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NAGELPROBE FÜR DEN GOTTESGLAUBEN Hans Küng

 3._Juli_Thomas.pdf

 

An Auferweckung glauben heißt nicht, an irgendwelche unverifizierbare Kuriositäten zu glauben, heißt überhaupt nicht, zum Glauben an Gott noch etwas "dazu" glauben zu müssen. Nein, der Auferweckungsglaube ist kein Zusatz zum Gottesglauben; er ist geradezu die Radikalisierung des Gottesglaubens, die Nagelprobe, die der Gottesglaube zu bestehen hat. Warum? Weil ich mit meinem unbedingten Vertrauen nicht auf halbem Wege anhalte, sondern ihn konsequent zu Ende gehe. Weil ich diesem Gott alles, eben auch das Allerletzte, den Sieg über den Tod zutraue. Weil ich vernünftigerweise darauf vertraue, dass der allmächtige Schöpfer, der aus dem Nichtsein ins Sein ruft, auch aus dem Tod ins Leben zu rufen vermag. Weil ich dem Schöpfer und Erhalter des Kosmos und des Menschen zutraue, dass er auch im Sterben über die Grenzen alles bislang Erfahrenen hinaus noch ein Wort mehr zu sagen hat; dass ihm wie das erste so auch das letzte Wort gehört, dass er wie der Gott des Anfangs auch der Gott des Endes ist: Alpha und Omega. Wer so ernsthaft an den ewig lebendigen Gott glaubt, glaubt dann auch an Gottes ewiges Leben, glaubt auch an sein - des Menschen - ewiges Leben.

Quelle: Hans Küng in: Ewiges Leben, München 1982.

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