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Tagesimpulse in der Fastenzeit am 31.03.2021

Röm 14,13-23 Erkenntnis und Liebe. Kriterien des Handelns.

210331_Impuls_Römerbrief.pdf

Bibeltext:

13 Daher wollen wir uns nicht mehr gegenseitig richten. Achtet vielmehr darauf, dem Bruder keinen Anstoß zu geben und ihn nicht zu Fall zu bringen!

14 Ich weiß und bin im Herrn Jesus fest davon überzeugt, dass nichts unrein ist in sich selbst; unrein ist es nur für den, der es als unrein betrachtet.

15 Denn wenn wegen einer Speise, die du isst, dein Bruder verwirrt und betrübt wird, dann handelst du nicht mehr der Liebe gemäß. Richte durch deine Speise nicht die zugrunde, für die Christus gestorben ist!

16 Es darf doch euer wahres Gut nicht der Lästerung preisgegeben werden;

17 denn das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist.

18 Denn wer Christus so dient, ist Gott wohlgefällig und geachtet bei den Menschen.

19 Lasst uns also dem nachjagen, was dem Frieden dient und der gegenseitigen Auferbauung! 20 Reiß nicht wegen einer Speise das Werk Gottes nieder! Alle Dinge sind rein; schlecht ist es jedoch, wenn ein Mensch durch sein Essen Anstoß erregt.

21 Es ist nicht gut, Fleisch zu essen oder Wein zu trinken oder sonst etwas zu tun, wenn dein Bruder daran Anstoß nimmt.

22 Die Überzeugung, die du selbst hast, sollst du vor Gott haben. Wohl dem, der sich nicht zu verurteilen braucht bei dem, was er für recht hält.

23 Wer aber Zweifel hat, wenn er etwas isst, der ist gerichtet, weil er nicht aus der Überzeugung des Glaubens handelt. Alles, was nicht aus Glauben geschieht, ist Sünde.

Impuls:

Lass uns also dem nachjagen, was dem Frieden dient […]“ schreibt Paulus in V. 19, nachdem er vorab das Thema des gestrigen Abschnittes fortsetzt: die Differenzen, die in der frühchristlichen Gemeinde im Hinblick auf die Essgewohnheiten von Juden- und Heidenchristen entstanden sind. Während die Christen mit jüdischem Hintergrund sich weiterhin an die jüdischen Speisegebote halten, fühlen sich die Heidenchristen diesen nicht verpflichtet. Ein Problem, das zu zahlreichen Konflikten führt und zu dem Paulus Stellung nimmt. Er macht aber deutlich: Nicht die Essgewohnheiten und die Konflikte dazu sollten im Mittelpunkt des christlichen Lebens stehen, sondern die Ausrichtung auf den Herrn: Gerechtigkeit, Freude und eben auch Friede im Heiligen Geist.

Mich beschäftigt heute besonders der Friede. Er ist die Voraussetzung für ein gutes Miteinander.

Der eingangs aufgeführte Satz aus V. 19, hat mich an das Motto der Ministranten-Romwallfahrt 2018 aus dem Psalm 34 erinnert: „Suche Frieden und jage ihm nach“.

Schon damals hat mich dieser Satz beschäftigt. Was heißt es, dem Frieden nachzujagen?

Mir kommt es manchmal so vor, als gleiche die Suche nach Frieden, der Jagd nach dem „goldenen Schnatz“ aus den „Harry Potter“-Romanen von J. K. Rowling.

Dazu müssen Sie wissen, dass der „goldene Schnatz“ beim sogenannten Quidditch-Spiel viele Punkte für die Mannschaft bringt. Er ist rund, golden und kostbar. Aber eben auch klein und flüchtig. Es ist nicht so leicht, ihn zu finden, geschweige denn ihn zu fangen. Aber was am allerwichtigsten ist: um ihn überhaupt zu entdecken, muss man wissen, wie er aussieht. Und das ist vielleicht der große Unterschied zum Frieden, der ebenfalls kostbar ist, aber manchmal schnell vergeht und doch unverhofft wiederkommt: während das Aussehen des „goldenen Schnatz“ immer gleich ist, hat der Friede viele Gesichter – je nach Kontext.

Im Krieg besteht der Friede darin, die Waffen schweigen zu lassen und diplomatische Lösungen zu finden. In der Familie, kann Friede bedeuten, dass es nicht immer nur nach meinem Kopf geht und ich mich nach einem Streit entschuldige.

In der Gemeinde, dass wir gemeinsam um gute Lösungen zum Wohl aller ringen. Für mich selbst kann Friede heißen, dass ich mein Leben und meine Entscheidungen akzeptieren kann.

Trotz vieler Gesichter schwingt überall mit:

Friede hat etwas mit Anerkennung, Liebe und Respekt zu mir - aber auch zu meinem Mitmenschen - zu tun. Diese Dimensionen sind tief im christlichen Glauben verwurzelt.

Das macht den Frieden für mich zu einem kostbaren Schatz, bei dem es sich lohnt, ihm immer wieder nachzujagen und ihn in meinem eigenen Leben zu entdecken und zu bewahren. Ganz egal wann, wo und unter welchem „Gesicht“ sich der Friede mir zeigt.

Halten wir die Augen offen und haben Sie einen schönen, friedvollen Tag!

Marie-Bernadette Reichert, Pastoralassistentin

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