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Joseph - Lehrer der inneren Einkehr

Link zur Heiligen Messe am Josephstag: 

www.youtube.com/watch?v=FvbfLGtCb8M

Der 19. März ist in unseren Kalendern das Fest des Heiligen Joseph, lange Zeit sogar ein Feiertag in Bayern. Neben dem 25.März, Mariäe Verkündigung, ist der Josephstag noch heute einer der beiden Unterbrecher der Fastenzeit. Bei aller Annäherung zwischen den beiden großen Kirchen ist der Umgang mit den Heiligen noch immer einer der auffälligsten Unterschiede. Vieles, was die katholische Kirche im Blick auf den Heiligen Nährvater Jesu formuliert, z.B. seine Erhebung zum Schutzpatron der Kirche, wird evangelischen Christen fremd bleiben. Die große „Karriere“ als Heiliger begann für Josef tatsächlich erst im Spätmittelalter und ist v.a. mit der Barockzeit verbunden, also der Epoche, in der katholische und evangelische Christen getrennte Wege gingen. Aber dennoch gibt es eine gemeinsame Basis, die uns den biblischen Joseph auch als Vorbild erkennen lässt. Kein Mensch ist neben Maria so eng mit der Menschwerdung Christi verbunden wie er. Die Evangelien konzentrieren sich im Blick auf Joseph auf die Anfänge des Lebens Jesu. Aber auch danach wird Jesus noch als „Sohn des Zimmermanns“ (Mt 13,55) identifiziert.

Jesu Menschwerdung, also seine Geburt und sein Aufwachsen, ist eng dem Handwerker aus Nazareth verbunden: Er gibt Jesus den Platz in der Familie des Königs David. Josef wird ihn die Tora lehren. Nach jüdischer Tradition wird er von ihm den Beruf übernehmen. Wenn Jesus Gott „Abba, Vater“ nennt, dann ist es doch wahrscheinlich, dass er als Kind diese Wendung zunächst für seinen Ziehvater verwendet hat. Seine menschliche und religiöse Reifung ist eng mit dem Zimmermann aus Nazareth verknüpft.
Schon den Zeitgenossen muss der zurückhaltende und überlegte Charakter des Joseph aufgefallen sei. So spricht ihm das Evangelium die Eigenschaft „gerecht“ zu. „Gerecht“ nennt die jüdische Tradition „einen Menschen, der Gott und den Menschen gerecht wird“, der also nicht sich selbst zum Mittelpunkt alles Denken und Verhaltens erklärt, sondern offen ist für den Willen Gottes und achtsam für den anderen Menschen. Die besten Voraussetzungen, um einen jungen Menschen zu erziehen.

 Joseph redet nicht, er träumt. Päpste des 19. und 20. Jahrhundert haben ihn deswegen geehrt als Lehrer der inneren Einkehr, eine Tugend, die eng mit der „Gerechtigkeit“ zusammenhängt. In einem einfachen Kanon, der auf Worte des Mönchsvater Benedikt von Nursia im Prolog seiner Regel zurückgeht, wird erklärt was diese „innere Einkehr“ ist: „Schweige und Höre, Neige deines Herzens Ohr, suche den Frieden.“ Wer schweigt, hat nicht einfach, nichts zu sagen, sondern er lässt einen anderen zu Wort kommen, der ihm etwas zu sagen hat. Wer schweigt, kann beten. Die Erzählungen von den Träumen des schweigenden Josef weisen auf die Offenheit dieses Menschen für Gott hin. Er neigt seines Herzens Ohr, er betritt also einen inneren Raum in sich, in dem er mit Gott allein ist und nichts die Aufmerksamkeit raubt.
In diesen stillen Tagen, in denen manche das Schweigen als eine Art „Verurteilung“ erleben, weil sie das Haus nicht verlassen dürfen bzw. soziale Kontakte unterbleiben sollen, kann das Beispiel des Joseph von Nazareth auch eine Einladung sein, das Schweigen nicht als Last, sondern als Hintergrund des Betens zu entdecken, in dem Gott zu uns reden kann. Wie Joseph werden wir dann Hörer des Wortes, Menschen, die in die Tiefe des Willens Gottes gelangen.

 In meiner Kirche wird Joseph auch als Patron der Sterbenden geehrt. Der Hintergrund ist nicht biblisch, legt sich aber aus der biblischen Überlieferung nahe. Wie kein anderer Mensch außer Maria steht er dem als Mensch reifenden Christus nahe. In seinen und Mariens Armen stirbt Josef, so will es unsere Tradition, wie sie z.B. im Josephsaltar in der Stadtpfarrkirche ihren Ausdruck findet. Eine schöne Vorstellung, dass der, der seinen Frieden bei Gott findet in der Begleitung Jesu, für uns zur Ermutigung wird, auch in unserem Gehen ganz auf den Weg Christus zu vertrauen. (Sven Johannsen, Pfarrer)

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