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Gregor d. Große, aus der „regula pastoralis“

(Anweisungen für die Seelsorger)

3.9.2020_Gregor_d_Große.pdf

„Wenn du die tiefen Geheimnisse durchschauest, so erinnere dich, daß du ein Mensch bist; und wenn du über dich selbst entrückt wirst, so laß dich durch den Zügel deiner Schwachheit zu dir selbst wieder behutsam zurückführen. Darum muß sich das Auge der Seele, wenn ihr die Größe unserer Tugenden schmeichelt, wieder zu den Schwächen hinwenden und sich gleichsam wieder demütigen. Nicht das Gute, das wir getan, sondern das, was wir zu tun unterlassen haben, soll es betrachten, und so soll das angesichts der eigenen Schwäche gedemütigte Herz bei Gott, dem Urheber der Demut, fester in der Tugend gegründet werden. Denn wenn der allmächtige Gott die Seelen der Vorsteher oft in einem Punkt unvollkommen läßt, obwohl er ihnen in anderen Punkten große Vollkommenheit verliehen hat, so hat er dabei seine heiligen Absichten: Sie sollen bei all ihrem wunderbaren Tugendglanze doch Ekel und Widerwillen ob ihrer Unvollkommenheit empfinden und sich nicht um der großen Dinge willen erheben, da sie noch mit so viel Kleinem zu kämpfen haben; und da sie kleine Schwierigkeiten nicht zu überwältigen vermögen, haben sie keinen Grund, auf die großen Erfolge stolz zu sein.“

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