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Gott allein breitet den Himmel aus und geht auf den Wogen des Meeres.
Er macht den Großen Wagen am Himmel und den Orion,
das Siebengestirn und die Sterne des Südens.“
(Hiob 9,8-9)

Durch den heutigen Losungsvers der Herrnhuter Brüdergemeinde – die „Losungen“
nahmen übrigens am 3.Mai 1728 ihren Anfang und sind bis heute für viele evangelische Christen weltweit ein geschätzter geistlicher Begleiter – werden wir auf das Buch Hiob gestoßen. Es ist ein urgewaltiges Buch, wunderschön und anspruchsvoll in seiner poeti-schen Sprache; es ringt mit der Frage, wie es zu erklären ist, dass einem Menschen, der so voller Gottes- und Nächstenliebe ist, so viel Unglück widerfährt: Hiob, der von allen für seine Frömmigkeit respektiert wird, verliert seine Kinder, seinen reichen Besitz und seine Gesundheit. Warum hat Gott ihn nicht bewahrt? Ist das eine Strafe Gottes? Ist der Allmächtige gerecht in seinem Weltregiment?

Zwei Dinge stehen für Hiob fest: 1. dass Gott „weise und allmächtig ist“ (9,4). Der Mensch ist Gott in jeder Hinsicht unterlegen und „kann nicht recht behalten gegen Gott“ (9,2.32). Das lehrt schon die riesige Schöpfung, die von Gott einschließlich des Sternenhimmels (Losung) ins Leben gerufen und erhalten und von ihm bewohnt wird. 2. Hiob ist sich sicher, dass sein gegenwärtiges Leid keine angemessene Folge oder Bestrafung für eine vorherige Schuld in seinem Leben ist: „Ich bin unschuldig!“ (9,21.35)

Diese Spannung, dieses Nichtverstehen erleben wir auch immer wieder. Durch Schick-salsschläge, wie sie Hiob erfahren hat und wie sie auch die jetzige Pandemie darstellt, erleben wir das in existentieller Tiefe: Es sind bohrende Fragen, die nicht abzuweisen sind. Wenn man aus dem Buch Hiob eines lernen kann, dann dies: Es führt kein Weg daran vorbei, diese Spannungen zu ertragen, die Fragen zuzulassen und sowohl unter-einander als auch vor Gott ehrlich auszusprechen – mit allen Zweifeln und Vorwürfen gegen Gott, die in uns auftauchen. Der Hauptteil des Hiobbuches besteht eben in solchen Gebeten und geistlichen Gesprächen, die immer die letzte Ehrfurcht vor Gott bewahren.

Was Hiob – vom Verfasser des Buches höchst sinnvoll vorgenommen – nicht weiß, ist die Antwort, die der Prolog auf seine Frage gibt „Wenn nicht ER, wer anders sollte es tun?“ (9,24): Es ist Satan, der das Unglück Hiobs wollte und veranlasste, während es Gott, der Hiobs Frömmigkeit bestätigt, wichtig ist, dass auf Hiob Acht gegeben wird (2,3). Sinnvoll deshalb, weil auch wir in unserem Heute keinen Einblick in die unsicht-baren Wirkmächte haben. Darum hat es sich für Christen bewährt, nicht zu viel über den Teufel nachzudenken, sondern von Gott zu Gott zu fliehen.

Gebet:

Herr, unser Gott, hilf mir und allen Menschen auf dich zu vertrauen. Auch wenn wir nicht alles verstehen, was in unserem Leben und in der Welt geschieht: Lass uns daran festhalten, dass du alles richtig machst. Lass uns nicht zweifeln an deiner Güte! Hilf uns, dich zu ehren in guten und in schlechten Tagen. Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Till Roth, Dekan

Tagesandacht_2020-05-05_A4.pdf

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