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Juan Diego Cuauhtlatoatzin

Tagesimpuls_9.12.2020.pdf

Heute gedenkt die Kirche neben vielen anderen eines Heiligen, der in unseren Längen- und Breitengraden weniger bekannt ist. Gerade deshalb möchte ich ihn heute in den Blick nehmen: Juan Diego Cuauhtlatoatzin.

 Wenn uns Corona etwas gelehrt hat, dann den Blick über den eigenen Tellerrand hinaus.

 Da war also ein einfacher Indio in Mexiko mit Namen Cuauhtlatoatzin.

Über sein Leben ist wenig bekannt. Wir wissen nur, dass er sich im 16. Jahrhundert etwa im Alter von 50 Jahren taufen ließ und den christlichen Namen Juan Diego – Johannes Jakobus – erhielt.

Ein paar Jahre später soll ihm die Jungfrau Maria erschienen sein. Durch ein Rosenwunder konnte er den Bischof überzeugen, eine Kapelle zu bauen, die Ziel von vielen Pilgern wurde.

Den Marienerscheinungen und Juan Diego ist es zu verdanken, dass sich dort bei Tenochtitlan – dem heutigen Mexiko-Stadt der meistbesuchte Wallfahrtsort weltweit entwickelte. Die Verehrung der Jungfrau von Guadalupe war geboren, deren Gedenktag wir am 12.12. begehen.

 2002 wurde Juan Diego von Johannes Paul II. heilig gesprochen, als Beispiel für einen, der die Begegnung zweier Kulturen und Welten förderte und dem in Lateinamerika noch jungen Christentum half in einer so fremden Kultur anzukommen und sich zu inkulturieren. Er trug dazu bei, dass das das Gute aus seiner Indiokultur erkannt und aufgenommen wurde und die Formen und Glaubensinhalte des Christentums verstehbar in seine Welt übersetzt wurden.

 Grenzen lassen sich auf der Karte ziehen. Und sind viel zu oft auch in unseren Köpfen verankert. Doch die Abgrenzung von „denen drüben“ und „denen hier herüben“, funktioniert nicht mehr. Die Welt ist miteinander verbunden.

 

Ich nehme die Figur des Juan Diego als Frageanregung für uns heute auf.

Wie gelingt es uns das Gute hinter allem Fremden zu entdecken und in unserer Welt zur Entfaltung zu bringen? Wie können wir verhindern uns abzuschotten, abschrecken zu lassen, sondern neugierig bleiben und das Leben in all seinen Facetten entdecken?

 

Katrin Fuchs, Jugendseelsorgerin in Main-Spessart

 

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