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Dankbarkeit inmitten größter Herausforderungen?

Welche Antworten kann ein Buch auf die Fragen von heute geben, das vor mehr als 2500 Jahren entstanden ist? Damit beschäftigten sich in den ersten beiden Märzwochen Interessierte der Evang. Kirchengemeinde Lohr und der Kath. Pfarreiengemeinschaft.

Wie schon in den Vorjahren übernahmen Pfarrer Sven Johannsen, Dekan Till Roth, Pfarrvikar Christian Nowak und Pfarrer Michael Kelinske die geschichtliche Einordnung und theologische Erläuterung der Texte - diesmal aus dem 5. Buch Mose, dem Deuteronomium. Im Plenum, aber vor allem in kleineren Tischgruppen wurden die Impulse der Theologen aufgenommen. Sie mündeten in angeregte Diskussionen, ermöglichten aber auch ganz persönliche Gespräche.

Die 10 Gebote – sehen wir die Menschenrechte der UN-Charta von 1948 in den Geboten vollständig berücksichtigt? Schließt „Du sollst nicht töten“ die grundsätzliche Aufforderung ein, generell für das Leben einzutreten? Ganz aktuell: wie ist das Ende Februar vom Bundesgerichtshof gesprochene Sterbehilfe-Urteil in Bezug auf dieses Gebot zu sehen? Unter den Teilnehmenden zeigte sich eine große Bandbreite an Auffassungen dazu. „Ich denke, wir müssen zwischen individuellen, sehr persönlichen Entscheidungen und allgemein gesellschaftlich akzeptierter und erlaubter Handlungsweise unterscheiden“, differenzierte Pfarrer Johannsen. 

„Die Aufforderung zur Dankbarkeit setzt Erinnerung voraus“ - dies führte zu manch einer sehr persönlichen Rückschau. „Eigentlich ist es ein Wunder, dass ich heute hier noch so sitze“, ließ sich eine Dame vernehmen, der man ihre fast 80 Jahre in keiner Weise ansah. Trotz vieler Herausforderungen, die sie zu meistern hatte, blickte sie beim Gespräch in der Kleingruppe dankbar auf ihr Leben zurück: „Ich habe immer Kraft für meine Aufgaben bekommen, ich war nie allein.“ Im Gespräch wurden neue persönliche Kontakte zwischen den Gemeindegliedern geknüpft, ein Kennenlernen ermöglicht. 

„Ich freue mich sehr über die vielen katholischen Gemeindeglieder hier in unserer evangelischen Auferstehungskirche“, begrüßte Dekan Roth beim ökumenischen Gottesdienst am Sonntag – nicht zum Abschluss der Bibelwoche, sondern erstmalig zwischen den Veranstaltungsabenden. Die Predigt von Pfarrer Johannsen über Segen und Fluch, über Gottes Entscheidung, Israel - ein so kleines Volk - auszuerwählen, nahm das Thema der Woche „Vergesst nicht ...“ eindrücklich auf, sodass nicht nur Dekan Roth gerne weiter ins Gespräch eingestiegen wäre. 

An den Abenden der zweiten Woche zu „Mitmenschlichkeit“ und „Wähle das Leben“ wurden eigene Handlungen hinterfragt. Anforderungen in Zeiten von Flüchtlingsdramen, von Armut mitten in unserer reichen Gesellschaft konkretisierten sich im Gespräch. „Aber ich mache einen Anfang! Direkt vor meiner Tür: ich habe meine Nachbarn im Blick“, ließ sich eine Teilnehmerin ermutigend vernehmen. 

Das Verteilen der Bibelabende auf zwei Wochen wurde teils kritisch gesehen. Sehr gute Rückmeldungen gab es zu den Texterläuterungen und zur Möglichkeit des Austauschs.

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