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Kommt und seht!

2021_01_04_Impuls_Kommt_und_seht.pdf

 

Liebe in 2021 Angekommene,

 

„Kommt, und seht!“ dieser Aufruf wirkt in diesen Tagen manchmal schon als provokant oder Anschlag auf die Abstandsregeln, bzw. auf die Gesundheit des Nächsten.

 

Kommt, und seht! Das steht zur Zeit mehr als Einladung um vor dem Fernseher Nachrichten zu verfolgen, welche Fortschritte die Impfstrategie hinlegt,

bzw. welche Bilder uns im Rückblick auf 2020 gezeigt werden.

 

Kommt, und seht! Das ist für mich jedoch immer eine Einladung zum Mitgehen, zum Mitsehen. Derjenige der diese Worte ausspricht, will mir etwas zeigen und er freut sich, dass ich dieser Einladung folge.

 

Kommt, und seht! Diesen Satz hörte ich als Kind immer, wenn ich als Sternsinger, Sternträger oder König mit von Haus zu Haus durch unser Dorf ziehen durfte und jede Familie uns herzlich willkommen hieß, um ihre Krippe, den geschmückten Christbaum zu zeigen, damit wir kräftig räucherten.

Schließlich sind wir ja immer noch „zwischen den Jahren“ und somit in den Raunächten, welchen von Alters her besondere Kräfte zugeschrieben werden und das Räuchern ganz wichtig ist.

 

Kommt, und seht und trinkt die Liebe des Hl. Johannes. Einen kleinen, kostbaren Schluck des am Tag dem Evangelisten Johannes geweihten Weines.

Das war und ist (außer in diesem Jahr) das jährliche Ritual am Neujahrstag,

wenn ich Verwandte und Freunde besuchte um ein „Glückseliges Neues Jahr“ zu wünschen. Als Kind durfte ich schon ab 5 Uhr mit meinem Vater durch die Gassen und Straßen ziehen. Überall standen die Türen offen und wir wurden freudig erwartet. Dieser Brauch schafft stärkende Gemeinschaft. Statt des Weines bekamen wir Kinder ein Geldstück als Segensgabe, je nach Verwandtheitsgrad und Bekanntschaft waren die Prämien unterteilt von 10 Pfennig bis zu 5 D-Mark. Ich habe nie vergessen, wie ich einmal in meiner Kindheit dann selbstständig von Haus zu Haus gezogen bin und so stolz war, dass mein Geldbeutel gut gefüllt war. Allerdings hatte ich so das einzige Mal in den Jahren, den Gottesdienst verpasst. Und dann lies mich meine Mutter sehen und spüren was kommt, wer nicht zur Messe kommt…

 

Sicher können Sie und Du ähnliche Lebensgeschichten erzählen, vielleicht gerade in diesem Jahr im Austausch per Telefon, Video oder ähnlichen Wegen.

 

„Kommt, und seht, wo ich wohne“, so hat es uns der Evangelist Johannes heute in das Evangelium des Tages geschrieben. Jesus selbst hat dazu eingeladen.

Nur hat der Heilige Schreiber keine Details erwähnt. Wir sollen und dürfen uns selbst auf den Weg begeben um zu sehen, wo Gott wohnt, dass Gott uns in Jeder und Jedem begegnet. Auch und gerade dort, wo wir ihn vielleicht nicht vermuten: In den fast vergessenen Flüchtlingslagern in unserem doch so wohlhabenden Europa. Wo Kinder, Erwachsene, Alte, Kranke unter menschenunwürdigen Verhältnissen leben müssen. In Krisen- und Kriegsgebieten weltweit, wo das tägliche Überleben die einzige Lebensaufgabe ist.

 

Gehen und sehen wir mit wachen Sinnen und gläubigem Vertrauen, in und auf das kommende Jahr, um der Einladung Jesu zu folgen. Nehmen wir die Hirten auf den Feldern und die Sterndeuter als Vorbild, um unsere Hände als Gebende, Schützende und Stärkende einzusetzen. So wird Segen spürbar und sichtbar!

 

Und in einem kleinen Schluck Johannes-Wein bekommt der Segen sogar noch

einen ganz besonderen Geschmack!

Zum Wohl - auf ein glückseliges 2021!!!

 

johannes weismantel

Leiter Diözesanbüro Main-Spessart

 

 

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