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Ich will mich freuen über mein Volk. Man soll in ihm nicht mehr hören die Stimme des Weinens noch die Stimme des Klagens.“ (Jesaja 65,19)

Die Geschichte Gottes mit seinem Volk Israel, wie sie im Alten Testament eindrücklich bezeugt ist, ist beispielhaft für uns. Das bedeutet: So wie Gott mit seinem Volk
Israel in Gericht und Gnade handelt, so geht er im Grunde auch mit allen Menschen um. Die Erwählung Israels durch Gott unterscheidet auf der einen Seite die Juden (als Volks- wie als Glaubensgemeinschaft) von allen anderen Menschen und Völkern, weil Gott seinem Volk besondere Verheißungen gegeben hat und im Rahmen des
(Sinai-)Bundes in besonderer Weise beisteht. Auf der anderen Seite gilt: Auch alle Menschen haben über die Schöpfung ein Mindestwissen über den einen, wahren Gott; ihnen sind gewisse Grundgebote ins Gewissen gepflanzt; sie haben Anteil an den allgemeinen Segnungen und Verheißungen der Schöpfung und des Noah-
Bundes.

Allgemein gilt der Satz Jesu: „Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man umso mehr fordern.“ (Luk. 12,48) So wurde Israel gerade aufgrund der Erwählung und seiner besonderen Vorzüge auch strenger zur Rechenschaft gezogen und erfuhr Gottes Strafgerichte für sein Abweichen von den Bundesverpflichtungen (siehe Amos 3,2!). Nicht anders ist es aber bei uns, die wir nicht zum Volk Israel gehören: Gott wird, wenn wir die reichen Verheißungen und Segnungen durch Christus bzw. durch den christlichen Glauben gering achten und uns vom Schatz des Evangeliums abwenden, uns heimsuchen. Es kann nicht ohne Folgen bleiben, wenn ein Mensch oder eine Gesellschaft Gott den Rücken kehrt.

In diesem Sinne ist die Geschichte des Volkes Israel, wie sie im Alten Testament von den Propheten als ein Weg unter Gottes Gnade und Gericht dargestellt wird, hochaktuell, bedeutsam und verbindlich für uns. Es geht nicht anders, als dass Gott uns unsere Sünden aufdeckt und uns so lange demütigt und dabei auch so manche falschen Sicherheiten aus der Hand schlägt, bis wir die Vergebung suchen und das Heil in Christus annehmen. In diesem Sinne schaut der Prophet Jesaja in der heutigen
Tageslosung auf das Ende der Wege Gottes, wo er sich freuen wird über geläuterte Menschen, die wohl durch viel Weinen und Klagen hindurch mussten, nun aber davon befreit und erlöst sind. Hier ist noch von „Seinem“ Volk – Israel – die Rede; aber wir wissen, dass durch Jesus Christus alle Menschen zum Volk Gottes des neuen Bundes eingeladen sind. Gott sei Dank gilt: Es ist immer noch Gnadenzeit, Zeit zur Besinnung, Zeit zur Umkehr, Zeit das ewige Leben in Christus zu erlangen.

In diesen allgemeinen Sinn dürfen wir die „Corona-Krise“ auch als Heimsuchung Gottes und Ruf zur Umkehr verstehen. Nicht diejenigen, die am Virus sterben, sind die von Gott Bestraften. Sondern unser aller Sterblichkeit ist der „Lohn der Sünde“ (Röm. 6,23) und sollte uns eingedenk sein lassen, Gott auch unter Weinen und Klagen zu suchen.

Dekan Till Roth

Tagesandacht_2020-04-01.pdf

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