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Tagesimpuls am 13.05.2020

Mitten in der Südsee liegt eine Insel. Mit Tieren, Menschen, Wäldern, Bergen und unentdeckten Grotten. Doch überall lauern Gefahren. Mal ist von Schmuggel und Raub die Rede. Mal verschwindet jemand. Auf der fieberhaften Suche, nach der Lösung müssen Entscheidungen getroffen werden. Aber nicht von der Polizei – sondern von den Lesern dieser Abenteuergeschichte.

„Gehst du allein in den dunklen Dschungel, um den Schatz zu suchen?“ lautet eine Frage. Ich kann mich dafür oder dagegen entscheiden. Ich wäge ab. Allein in den Dschungel, ohne Ausrüstung? Nee, viel zu gefährlich. Ich entscheide mich dagegen und lese auf der entsprechenden Seite weiter. Es stellt sich heraus, dass es nun immer unwahrscheinlicher wird, den Schatz und die Schatzräuber zu finden. Die Räuber scheinen über alle Berge zu sein. Habe ich doch die falsche Entscheidung getroffen? Gibt es noch ein Happy End oder droht stattdessen ein tragisches Ende?

Voller Spannung lese ich weiter. Es ist ein Buch der 1000 Möglichkeiten. Jede Entscheidung hat Konsequenzen für den Verlauf der Geschichte. Zumindest irgendwie. Mal wiegen sie weniger und fallen kaum ins Gewicht. Manche sind revidierbar. Wieder andere Beschlüsse wiegen so schwer, dass es kein Zurück mehr gibt.

Was hier zwischen zwei Buchdeckeln verpackt ist, ist doch wie das echte Leben. Entscheidungen müssen und mussten immer getroffen werden. Wie würde unsere Welt aussehen, wenn Politiker, Wissenschaftler und andere kluge Köpfe, ja, eigentlich alle unsere Vorfahren, in wichtigen Situationen anders entschieden hätten? Allein, wenn ich einen Blick auf die jüngere Vergangenheit werfe: Gäbe es die Berliner Mauer noch oder wäre sie überhaupt nicht gebaut worden? Und was wäre gewesen, wenn sich die PolitikerInnen in den letzten Monaten nicht zu einem Lock-Down durchgerungen und wir diese Maßnahmen nicht mitgetragen hätten? Die dramatischen Bilder aus italienischen Krankenhäusern und die Militärposten an Grenzen und im Dorf einer Freundin aus Südtirol, lassen mich die Auswirkungen erahnen.

Solche großen, schwerwiegenden Entscheidungen haben Konsequenzen. Sie müssen wohlüberlegt sein. Denn oftmals stellen sie dauerhaft Weichen für die Zukunft.

Ob das den Ältesten und Aposteln von Jerusalem damals auch klar war, als Paulus und Barnabas eine aktuelle Streitfrage an sie herantrugen? Es ging dabei um die Frage nach der Beschneidung. Zunächst kamen vor allem Juden zum Glauben an Christus. Doch als Paulus, Barnabas und weitere Gefährten Missionserfolge bei den Heiden erzielten, kam es zu ersten Auseinandersetzungen. Es war unklar, ob alle, die Christen werden wollten nicht auch zunächst Juden sein müssten, wie es Jesus zeitlebens war. Diese Frage polarisierte die Menschen. Schließlich brachten Paulus und Barnabas die Streitfrage vor den Expertenrat der Ältesten und Apostel von Jerusalem. Es heißt (Apg 15,1-6), dass die Ältesten und Apostel – so wie wir es heute in der Politik kennen – zunächst Stimmen zum Sachverhalt angehört und dann alles überprüft haben. Es dauerte seine Zeit, bis der Konflikt geklärt werden konnte. Doch wir wissen letztlich, dass diese und andere Entscheidungen der frühen Christen, den Lauf der Geschichte des Christentums beeinflusst haben. Und das bis in die Gegenwart.

So wie viele andere Entscheidungen meiner Vorfahren und von mir selbst, die Teil meiner eigenen Lebens-Abenteuer-Geschichte sind.

Guter Gott,

ich bitte dich: hilf mir bei den vielen großen und kleinen Entscheidungen,

die ich heute und in den kommenden Tagen treffen muss.

Begleite mich und segne mich.

Amen.

 Marie-Bernadette Reichert, Pastoralassistentin

Tagesimpuls_13.05.2020.pdf

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