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"Wir trinken auf das Leben"

Purim beziehungsweise Fastnacht

7.2_Purim.pdf

Puriim Fasching

Eine jüdische Stimme:

Kleine und große Clowns, Ritter, Prinzessinnen, Monster, Hexen, Zebras, Hasenund andere phantasievoll gekleidete Gestalten haben sich in der Synagogeversammelt, machen Krach mit Hilfe von Rasseln, trampeln mit den Füßen,pfeifen und bringen „Buh“-Rufe aus. Und all das bei der Verlesung einesbiblischen Buches?? Purim ist das Lieblingsfest jüdischer Kinder, denn siedürfen sich nach Herzenslust verkleiden und brauchen nicht still sitzen, weil derLärm sogar Teil der Liturgie ist. Wann immer der Übeltäter Haman genannt wird, bricht ein enormer Krach aus, um dessen Namen auszulöschen.Das Hören der Esther-Geschichte ist das wichtigste Gebot des Festes. Daneben ist es üblich, einander Süßigkeiten und selbst zubereitete Speisen zu schenken. Das typische Gebäck für Purim sind die „Haman-Taschen“ oder „Haman-Ohren“,dreieckige, mit Mohn, Datteln oder Marmelade gefüllte Kekse. BedürftigeMenschen werden mit Lebensmitteln oder mit Geld bedacht, damit auch sie sich Festmahlzeiten leisten können. Und warum heißt es „Esther-Rolle“? Weil der Text des Esther-Buchs aus einer auf Pergament handgeschriebenen Rolle (Megillah), ähnlich einer Torah-Rolle, vorgetragen wird. –Rabbinerin Dr.in Ulrike Offenberg

Eine christliche Stimme

Prächtige Prinzenwagen von Düsseldorf bis Mainz, spärlich bekleidete sambatanzende junge Frauen in Rio, vornehme Masken in Venedig, urtümlichesGeistertreiben in Rottweil und Luzern – das sind Bilder, die beim Stichwort „Karneval“ aufsteigen. Dass „Karneval“ ursprünglich die Tage vor dem Beginnder vorösterlichen Fastenzeit im Christentum bezeichnet, ist heute wohlzunehmend weniger bewusst.Traditionell verzichteten Christen und Christinnen in den vierzig Tagen vor Osternauf den Verzehr von Fleisch und schränkten auch sonst ihr Leben ein. An Karneval sagte man „dem Fleisch Lebwohl“ („carne vale“). Hier durfte aber auchdie Welt auf den Kopf gestellt werden. Spott auf die Herrschenden, Tanz, fette Speisen und ausgiebiger Alkoholkonsum gehörten dazu. Bezeichnungen wie das rheinische „Fastelovend“ („Fast-Abend“) oder „Fastnacht“ erinnern daran, dass Karneval eine Art Schwelle oder Übergang darstellt zwischen dem Leben imAlltag und der Zeit der Vorbereitung auf das Fest der Auferstehung Christi. Die „tollen Tage“ bergen aber auch ein utopisches Moment: dass das Leben mit seinen oft harten Begrenzungen und Ungerechtigkeiten nicht alles ist…Marie-Theres Wacker

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