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  „Jesus, wem g´hörscht´n du?“

Tagesimpuls_05012021_Jesus_wempdf.pdf

Ich bin in einem Dorf aufgewachsen. Knapp 1700 Einwohner. Nicht ganz klein, aber doch überschaubar.

Man kennt sich – eigentlich. Denn natürlich gibt es Umzüge, Todesfälle und Geburten. Und dann gibt es da auch die Lücke zwischen den Generationen, dass man irgendwann nicht mehr so genau weiß, welche Kinder und Enkelkinder zu welcher Familie oder Verwandtschaft gehören.

Diese „Generationenlücke“ wurde mir bei meinem Einsatz als Sternsingerin zum ersten Mal richtig bewusst.

Bei Schnee und Eiseskälte liefen wir durch die Straßen. Vollbepackt – wie Sternsinger nun mal sind – mit Taschen, Körben, Spendendose, Kreide und Aufklebern.

Wir klingelten an den Haustüren und trafen viele Menschen, die sich über unseren Besuch und den Segen an Ihren Haustüren freuten.

Neben den erhofften Süßigkeiten und der Spende für das Kindermissionswerk, hatten die Besuchten aber meist auch noch Fragen an uns Sternsinger im Gepäck. Die Häufigste dabei war: „Wem g´hörscht´n du?“

Mein erster Impuls auf diese Frage war: „Ich gehöre Niemandem, sondern mir ganz allein.“

Doch ich habe schnell gemerkt, dass diese Antwort mehr Irritation als Verständnis ausgelöst hat und der Fragesteller eigentlich etwas anderes wissen wollte: meine Herkunft. Also habe ich brav geantwortet und zunächst meine Eltern aufgeführt.

Am Ende des Tages war ich dann bereits bei meinen Urgroßeltern, um dem Besuchten Auskunft über meine Person zu geben.

Über diese Erfahrung, die vielleicht dem ein oder anderen bekannt vorkommt, muss ich heute noch schmunzeln.

 

Die Frage nach der Herkunft spielt oft eine Rolle.

Auch im heutigen Tagesevangelium nach Johannes hören wir davon. Philippus, der Jesus bereits kennengelernt hat, erzählt Natanaël von Jesus, über den schon die Propheten geschrieben haben. Dabei stellt Philippus Jesus zuerst mit den Worten vor:

Jesus aus Nazaret, der Sohn Josefs.

Diese Aussage finde ich spannend. Denn er hätte Jesus auch ganz anders bezeichnen können.

Als Retter, Gottessohn, König usw. Aber Philippus bleibt zunächst dabei und nennt schlicht Name, Herkunftsort und (irdischen) Vater. Damit entsteht ein erstes Bild von Jesus.

Das macht Natanaël skeptisch, weil er von den Leuten aus Nazaret bisher eher Negatives gehört hat und fragt: Kann aus Nazaret überhaupt was Gutes kommen?

Doch schon bald wird er von Jesus selbst überzeugt und erkennt: Ja, auch aus Nazaret kann Gutes kommen!

Jesus aus Nazaret, der Sohn Josefs.

So wie Philippus von Jesus spricht, könnte es ein Verwandter, Bekannter, Nachbar oder Freund sein.

Jemand, den ich einordnen kann.

Jemand, den ich kenne und zu dem ich Vertrauen haben kann, weil er einer von uns ist – und Sohn Gottes.

Diese Nähe trägt uns auch besonders durch die Weihnachtszeit.

Gott wird Mensch und wir erfahren und feiern sogar „zu wem er gehört“.

Und das schon seit vielen Jahrhunderten von Generation zu Generation.

 

Marie-Bernadette Reichert, Pastoralassistentin

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