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3. Fastenpredigt

Juden und Christen – lesen wir die gleiche Bibel?“

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Liebe Schwestern und Brüder

 

Dienstag, 28.September 2021 – in Tel Aviv, Jerusalem oder Haifa, von Eilat am Roten Meer im Süden bis Kiryat Shmona im Norden, überall in Israel werden rauschende Feste gefeiert. Stundenlang ziehen Menschenmengen durch die Straßen, singen, tanzen, liegen sich in den Armen. Nein, wahrscheinlich wird Maccabi Haifa dann nicht die Champions League gewonnen haben oder Benjamin Netanjahu endlich mal abgewählt sein. Juden, ganz egal ob orthodox-fromm oder liberal-säkular, feiern „Simchat Tora“, das Fest der „Freude über die Tora“, also das „Gesetz Gottes.“ Es steht am Ende des sog. „Herbstmanövers“, wie der Rabbiner der jüdischen Gemeinde Köln, Jacob Engelmayer, einmal die große Festzeit in den Monaten September und Oktober nannte. Die Reihe beginnt mit Rosh Hashana, dem eher ruhig gefeierten Neujahrsfest, und Jom Kippur, dem Versöhnungstag und wichtigsten Feiertag im Judentum, ein sehr ernster Tag, der stimmungsmäßig an Karfreitag oder Allerseelen erinnert, ein Tag, den man mit Fasten und Gebet und langen Gottesdiensten in den Synagogen begeht. Es ist übrigens der einzige Festtag, an dem ein Jude in der Synagoge niederkniet, um Gott um Vergebung zu bitten. Ihm folgt das Laubhüttenfest, Sukkot, das dritte jüdische Erntefest, das fünf Tage im Herbst gefeiert wird. In diesen Tagen erinnern sich Juden an ihre Herkunft aus dem wandernden Volk des Exodus und leben in selbstgezimmerten Laubhütten. Es ist ein Freudenfest, wie die Bibel die Tage beschreibt, das in eine der fröhlichsten Feiern im Judentum mündet, Simchat Tora. Eigentlich ist dieses Fest nicht in der Bibel erwähnt, aber es geht um die Bibel. Innerhalb eines Jahres lesen jüdische Gläubige im Synagogengottesdienst einmal den ganzen Zyklus der ersten fünf Bücher der Bibel, die sog. fünf Bücher Mose. An diesem Fest kommt die Lesung der Wochenabschnitte aus der Tora zum Ende und wird gleichzeitig wieder neu aufgenommen, d.h. sie hören am selben Abend den Schluss des Buches Deuteronomium, den Tod des Moses, und den Anfang der Genesis, die Schöpfung. Am Ende geht alles in eine Mega-Feier über. In den Synagogen werden dann alle Tora-Rollen aus dem Tresor geholt und siebenmal durch die Synagoge rund um das Vorlesepult getragen unter lauten Klatschen, Singen und ausgelassenem Jubel. Jeder, der da ist, muss bei den Hakkafot, den Umzügen, einmal eine Rolle getragen haben. Den Kindern werden Süßigkeiten geschenkt, denn das Wort Gottes ist „meinem Mund süßer als der Honig“ , wie es der Psalm 119 formuliert.

In jüdisch geprägten Regionen, also zumeist im Land Israel, ziehen die Umzüge schnell hinaus auf die Straßen und Plätze und dauern dann oft stundenlang. Das hat wenig mit den feierlichen Prozessionen zu tun, die wir von Fronleichnam kennen. Hier gibt es keine große Ordnung, Zweierreihen, man bildet Haufen, nimmt einander die Tora-Rollen aus den Händen, reckt sie hoch wie einen Siegespokal, bricht aus und tanzt eng umschlungen bis in den späten Abend. Ein Freudenfest für das Wort Gottes – Stellen Sich mal vor, der Kantor spielt Tanzmusik ein, ich gebe Ihnen unser wertvolles Evangeliar und dann geht es los. Ich unterstelle mal, dass die meisten Anwesenden eher peinlich berührt und unsicher mit dem Kopf schütteln werden. Oder will es jemand mal versuchen?

Wir haben einen Bibelsonntag im Januar, halten Wortgottesdienste, decken den Tisch des Gottes Wortes in der Liturgie reichlich im Hören auf die Lesungen der Bibel, wie es das II. Vatikanische Konzil will. Ohne Zweifel ist die Bibel für uns die Heilige Schrift. In den Evangelien spricht Jesus zu uns. In der Liturgie hat es eine herausgehobene Stellung: Es wird begrüßt mit dem Halleluja, in Prozession zum Ambo getragen, begleitet von Leuchtern und Weihrauch, und anschließend in unserer Gemeinde auf ein eigenes Pult im Turm oder in Corona-Zeiten auf dem Altar inthronisiert. Der Priester verehrt es für die Gemeinde durch einen angedeuteten Kuss nach dem Verlesen und zeigt es bewusst der Gemeinde als die Mitte und das Zentrum des Wortgottesdienstes. Man kann uns kaum vorwerfen, dass wir nicht versuchen, dem Wort Gottes in unserer Kirche in seiner Bedeutung gerecht zu werden. Und dennoch bleiben uns solche Bilder und Rituale wie sie sich mit Simchat Tora verbinden eher fremd. Erlebt man es mit oder sieht die Bilder und Videos, dann spürt man schnell, dass es nicht einfach einstudierte Fröhlichkeit ist, die ritualisiert abgespult wird. Da ist Begeisterung spürbar, wie wir sie von Fußballspielen oder Schlagerkonzerten kennen. Es muss also jeder einen sehr persönlichen Zugang zur Tora haben, wenn er so begierig ist, sie zu tragen und zu verlesen.

Für mich wird es transparent durch das Bild von Marc Chagall, das Sie heute bekommen haben. Marc Chagall ist ein Grenzgänger, kein wirklich frommer Jude, aber fest verwurzelt in seiner russisch-jüdischen Abstammung. Ihm sind die Eigenheiten jüdischer Kultur im Stetl vertrau. Er kennt das eigentümliche Treiben an den Festen aus seinem Dorf. Sein Vater war ein sehr frommer Jude und hat ihm einen Zugang zum Lesen und Studieren der Tora geöffnet. Auch wenn er kein übereifriger Synagogenbesucher war, wenige Künstler haben dem jüdischen Glaubensempfinden so einprägsam Ausdruck verliehen wie er. Sein Bild „der Betende“ aus dem Jahr 1935 illustriert für mich die tiefen Empfindungen des Beters von Psalm 119, dem in der Lutherbibel die Überschrift zugeordnet wird „Die Herrlichkeit des Wortes Gottes“. Allein sitzt er in der Synagoge, hält die Torarolle in seinem Arm wie eine Geliebte oder ein Kind und drückt sie an sein Herz. Die Augen sind geschlossen und lassen innigste Versenkung erkennen. Das, was um ihn ist, nimmt er nicht mehr wahr. Fast könnte man ihn die Psalmworte flüstern hören „Wäre nicht dein Gesetz meine Freude. Ich wäre zugrunde gegangen in meinem Elend.“ In ihm spiegelt sich für mich das Elend und die Größe von zweitausend Jahren jüdischen Leben fern vom Tempel wider. Solange Israel den Tempel in Jerusalem hatte, gab es eine selbstverständliche Mitte der Religion. Auch Jesus wird immer wieder hinaufziehen zum Heiligtum, wie wir es in der letzten Woche betrachtet haben. Nach der Zerstörung des Tempels im Jahr 70 n. Chr. durch die Römer und endgültig mit der Vertreibung nach dem Bar-Kochba-Aufstand durch Kaiser Hadrian, der sogar die Namen „Jerusalem“ und „Judäa“ tilgen ließ, verloren die Gläubigen die greifbare Mitte ihrer Religion. Was nun? Eine Religion verliert ihr Zuhause und wird unter die Völker vertrieben. Was schützt die Identität, wenn die bauliche Mitte, das Allerheiligste, an dem man Gott nahe weiß, nicht mehr erreichbar ist? Das Volk Israel kann auf bewährte Strategien zurückgreifen. Schon 700 Jahre zuvor, während des babylonischen Exils, hatten die Mütter und Väter im Glauben neue Merkmale für die jüdische Identität gefunden. Nicht mehr der Tempel aus Steinen, sondern persönliche und gemeinschaftliche Zeichen halten das Volk zusammen: Die Beschneidung, das strenge Halten der besonderen Speisevorschriften, der Sabbat und das Studium des Wortes Gottes, der Tora. Ich kann fern sein vom Land, das Gott Abraham und Mose verheißen hat, und dennoch ist Gott mir nahe in seinem Wort. Die Heilige Schrift wird zum Ersatz für den Kult. Die Synagoge, das Versammlungshaus, ersetzt den Tempeln nicht, aber bietet den Platz, gemeinsam das Wort Gottes zu studieren. Zentral aber bleibt das Wort als Weisung, Mahnung, Trost, Quelle der Freude und Zuspruch. Der Beter des Psalms bekennt: „Dein Wort ist meinem Fuß eine Leuchte.“ In der jüdischen Tradition nennt man das religiöse Recht „Halacha“, was nicht anderes als „Laufen“ bedeutet. Es geht also letztlich darum, aus dem Wort Gottes die Maßstäbe für ein rechtes Verhalten zu finden. Darüber haben sich die Rabbiner in langen Jahrhunderten Gedanken gemacht, Fälle durchgespielt und immer wieder auch Veränderungen auf die jeweilige Zeit vorgenommen. Es gibt kein festgeklopftes „Kirchenrecht“ oder „Dogma“, sondern eine Weisung, die Tora, die durch die Zeiten wie ein roter Faden den Menschen sagt, was recht ist vor Gott. Die Tora ist also weniger eine komplizierte Sammlung an schriftlich fixierten Rechtsvorschriften, sondern Weisungen an das Herz, die helfen das Richtige zu tun. Damit bekommt die Heilige Schrift bis heute eine hohe Bedeutung für das konkrete Verhalten und für die Suche nach Antworten auf ethische Fragen und Probleme. Für mich ist das die Grundlage der Prognose von Karl Rahner, der sagte: „Der Fromme von morgen wird ein „Mystiker“ sein, einer, der etwas erfahren hat, oder er wird nicht mehr sein.“ (Karl Rahner, Frömmigkeit früher und heute, in: Ders., Zur Theologie des geistlichen Lebens, Benziger-Verlag Einsiedeln u.a. 1966 (Schriften zur Theologie VII), S. 11-31)

Die Tora ist nicht eine historische Überlieferung der Lebensgeschichten großer Vorbilder, eine lange Sammlung von Rechtsvorschriften, die sich Gelehrte ausgedacht haben, oder eine literarische Reise durch antike Poesie und Prosa. Es ist das durch alle Zeiten lebendige Wort, in dem sich Gott an die Menschen richtet und sie ihn erfahren können. Ich vermute, dass es aus diesem Grund auch nicht zulässig ist, dass man in einer Synagoge einen gedruckten Text verwendet. Eine Tora-Rolle muss mit der Hand von einem geschulten Schreiber erstellt werden und wird nie mit den Händen angefasst. Sie wird gekleidet wie zur Zeit Jesu der Hohepriester und mit einem silbernen Granatapfel gekrönt. Ist sie nicht mehr verwendbar, dann wird sie nicht geschreddert, sondern wird in eine abgesonderte Kammer, die Gesina, gestellt oder auf dem Friedhof begraben. Sie ist kein Buch. Sie hat die Stellung einer Königin.

 

Was aber ist die Tora?

Tora heißt zunächst einfach „Weisung“ und meint die Herzensbildung, die ein Kind oder junger Mensch v.a. durch die Mutter erfährt. Es sind keine Belehrungen oder Regeln, sondern Ratschläge, die aus der eigenen Erfahrung und dem eigenen Nachdenken über das, was man erlebt hat, kommen. Das ist gar nicht so fremd zu dem, was auch bei uns Erziehung prägt. Es geht ja nicht darum, dass Eltern ein Kind zu einem guten Staatsbürger ausbilden, der alle Gesetze kennt, sondern zu einem mündigen, guten und selbstverantwortlich denkenden Menschen. Dabei helfen Regeln, die aber in der Lebenserfahrung der Eltern und in der Zustimmung der Kinder gegründet sein müssen.

Für jeden etwas im Judentum beheimateten Christen ist die Tora aber v.a. die Sammlung der ersten fünf Bücher der Bibel, Genesis, Exodus, Leviticus, Numeri und Deuteronomium oder im Hebräischen nach den Anfangsworten „Bereschit“, „Schemot“, „Wajikra“, „Bemidbar“ und „Dewarim“ genannt. . Sie werden Mose als Autor zugeschrieben und erzählen die Geschichte des Volkes Israel von der Schöpfung bis zum Tod des Moses kurz vor der Ankunft im Land, das Gott verheißen hat. Wenn man die Sammlung näher betrachtet, dann fällt auf, dass das erste Buch sich im Tempo von den vier anderen unterscheidet. Die „Genesis“ erzählt in rasanten Schritten von tausenden von Jahren von der Schöpfung über Noah, Abraham, Isaak, Jakob bis zu Josef, mit dem das Volk Israel nach Ägypten kommt. Die Bücher Exodus, Numeri und Leviticus stellen uns dann die Jahrzehnte vom Auszug aus Ägypten und der Wüstenwanderung vor, angefüllt durch lange Rechtsvorschriften, die das Zusammenleben des Volkes ordnen soll. Das letzte Buch, Deuteronomium, ist letztlich nur ein einziger Tag, der letzte Tag im Leben des Moses. Vor dem größten Augenblick der Geschichte Israel, die Überschreitung des Jordan, blickt der Anführer des Volkes auf den Weg zurück und ruft die Gebote Gottes in Erinnerung.

Ist das die ganze hebräische Bibel? Nein!
Es ist der Kern des Kanons und der Schlüssel für das Verstehen. Im Hebräischen bildet eine Buchstabenkombination die ganze Reihe der Bibel ab: TNK, Tenach. Sie beschreiben die drei Teile der hebräischen Bibel: Tora, Newi‘im (Die Propheten) und Ketuwim („Die Schriften“). Die meisten Bücher teilen wir miteinander, aber die Reihenfolge ist nicht identisch mit dem Inhaltsverzeichnis, das Sie in einer christlichen Bibel finden.

Wichtig für die jüdische Tradition ist aber noch eine Ergänzung. Die Tora war zuerst mündlich überliefert. Sie wurde erzählt, bevor sie niedergeschrieben wurde. Es gibt z.B. die Legende, dass die zehn Gebote dem ganzen Volk von Gott verkündet wurde und als dem Volk die Stimme zu laut wurde, nur an Mose, der sie dann weitergab. Die schriftliche Tora ist also die „geronnene“ mündliche Tora. Gott hat sie so nicht einem Autor in die Feder diktiert, so dass Unstimmigkeit oder Wiederholungen kein Problem für die jüdische Schriftauslegung darstellen. Natürlich hat Gott die schriftliche Tora inspiriert, aber seine Weisung ist das gesprochene Wort an Mose. So können jüdische Gelehrte bekennen: „Eines hat Gott geredet, zwei habe ich gehört… Aus einem Bibelvers gehen mehrere Bedeutungen hervor.“ (Babylon. Talmud Traktat Sanhedrin 34a)

Sie werden in der Regel keine Bibel finden, die nicht auf der gleichen Seite Kommentare, Deutungen und Erzählungen mitabdruckt, die über die Jahrhunderte von den Rabbinern zu einem Bibeltext ausgelegt und verfasst wurden. Die Bibelverse wollen in jüdischer Tradition mit Lust und Glauben ausgelegt und diskutiert, aber nicht zerredet werden. Darum ist das Bibelstudium mit Auslegungen ein wichtiger Teil des persönlichen Glaubensleben. Die mündliche Tora, so die Überzeugung, ist nicht abgeschlossen und reicht bis in unsere Zeit. In diesem Kontext der mündlichen Tora und der Auslegung der schriftlichen Tora haben die für uns manchmal schwer verständlichen Begriffe „Midrasch“, „Pschat“ und „Talmud“ ihren Platz, die letztlich Stufen der Entwicklung und Weiterführung bezeichnen.

Die Tora ist spannungsreich: Sie ist alltäglicher, lebenskluger Rat und ewiges göttliches Gesetz, klares Gebot und Erzählung, die Fragen aufwirft, sowohl abgegrenzte Schriften, also auch aktuelle Auseinandersetzung mit ihnen.

Von daher verbietet sich die in unserem Sprachgebrauch verwendete Unterscheidung zwischen „Altem“ und „Neuem“ Testament so zu verstehen, dass der erste Teil der christlichen Bibel überholt wäre oder nur noch den Zweck hätte, die Verheißung zu bewahren, die sich dann in Jesus Christus erfüllt haben. Natürlich läuft in unserem christlichen Glauben alles auf ihn zu, aber die Schriften Israels sind die Bibel, die er gelesen und ausgelegt hat, die seine Ethik und seine Lehre geprägt haben und die er nicht außer Kraft gesetzt, sondern vertieft hat. Von daher ist es auch heute noch verpflichtend, die Texte der hebräischen Bibel nicht nur als Hinführung zu denen des Neuen Testaments, sondern als eigenständige Größe mit selbständiger Rede von Gott zu verstehen.

Es gab und gibt bis heute Tendenzen unter Christen, den ersten Teil unserer christlichen Bibel auszublenden. Vor gut 1900 Jahren hat ein sehr beredter Kaufmann und Hobbytheologe, Marcion, die Unterscheidung eingeführt zwischen dem bösen Schöpfergott des Alten Testaments, das er nicht akzeptieren wollte als Heilige Schrift, und dem neuen, befreienden Gott Jesu im Lukasevangelium. Die Kirche verwarf seine Ansichten und reagierte in dem sie eine Liste der Schriften aufstellte, die als Bestandteil der Bibel anzusehen sind, im Grunde unsere Bibliothek an biblischen Büchern, auch wenn die erst 1545 während des Konzils von Trient festgeschrieben wurde. Bis heute aber ist die Versuchung virulent, das Alte Testament zu verwerfen oder zumindest in seiner Bedeutung herabzusetzen.

Das lehnt die Kirche ausdrücklich ab.

Bereits 2001 hat die Päpstliche Bibelkommission unter Leitung von Kardinal Josef Ratzinger festgestellt, dass die „jüdische Lesung der Bibel eine mögliche Leseweise darstellt.“ Jede Leseweise, jüdische und christliche, bleibt ihrer Glaubenstradition treu, so dass nicht die eine in die andere überführt werden kann. Und das Schreiben hält fest: „Ohne das Alte Testament wäre das Neue Testament ein Buch, das nicht entschlüsselt werden kann, wie eine Pflanze ohne Wurzel, die zum Austrocknen verurteilt ist.“ (Das jüdische Volk und seine Heilige Schrift in der christlichen Bibel 2001, Nr. 84)

 

Was können wir lernen vom Umgang unserer jüdischen Schwestern und Brüder mit der Schrift?

 


Mit Simchat Tora verbindet sich ein wichtiger Brauch. Wie bereits eingangs beschrieben, kommt das Verlesen der Wochenabschnitte des alten Jahres zu seinem Ende und das Verlesen der Wochenabschnitte des neuen Jahres wird aufgenommen, gleichsam als würden Silvester und Neujahr zusammenfallen. Die Vorleser der beiden Abschnitte bekommen ehrenvolle Titel „Bräutigam der Tora“ und „Bräutigam des Anfangs“. Selbst der Satan soll so keine Gelegenheit bekommen, das jüdische Volk anzuklagen und zu beschuldigen, dass es der Tora überdrüssig sei und sich nicht mehr mit ihr beschäftigen wolle. (Rabbiner Jacob Engelmayer) Es soll deutlich werden, dass die Tora kein Ende hat und dass wir sie immer wieder lesen und studieren müssen. Denn sie ist ewig wie Gott und verbindet den Menschen mit ihm.

Ich glaube, dass der Eifer, die Ernsthaftigkeit und die Freude im Umgang mit dem Wort Gottes für uns Christen durchaus eine Anregung sind und uns helfen können wieder mehr zu leben, was wir singend auch für uns bekennen:

Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht; es hat Hoffnung und Zukunft gebracht. Es gibt Trost, es gibt Halt in Bedrängnis Not und Ängsten, ist wie ein Stern in der Dunkelheit.“

Sven Johannsen, Pfarrer

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