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Heller denn je!“ (Pfarrer Sven Johannsen)

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Im vergangenen Jahr war es nach 20 Jahren wieder so weit: Der Stern von Bethlehem leuchtet auf. Nein, diesmal nicht nur in unseren Weihnachtskrippen oder beim Krippenspiel am Heiligen Abend. Wenige Tage vor Weihnachten war ein Himmelsphänomen zu beobachten, das Astronomen die „große Konjunktion“ nenen und als Hintergrund der biblischen Überlieferung vom Stern über Bethlehem deuten. Alle 20 Jahre kommen sich die Planeten Saturn und Jupiter beim Umkreisen der Sonne nahe. Aus Sicht der Erde schieben sie sich regelrecht voreinander, so dass das Licht, das sie spiegeln, intensiver also sonst wahrgenommen werden kann. 2020 standen sie sich schließlich so nahe wie seit 400 Jahren nicht mehr und ihr Licht strahlte heller denn je. Die „große Konjunktion“ dient als Erklärung für das besondere Interesse der Weisen aus dem Morgenland, die möglicherweise diese Himmelsbewegung im Jahr 7 v. Chr. , das wir als das eigentliche Geburtsjahr Jesu annehmen, beobachtet haben. Alles also ganz logisch zu erklären. Das enttäuscht ein wenig. Ist damit wieder eine schöne biblische Geschichte aufgeklärt und auf den harten Boden der Realität zurückgeholt? Schade, wieder kein Wunder.

Oder doch?

 Was ist denn das eigentliche Wunder an diesem Tag?

Ein astronomisches Phänomen, das unerklärlich bleibt? Das wäre beeindruckend, aber nicht wirklich eine Hilfe für unseren Glauben. Gott hält sich auch bei Wundern an den Rahmen der Gesetze, die er der Natur gegeben hat. Es wäre ein naiver Glaube, dass Gott die Ordnung der Dinge sprengt, um uns zu beeindrucken und für sich zu gewinnen. Der Kern der Erzählung ist der Aufbruch und das Durchhalten der Weisen, die im Stern zunächst nur ein naturwissenschaftliches Phänomen und einen Hinweis auf einen menschlichen König erkennen. Das klingt heute etwas esoterisch, war aber zur Zeitenwende durchaus mit der Wissenschaft vereinbar. Das Wunder ist, dass diese Männer, über deren Glauben wir nichts wissen, trotz aller Enttäuschung und Ernüchterung ihrer Erwartungen im Kind von Bethlehem den König der Welt erkennen, auch wenn er später nicht der politische Machthaber des Landes Israel werden wird. Das Entscheidende geschieht in den Herzen der Weisen, die nicht zu stolz sind, allein ihrer Intelligenz zu trauen, sondern sich ihrer Sehnsucht nach Gott anvertrauen.

Die Weisen entdecken im astronomischen Phänomen der Planetenkonjunktion den Stern Gottes, der sie als Hoffnungszeichen leitet. Sie sind bereit, weiter zu schauen als ihre Augen reichen, und trauen ihrem Herzen mehr als ihrem Verstand.

Paulus wünscht uns im Brief an die Epheser:
„Gott erleuchte die Augen eurer Herzen, damit ihr erkennt, zu welcher Hoffnung ihr berufen seid.“

Bei den Weisen aus den Morgenland hat es geklappt. Trauen auch wir dem Stern in der Dunkelheit, der uns zum Kind führt als Ursprung und Quelle aller Hoffnung.

 

Heller den je!“
Heute wären in unseren Gemeinden unsere Sternsinger als Boten der Hoffnung unterwegs. Sie bringen Jahr für Jahr mit ihrem Segen Licht in unsere Häuser und Wohnungen, weil sie uns zusagen, dass auch unsere vier Wände der Stall sein können, in dem Christus geboren wird. In diesem Jahr wird ihr Besuch ausbleiben. Dennoch müssen wir nicht auf den Segen verzichten. In allen Kirchen finden Sie gesegnete Kreide und Aufkleber. Auf der Homepage der PG www.pg-12-apostel.de finden Sie eine schöne Feier der Lohrer Sternsinger zum heutigen Festtag.

„Heller denn je!“ - so lautet das fast schon trotzig klingende Thema in diesem Jahr. Wer in dieser dunklen Zeit, in der so viele Menschen zu Angst und Furcht neigen, Hoffnung bringt, der leuchtet tatsächlich heller denn je. Dazu brauchen wir kein astronomisches Phänomen, sondern Augen des Herzens, die erleuchtet sind von Hoffnung und Vertrauen wie die der Weisen aus dem Morgenland.


Das wünsche ich Ihnen

 

Sven Johannsen, Pfarrer

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