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„God speaks in silence“ steht auf einem Poster, das in meinem Büro hängt. Regelmäßig bleibt der Blick meiner Besucher an diesem Poster hängen. So manch gutes Gespräch hat sich schon über diese Aussage ergeben.

Wenn wir auf große Persönlichkeiten in der Bibel schauen, sehen wir, dass sich Gott ihnen oft in der Stille, im Unerwarteten offenbart. Gott begegnet dem Propheten Elija nicht im Sturm, nicht im Erdbeben oder im Feuer, sondern in der Stille der Einsamkeit in einem leichten Säuseln (vgl. 1Kön 19,11 ff). Auch Hiob, dessen Leben von schwerem Leid geprägt ist, erkennt, dass das Wort Gottes wie ein Flüstern ist, das wir von ihm vernehmen (vgl. Hiob 26,14). Um ein leises Säuseln wahrnehmen zu können, um ein Flüstern zu hören, ist es wichtig das rege Treiben und den Lärm der Umgebung abzustellen. Still zu werden um in der Stille Gott begegnen zu können. In diesen von der Coronakrise betroffenen letzten Tagen vor Ostern stehen wir vor der Entscheidung: nutzen wir die soziale Isolation, die Reduzierung im öffentlichen Leben um nun endlich alles Liegengebliebene zu erledigen und uns geschäftig zu halten, damit die Zeit möglichst effektiv genutzt wird oder sehen wir sie als Chance einer neuen Gottesbegegnung vor einem für uns so bedeutsamen Fest?

Mit dem morgigen Tag, dem Palmsonntag, beginnt die Karwoche, die seit jeher von einer großen Stille geprägt ist. Sie wird in manchen Gegenden daher auch „Stille Woche“ genannt. Die zeigt sich nicht nur im kirchlichen Leben wie etwa in der Reduzierung des Orgelspiels oder dessen kompletten Entfalls an Karfreitag sondern auch im Schweigen der Glocken von Gründonnerstag Abend bis zum Gloria in der Osternacht. Am Karfreitag gibts es darüberhinaus vielerort noch ein Tanzverbot. Auch dürfen manche Filme nicht im Fernsehen gezeigt werden um den besonderen Charakter dieser Woche aufrecht zu erhalten.

Nutzen wir diese Tage vor Ostern bewusst. Schalten wir die Möglichkeiten der medialen Ablenkung wie Fernseher, Internet und Handy einfach mal einen Tag bewusst aus, gehen wir in die Einsamkeit und hören wir in der Stille der Sinne auf das was Gott uns in dieser Zeit mitteilen möchte.

„Im Schweigen sehen wir alles in einem neuen Licht. Wenn wir lernen zu schweigen, können wir andere Menschen innerlich anrühren. Es kommt nicht darauf an, was wir sagen, sondern was Gott zu uns und durch uns sagt. Jesus wartet immer im Schweigen auf uns. In der Stille hört er uns zu und spricht zu uns, da hören wir seine Stimme“, wie Mutter Teresa sagt.

Möge es einem jeden von uns gelingen in den kommenden Tagen ganz neu Gottes Stimme zu hören und ihm in diesen Tagen der Karwoche neu zu begegnen.

Impuls_04.04.2020.pdf

 

Sabrina Peper

Sozialpädagogin in der PG 12 Apostel, Lohr

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