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Von Kaplan Frank Elsesser

Die Ruhe des Karsamstag

Ruhig ist es geworden.

Der Karsamstag ist der Tag der Stille. Der Tag der Grabesruhe.

Was hat sich alles ereignet in dieser kurzen Zeit. Wie dicht ist das Geschehen - nach dem Jubel des Palmsonntags, der Gemeinschaft und den Zeichen des letzten Abendmahles, der Stille und der Angst des Ölbergs, der Verfolgung der Ungerechtigkeit des Urteils, dem Leiden, der Folter und des Kreuzwegs, dem Tod am Kreuz, dem Beben der Erde und dem Zerreissen des Vorhangs im Tempel - nach all dem ist es still geworden. Die Stille der Trauer liegt über der Welt. Der Herr ist ins Grab gelegt.

Für seine Jünger und Freunde scheint die Hoffnung zu Ende. Sie sind wie von Trauer gelähmt und geflohen.

Die Welt hält den Atem an. Die Menschen, die auf Christus hoffen, auch sie halten den Atem an. Was wird geschehen?

Ist der Tod Jesu das Ende? Haben Ungerechtigkeit und Leiden den Sieg doch davon getragen? Ist Hoffnung nach der Endgültigkeit des Todes möglich?

In der Stille und der heimlichen Erwartung liegt etwas Unbekanntes, etwas Unfassbares. In der Stille liegt die Hoffnung teilzuhaben an etwas Besonderem, das größer ist als wir es uns vorstellen können, teilzuhaben an etwas, das wir nicht so einfach erfassen oder begreifen können - die Erlösung.

Die Erlösung, die in der Auferstehung geschieht, sie bricht sich in der Stille ihre Bahn. Der Karsamstag ist der Tag zwischen Trauer und Freude. Es ist der Tag, der uns vorbereitet. Gottes Wirken für uns seine Kinder ist nicht spontan und impulsiv, sondern geschieht in klarer und vorausschauender Liebe. In der Stille nimmt die Hoffnung ihre Form an, beruhigt uns, bereitet uns vor. Vorfreude ist die schönste Freude, denn sie lebt aus dieser Hoffnung.

So wünsche ich Ihnen, dass wir in Freude und Hoffnung verbunden bleiben und so der Osterfreude freudig entgegen gehen können.

Dazu will ich Ihnen ein, wie ich finde sehr schönes Gebet ans Herz legen, das sie auch im Gotteslob finden können.

 

Du, Herr, gibst mir immer wieder

Augenblicke der Stille,

eine Atempause,

in der ich zu mir komme.

Du stellst mir Bilder vor die Seele,

die mich sammeln

und mir Gelassenheit geben:

Oft lässt du mir mühelos

irgendetwas gelingen,

und es überrascht mich selbst,

wie zuversichtlich ich sein kann.

Ich merke,

wenn man sich dir anvertraut,

bleibt das Herz ruhig.

 

aus Japan Kaplan Frank Elsesser

 

Impuls_Karsamstag.pdf

 

 

 

 

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