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Zum Gedenktag der Heiligen Martha

Meister Eckhart Predigt „Über Martha und Maria“ (II)

29.7.2020_Martha.pdf

Drei Dinge ließen Maria zu den Füßen Christi sitzen. Das eine war ,dass die Güte Gottes ihre Seele umfangen hatte. Das andere war ein unaussprechliches Verlangen: Sie sehne sich und wußte nicht wonach und wünschte, ohne zu wissen, was. Das dritte war der süße Trost und die Lust, die sie aus den ewigen Worten schöpfte, die aus dem Mund Christi rannen.

Auch Martha zogen drei Dinge, die sie umhergehen und dem lieben Christus diene ließen. Das eine war ihr erwachsenes Alter und ihr bis auf das Höchste geübter Grund. Deshalb war sie überzeugt, dass niemandem das Tätigsein so gut anstünde wie ihr.

Das andere war eine weise Besonnenheit, mit der sie das äußere Werk auszurichten wusste auf das, was der Liebe in höchstem Maß entspräche. Das dritte war die hohe Würde des lieben Gastes.

Nun spricht Martha: „Herr, sag Maria, dass sie mir helfen soll.“
Martha kannte Maria besser als Maria Martha, denn Martha hatte schon lange und recht gelebt, und das Leben schenkt das tiefste Erkennen.

Das Leben erkennt alles, was man in diesem Leib erkennen kann. Und in gewisser Weise erkennt das Leben klarer, als es im Licht der Ewigkeit möglich ist. Das ewige Licht lässt uns immer nur uns selbst und Gott erkennen, nicht aber uns selbst ohne Gott. Wo das Leben nur sich selbst im Blick hat, da nimmt es den Unterschied von Gleich und Ungleich schärfer wahr.

Lausche nun auf das Wunder!

Welch wunderbares Stehen draußen und drinnen., begreifen und umgriffen werden, schauen und das Geschaute selbst sein, halten und gehalten werden. Das ist das Ziel, wo der Geist in Ruhe bleibt, in der Einheit der lieben Ewigkeit.

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