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Mittwoch in der Osteroktav - Apg 3,1-10

7.4._APg_31-10.pdf

Bibeltext:

1 In jenen Tagen gingen Petrus und Johannes um die neunte Stunde zum Gebet in den Tempel hinauf.

2Da wurde ein Mann herbeigetragen, der von Geburt an gelähmt war. Man setzte ihn täglich an das Tor des Tempels, das man die Schöne Pforte nennt; dort sollte er bei denen, die in den Tempel gingen, um Almosen betteln.

3Als er nun Petrus und Johannes in den Tempel gehen sah, bat er sie um ein Almosen.

4Petrus und Johannes blickten ihn an, und Petrus sagte: Sieh uns an!

5Da wandte er sich ihnen zu und erwartete, etwas von ihnen zu bekommen.

6Petrus aber sagte: Silber und Gold besitze ich nicht. Doch was ich habe, das gebe ich dir: Im Namen Jesu Christi, des Nazoräers, geh umher!

7Und er fasste ihn an der rechten Hand und richtete ihn auf. Sogleich kam Kraft in seine Füße und Gelenke;

8er sprang auf, konnte stehen und ging umher. Dann ging er mit ihnen in den Tempel, lief und sprang umher und lobte Gott.

9Alle Leute sahen ihn umhergehen und Gott loben.

10Sie erkannten ihn als den, der gewöhnlich an der Schönen Pforte des Tempels saß und bettelte. Und sie waren voll Verwunderung und Staunen über das, was mit ihm geschehen war.

 

Impuls:


„Acta Apostolorum“, „Taten der Apostel“, so lautet in der kirchlichen Tradition der Titel für das zweite Buch des Lukas,
die sog. Apostelgeschichte. Lukas hat es nicht als Fortsetzung seines Evangeliums verfasst, wie ein Bestsellerautor nach einem ersten Erfolg gleich den zweiten Roman folgen lässt. Lukas hat seine Überlieferung von Anfang an als Doppelwerk geplant. Viele Verheißungen Jesu in seinem Evangelium erfüllen sich im Tun und im Schicksal der Apostel und der jungen Kirche.

Der Titel ist ein wenig irreführend. Zum einen stehen im Zentrum nicht alle Apostel. Lukas schildert zwar immer wieder auch Ereignisse mit anderen Jüngern Jesu, aber im Grunde kann man eine Zweiteilung erkennen: im ersten Teil steht Petrus im Mittelpunkt (1-12). Im zweiten Teil konzentriert sich die Darstellung fast ausschließlich auf Paulus. Es geht auch nicht um die Auflistung von Großtaten der Apostel Jesu, sondern um das Handeln Gottes an ihnen bzw. durch sie. Sie bezeugen mit ihren Taten und Reden Christus und er bestätigt durch seinen Kraft ihre Verkündigung: „Er rief aber die Zwölf zusammen und gab ihnen Gewalt und Macht über alle Dämonen und dass sie Krankheiten heilen konnten 2und sandte sie aus, zu predigen das Reich Gottes und zu heilen die Kranken.“ (Lk9,1)

Petrus und Johannes, der ihn begleiten, kommen in den Tempel wie es der Sitte frommer Juden entspricht. Sie nehmen auch nach Ostern selbstverständlich an den Gebets-versammlungen der jüdischen Gläubigen teil und kommen zum Nachmittagsgebet nach 15.00Uhr (Neunte Stunde) in den Tempel. Die Heilung des gelähmten Mannes wird in ihrer Bedeutung hervorgehoben durch den Hinweis, dass er von Geburt an gelähmt ist. Petrus gibt ihm also nicht die Gesundheit zurück, die er durch eine Krankheit oder einen Unfall zeitweise verloren hatte, er schenkt ihm eine ganz neue Lebenserfahrung. Der Wundertäter Petrus handelt aber nicht aus eigener Kraft. Sein Heilungswort wird an Christus, den Erlöser, zurückgebunden: „Im Namen Jesu Christi, des Nazoräers, richte dich auf und geh' umher.“ Auch in den folgenden Heilungswundern wird nicht der handelnde Apostel geehrt, sondern das Wirken Jesu soll herausgehoben werden.


„Im Namen Jesu Christi, des Nazoräers“ - wir handeln als Kirche zum Wohl der Menschen immer in seinem Namen und durch seine Kraft. Nichts hat Bestand, wenn es darauf abzielt, dass
einzelne Vertreter der Kirche zu Ehren kommen.

 

Das Vorbild des Petrus hinterfragt auch das Auftreten mancher heutiger Kirchenvertreter. Mitunter hat man den Eindruck, dass einige Kleriker und Laien v.a. die eigene Inszenierung im Blick haben. Lese ich manche Interviews mit Kirchenvertretern, die besonders häufig in den Medien auftauchen, dann fällt es mir schwer in ihren Worten nur den Willen zur Verkündigung des Evangeliums zu erkennen und nicht auch die Versuchung, sich selbst zum Maß aller Dinge zu machen. Wie oft erleben wir die persönliche Zurschaustellung auf allen Ebene der Kirche, wenn Männer und Frauen in der Kirche sich präsentieren als besonders menschenfreundlich, einfühlsam und verständnisvoll oder fromm, treu zur Lehre und allwissend im Bezug auf das Lehramt. Oft habe ich den Eindruck, dass hier nur der der Wunsch nach Beifall bedient werden soll. Petrus und Johannes aber wissen, dass sie alles nur aus Christus vermögen.

 

Es wäre hilfreich für die Weitergabe des Glaubens, wenn das in unserer Kirche auch wieder klar erkennbar wäre. Wer in der Kirche oder in der Caritas arbeitet, kann das nur glaubwürdig tun, wenn es im Namen Jesu Christi und aus seinem Geist geschieht.

 

Sven Johannsen, Pfarrer

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