteshaus. Zur Missionsstrategie des Apostels Paulus gehört also der Beginn in der eigenen Glaubensgemeinschaft. Aber die Anrede der Predigt „Brüder und Gottesfürchtige“ weitet bereits den Kreis. Nicht nur die Glaubensbrüder und -schwestern, die der jüdischen Religion angehören, werden angesprochen, sondern auch die Heiden, die mit dem Judentum sympathisieren, aber nicht konvertieren. Wahrscheinlich halten die Beschneidung und die strengen Gesetze der Tora sie von diesem Schritt ab. Paulus nimmt sie ernst als Adressaten seiner Predigt. Sein Auftritt in der Synagoge von Antiochia in Pisidien, der Hauptstadt der römischen Provinz Galatien in Zentralanatolien, erinnert an die Antrittspredigt Jesu in der Synagoge von Nazaret (Lukas 4): Im Kommen Jesu erfüllt sich die Geschichte Israels und die Verheißung der Propheten.

Paulus bricht nicht mit der Tradition, sondern knüpft bewusst an die Überlieferung des Judentums in den heiligen Schriften an, aber er sprengt zugleich die Grenzen der Religion und öffnet die Botschaft für Interessierte.

Das Evangelium sucht einen Zugang in die unterschiedlichen Lebenswelten von Menschen. Daher ist es wichtig, dass es auch mit Blick auf die Verschiedenheit von Menschen, Kulturen und Ländern verkündet wird. Auch in unseren Tagen kann man die europäische Kirche nicht einfach zum Maß machen für die jungen Kirchen in Afrika, Lateinamerika und Asien. Es gibt einen gemeinsamen Glaubensschatz, der aber in unterschiedlichen Sprachen und Formen bewahrt und gefeiert wird.

Sven Johannsen, Pfarrer

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