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Er gibt uns das Leben zurück

Impulse aus der Tageslesung der Messliturgie

Der Prophet Hosea trat in Israel in einer sehr schwierigen Zeit auf: Nach einer Zeit großer wirtschaftlicher Blüte, regelrechten Wirtschaftswunderzeiten, hat sich das Blatt gewendet.

Das Reich wird von den Assyrern aus dem Norden bedroht, die in einem beispiellos grausamen Siegeszug die gesamten nördlichen Nachbarländer bereits überrannt haben. Große Gebiete Israels sind bereits verloren gegangen. Und noch schlimmeres ist zu erwarten.

Das ist die Wunde, auf die der Prophet Hosea im Text Bezug nimmt, den wir heute in der Messfeier als Lesung hören. Es ist ein Bußgebet, dass das Volk spricht:

 

Aus dem Buch Hosea (Hos 6,1-6)

1 Kommt, wir kehren zum Herrn zurück! Denn er hat Wunden gerissen, er wird uns auch heilen; er hat verwundet, er wird auch verbinden.

2 Nach zwei Tagen gibt er uns das Leben zurück, am dritten Tag richtet er uns wieder auf, und wir leben vor seinem Angesicht.

3 Lasst uns streben nach Erkenntnis, nach der Erkenntnis des Herrn. Er kommt so sicher wie das Morgenrot; er kommt zu uns wie der Regen, wie der Frühjahrsregen, der die Erde tränkt.

4 Was soll ich tun mit dir, Efraim? Was soll ich tun mit dir, Juda? Eure Liebe ist wie eine Wolke am Morgen und wie der Tau, der bald vergeht.

5 Darum schlage ich drein durch die Propheten, ich töte sie durch die Worte meines Mundes. Dann leuchtet mein Recht auf wie das Licht.

6 Liebe will ich, nicht Schlachtopfer, Gotteserkenntnis statt Brandopfer.

 

Dieses Gebet kommt in der Verkündigung des Wortes Gottes auch in einer schwierigen Zeit zum Klingen. Mich erinnert die derzeitige Krise in unserem Land an die Situation des Volkes Israel.

Auch für uns hat sich in kürzester Zeit und plötzlich das Blatt gewendet. Unsere Bedrohung ist das Corona-Virus. Andere Länder hat es bereits überrannt, jetzt ist es bei uns angekommen und breitet in einem momentanen Siegeszug seine Herrschaft aus. Seit gut zwei Wochen erleben wir Schritt für Schritt immer drastischere Maßnahmen, um diesem Eindringling in unser Leben Herr zu werden. Das verlangt uns allen viel ab. Wir spüren plötzlich, dass wir tatsächlich alle betroffen sind: als Gemeinschaft, als Volk, als Gemeinde und als einzelner Gläubiger, als Familie, als Arbeitnehmer, als vielleicht sogar selbst Erkrankte oder als Pflegekraft. Plötzlich ist die Not uns allen nahe.

Das Volk Israel betet. Der Text aus dem Buch Hosea ist wohl ein Bußgebet, aber eines, das ganz von Vertrauen erfüllt ist: Er hat Wunden gerissen, Gott wird aber auch heilen. Er gibt uns das Leben zurück! Das ist auch ein Wunsch, der uns beseelt, nämlich das wir wieder zu unserem „normalen“ Leben zurückkehren können. Machen wir es in diesen Tagen wie Israel als das Volk Gottes heute. Beten wir. Damit auch wir von dem gleichen Vertrauen erfüllt werden wie die Menschen damals; dass wir diese Kraft der Hoffnung haben und das Vertrauen in eine gute Zukunft nicht verlieren.

„Nach zwei Tagen gibt er uns das Leben zurück, am dritten Tag richtet er uns auf.“ (Hos 6,2) Dieser Satz wurde schon immer auch auf die Auferstehung Jesu am dritten Tag gedeutet. Darauf gehen wir in dieser außergewöhnlichen Fastenzeit zu. Dieses Ereignis des Lebens gibt uns Hoffnung und Vertrauen, Kraft und Licht, wenn wir uns zeitlich - und im übertragenen Sinne - in diesen zwei Tagen des Wartens befinden. Es kommt der dritte Tag.

 

Pfarrvikar Christian Nowak

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