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Da sie es aber noch nicht glauben konnten vor Freude

 Etwas nicht vor Freude glauben können. Haben Sie diese Erfahrung schon einmal gemacht?

Vielleicht als Sie, frisch verliebt, mit Ihrem zukünftigen Partner/Ihrer zukünftigen Partnerin zusammenkamen oder als Ihr erstes Kind geboren wurde.

Oder vielleicht als Sie beim Arzt eine gute Diagnose erhielten, trotz großer Befürchtungen im Vorfeld.

Und mancher Schüler konnte es vor Freude nicht fassen, dass er auf seiner Schulaufgabe tatsächlich eine Note Zwei lesen konnte, wo er doch sonst üblicherweise mit einer Vier noch gut bedient war.

 

Da sie es aber noch nicht glauben konnten vor Freude (Lukas 24,41).

So erlebten es auch die Jünger. Denn es war ja auch wirklich nicht zu begreifen,

dass der gekreuzigte und gestorbene Jesus auf einmal in ihrer Mitte stand.

Ganz klar, dieses Glück konnten sie nicht so schnell fassen.

 

Und doch war Jesus unter ihnen, so plötzlich und geheimnisvoll.

Mit ihren Augen konnten sie ihn sehen, mit ihren Händen anfassen.

Das war keine Einbildung und auch keine Erscheinung. Hier bei ihnen war der auferstandene Herr – ganz echt und ganz lebendig.

 

Wir können Jesus seit seiner Himmelfahrt nicht mehr sehen. Und doch tritt er auch heute noch in unsere Mitte, so plötzlich und geheimnisvoll wie damals.

Die eine erlebt seine Gegenwart, indem sie Frieden und Trost spürt, wo vorher Sorgen und Verzweiflung herrschten.

Ein anderer hat auf einmal das Gefühl, doch nicht allein zu sein.

Und eine dritte bekommt plötzlich Mut, eine Aufgabe anzupacken oder den Anruf zu tätigen, den sie lange schon vor sich hergeschoben hatte.

Schließlich begegnet uns der auferstandene Jesus besonders in seinem Wort und Sakrament, wenn wir in der Bibel lesen, beten oder miteinander Taufe und Abendmahl feiern.

 

Auch wenn wir diesen Ostermontag heute weitgehend allein und mit Sorgen feiern müssen. Auch, wenn es in unserer Welt und in unserem Leben noch Tod gibt, auch wenn immer noch Katastrophen geschehen, die uns vor Entsetzen stumm machen, auch wenn uns immer wieder der Mut verlassen will.

Wir dürfen es glauben und erfahren: Seit Ostern ist neues Leben, ist Veränderung möglich. Und das wird am auferstandenen Jesus sichtbar, der auch heute immer wieder in unsere Mitte tritt. Ich wünsche uns allen, dass wir seine Gegenwart gerade jetzt so erleben, dass wir es vor Freude fast nicht glauben können.

 

Gebet:

Herr Jesus,

müde waren wir und verzagt, sprachlos gemacht und ohne Hoffnung.

Doch in der Begegnung mit dir, dem Auferstandenen, spüren wir:

Neues Leben wächst, Hoffnung und Freude breiten sich aus.

Dafür danken wir dir und loben dich in Ewigkeit. Amen

 

Michael Kelinske

Evangelischer Pfarrer in Lohr am Main

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