headeroben

Alles nicht selbstverständlich

 Der Herr ist gerecht in allen seinen Wegen und gnädig in allen seinen Werken.

(Psalm 145,17)

„Nach meiner Erkrankung vor einem Jahr bin ich einfach dankbar, dass ich den heutigen Tag erleben darf.“ Sagte mir vor kurzem eine Frau.

Sie freute sich über jeden Tag, den sie ohne große Beeinträchtigungen erleben durfte.

Sie sah darin ein Geschenk Gottes, ein Zeichen seiner Gnade.

 

Von der Gnade Gottes spricht auch die heutige Tageslosung aus Psalm 145.

Dort heißt es: Gott ist gnädig in allen seinen Werken.

 

Wie gnädig Gott ist, mag uns oft in unserem Alltag gar nicht groß auffallen.

Zu selbstverständlich nehmen wir es meistens hin, dass wir gesund sind,
genug zu essen haben, auf die Arbeit gehen oder das Rentenalter genießen können.

Zu normal erscheint es uns, sich mit Freunden zu treffen oder Gottesdienste miteinander zu feiern. Die aktuelle Krisenzeit mit ihren Gefahren und Einschränkungen macht uns dies im Kontrast dazu nur zu allzu deutlich. Sie erinnert uns daran, dass vieles eben doch ein Geschenk ist und oft unverfügbar für uns bleibt.

 

Wir wollen dennoch darauf vertrauen, dass alles, was wir jetzt so vermissen,
in der nächsten Zeit wieder in unser Leben zurückkehrt – jedenfalls in Ansätzen.

Denn Gott zieht seine Gnade nicht zurück. In Jesus Christus hat er sich ein für alle Mal als der Gott erwiesen, der gnädig ist und der uns liebt.

 

Das war auch Martin Luther bewusst. Deshalb konnte er, der in seinem Leben manche Krise durchleben musste, in seiner Auslegung zum 1. Glaubensartikel im Kleinen Katechismus getrost bekennen: „Ich glaube, daß mich Gott geschaffen hat samt allen Kreaturen, mir Leib und Seele, Augen, Ohren und alle Glieder, Vernunft und alle Sinne gegeben hat und noch erhält; dazu Kleider und Schuh, Essen und Trinken, Haus und Hof, Weib und Kind, Acker, Vieh und alle Güter; mit allem, was not tut für Leib und Leben,
mich reichlich und täglich versorgt, in allen Gefahren beschirmt und vor allem Übel behütet und bewahrt; und das alles aus lauter, väterlicher, göttlicher Güte und Barmherzigkeit,
ohn all mein Verdienst und Würdigkeit.“

Pfarrer Michael Kelinske

Kelinske_24-3-20.pdf

 

 

Gebet:

Herr, unser Gott,

wir danken dir für deine Gnade und Güte, die du uns in Jesus Christus schenkst.

Wir bitten dich: Gib uns offene Augen dafür.

Hilf uns dankbar zu sein, auch für die Dinge, die uns oft so selbstverständlich und klein erscheinen. Amen

 

 

Michael Kelinske

Evangelischer Pfarrer in Lohr am Main

­