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Montag der fünften Osterwoche

 

Lesung aus der Apostelgeschichte: Apg 14,5-18

3.5.2021_Apg_145.pdf

 In jenen Tagen 5als die Apostel merkten, dass die Heiden und die Juden zusammen mit ihren Führern entschlossen waren, sie zu misshandeln und zu steinigen,

6flohen sie in die Städte von Lykaonien, Lystra und Derbe, und in deren Umgebung.

7Dort verkündeten sie das Evangelium.

8In Lystra war ein Mann, der von Geburt an gelähmt war; er saß ohne Kraft in den Füßen da und hatte nie gehen können. 9Er hörte der Predigt des Paulus zu. Dieser blickte ihm fest ins Auge; und da er sah, dass der Mann darauf vertraute, gerettet zu werden, 10rief er laut: Steh auf! Stell dich aufrecht auf deine Füße! Da sprang der Mann auf und ging umher.

11Als die Menge sah, was Paulus getan hatte, fing sie an zu schreien und rief auf lykaonisch: Die Götter sind in Menschengestalt zu uns herabgestiegen.

12Und sie nannten den Barnabas Zeus, den Paulus aber Hermes, weil er der Wortführer war.

13Der Priester des „Zeus vor der Stadt“ brachte Stiere und Kränze an die Tore und wollte zusammen mit der Volksmenge ein Opfer darbringen.

14Als die Apostel Barnabas und Paulus davon hörten, zerrissen sie ihre Kleider, sprangen unter das Volk und riefen: 15Männer, was tut ihr? Auch wir sind nur Menschen, von gleicher Art wie ihr; wir bringen euch das Evangelium, damit ihr euch von diesennichtigen Götzen zu dem lebendigen Gott bekehrt, der den Himmel, die Erde und das Meer geschaffen hat und alles, was dazugehört. 16Er ließ in den vergangenen Zeiten alle Völker ihre Wege gehen. 17Und doch hat er sich nicht unbezeugt gelassen: Er tat Gutes, gab euch vom Himmel her Regen und fruchtbare Zeiten; mit Nahrung und mit Freude erfüllte er euer Herz.

18Doch selbst mit diesen Worten konnten sie die Volksmenge kaum davon abbringen, ihnen zu opfern.

 

Impuls:

Der „Siegeszug“ der christlichen Verkündigung gleicht weniger einer Lawine, die alles mit sich reißt, eher einem holprigen Waldwege, der manchmal in die Irre führt und zur Umkehr zwingt. Lukas verschweigt die Misserfolge nicht. Es gibt massive Widerstände von vielen Seiten, nicht nur jüdische Führer, sondern auch führende Persönlichkeiten und Gruppen in der Gesellschaft der besuchten Städte wenden sich gegen die christlichen Missionare. Paulus und seine Begleiter halten sich in vertrautem Gebiet auf, dem heutigen asiatischen Teil der Türkei. Ikonion liegt rund 200 Kilometer südöstlich der heutigen Hauptstadt Ankara, an einer wichtigen öffentlichen Straße, der „via Sebaste“, die Ikonion mit Antiochia in Pisidien verbindet, wo sich Paulus zuvor aufgehalten hat. Diese Gegend wird literarisch ihren Niederschlag im NT finden im Brief an die Galater. Das Christentum nutzt also die römische Infrastruktur und sucht seinen ersten Weg immer in die Städte. Wie schon in den vorherigen Abschnitten besucht Paulus zuerst die Synagoge und findet mit seiner Predigt erfolgreiche Aufnahme bei Juden und Griechen. Doch wieder stößt die Predigt auch auf Widerstand bei einigen jüdischen Kreisen und am Ende werden Paulus und seine Begleiter vertrieben. Der Same aber ist in die Erde gesetzt, weil einzelnen Menschen das Evangelium annehmen und sich zu Christus bekennen. Gottes Wille, so der rote Faden der Apostelgeschichte, lässt sich nicht aufhalten durch Menschen. Paulus muss in dieser Phase noch keine systematische Gemeindegründungen angehen, es genügt Menschen für das Evangelium zu gewinnen, die Struktur später.
Manchmal folgen auf die Verkündigung nicht Hasse, sondern grundlegende Missverständnisse wie in Lystra, etwa 36 km südöstlich von Ikonion. Paulus findet echten Glauben bei dem gelähmten Mann, den er heilt. Lukas weist so Paulus gleichrangig zu den Altapostel aus, denn auch er hat die Kraft im Namen Jesu Menschen zu heilen wie Petrus. Noch größer aber ist das Entsetzen über die falsche Interpretation der Heilung durch die Stadtbevölkerung. Sie glauben, dass Götter unter ihnen aufgetreten sind.
Ein neues Umfeld, geprägt von der griechischen Kultur, stellt vor neue Herausforderungen.

In dieser Gegend, in der die Erzählung von Philemon und Baukis, einem alten Ehepaar, das den Göttern Zeus und Hermes Gastfreundschaft gewährte, verortet ist, zielt Paulus in seiner ersten Predigt v.a. darauf ab, den Glauben an einen einzigen Gott zu begründen. An dieser Stelle passt die Rede vom Gottessohn Jesus Christus nicht, weil sie letztlich wieder die Vorstellung von vielen Göttern befördern könnte. Die frühe Predigt ist also immer den Umständen angepasst und überlegt klug, was an welchem Ort hilfreich ist für die Weitergabe des Evangeliums. Es gibt kein Lehrbuch der Verkündigung, sondern ein genaues Wahrnehmen der Situation und die entsprechende Reaktion, die dem Auftrag, das Evangelium in die Welt zu tragen, am meisten hilft.

Sven Johannsen, Pfarrer

 

 

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