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Anfang Februar rief Papst Franziskus auf zu einem besonderen Fast- und Gebetstag für den Frieden mit Blick auf die Situation im Kongo und Südsudan. In der Friedensmesse am Dienstag griff die PG Lohr dieses Friedensgebet auf. Der kongolesische Priester Bill Augustin Mikambu, der im Lohrer Pfarrhaus wohnt, stellte seine Heimat und die seit 20 Jahren andauernden Konflikte vor. Jeden Dienstag in der Fastenzeit wird in der Friedensmesse am Dienstagmorgen besondere Konfliktsituationen aufgegriffen. Am kommenden Dienstag, 13.3., wird das Gebet v.a. den verfolgten Christen weltweit gelten.

Die Predigt von Pfarrer Bill Augustin zur Situation im Kongo:

Die Demokratische Republik Kongo

Über das Land Kongo gibt es viel zu sagen, aber nur das Wesentliche wird hier im Rahmen der dortigen politischen Unruhe entwickelt werden. Die Demokratische Republik Kongo, auch bekannt als Kongo-Kinshasa oder einfach der Kongo, ist eine Republik im Herzen Afrikas. Dieses große Land hat 9 Nachbarnländer: Zentralafrikanische Republik, Südsudan, Uganda, Ruanda, Burundi, Tansania, Sambia, Angola und der Republik Kongo oder Kongo-Brazzaville. An Fläche ist Kongo mit 2.344.858 Km2 der zweitgrößte und an Bevölkerung, mit etwa 80 Millionen Einwohner, der viertgrößte Staat Afrikas. Es existiert eine große Sprachvielfalt, die Verkehrs- und Amtssprache ist Französisch. Über die Hälfte der Einwohner bekennt sich zur katholischen Kirche (54%), die andere Hälfte verteilt sich auf Evangelische Kirche, andere christliche Freikirchen, traditionelle Religionen und den Islam. Die Hauptstadt Kinshasa gilt mit über 15 Millionen Einwohnern als drittgrößte Stadt Afrikas (nach Kairo und Lagos).

Drei große Gründe können die kongolesischen Konflikte erklären:

1. Weil Ruanda Laurent Désiré Kabila geholfen hat, Mobutu von der Macht zu entthronen, wollte er Kongo zusammen mit Kabila regieren und mehr verdienen. Obwohl Laurent Désiré Kabila ihnen alles gegeben hat, was in ihrem Vertrag vereinbart wurde, war Ruanda damit unzufrieden. Es dauerte nicht lange bis Kabila starb. Und plötzlich kam an die Macht ein Mann, der niemand kannte und vor allem nicht studiert hat. So übernahm der gegenwärtige Präsident die Macht in kongo-Kinshasa.

2. Kongo zählt zu den rohstoffreichsten Ländern der Welt: Bergbauprodukte sind daher seit Jahrzehnten Hauptexportgut und wichtigste Devisenbringer des Landes und Haupteinnahmequelle des Staates. Gefördert werden vor allem Diamanten (Kasai), Gold (Kivu, Ituri), Kupfer, Kobalt (Katanga), Coltan (Kivu), Mangan (Katanga), Blei und Zink (Katanga) sowie Zinn (Katanga). Der Reichtum an mineralischen Rohstoffen führte wiederholt zu politischen und bewaffneten Konflikten im Land. Im Ganzen geht es um die Ausbeutung und Kontrolle der Bodenschätze. Besondere Bekanntheit seit Ende des 20. Jahrhunderts hat hier der Abbau des Erzes Coltan erlangt. Es enthält die wirtschaftlich bedeutsamen Metalloxidminerale Columbit und Tantalit, aus denen Niob und Tantal gewonnen werden. Tantal ist für die Produktion elektronischer Geräte von großer Bedeutung, Niob dient als Legierungszusatz in der Stahlproduktion bei der Herstellung hitzebeständiger Metallbauteile in der Luft- und Raumfahrtindustrie. Trotz seines Rohstoffreichtums zählt der Staat, bedingt durch jahrzehntelange Ausbeutung, Korruption, Kriege und ständige Bevölkerungszunahme, heute zu den ärmsten Ländern der Welt. Die Weltkonzerne und viele europäische Länder, die diese Rohstoffe ausbeuten und kontrollieren, gehören auch zu den Gründen dieser Konflikte und blutigen Auseinandersetzungen im Kongo. In der Tat ist ihnen diese Unruhe nützlich, weil sie alles fast gratis bekommen wollen. Sie nehmen die Rohstoffe fast kostenlos und als Gegenleitung versprechen dem Präsidenten, so lange an der Macht zu bleiben, wie er will, d.h. solange er ihre Interessen vertritt. Dazu ein einfaches Beispiel: Wissen Sie, dass, es kein Handy und keinen Computer ohne Coltan gibt? Coltan findet man momentan nur im Kongo. Das Traurige daran ist, dass diese multinationalen Unternehmen benutzen die Kinder, die diese Mineralien graben. Die meisten sterben oder fangen schwere Krankheiten, die Sie dauerhaft behindert machen. Das heißt, in jedem Handy oder in jedem Computer, die wir besitzen, steht ein Tropfen Blut eines unschuldigen kongolesischen Kindes. Und jeder, der ein Handy oder einen Computer hat, fördert indirekt diese kongolesische Tragödie. Viele andere Nachbarländer nutzen diese Unsicherheit, um Rohstoffe auszuplündern, wie sie wollen. Diese Kriegsherren sind mit Hilfe ihrer Befehlsgeber aus den USA und Europa an die Macht gekommen, wo sie das Land in einem Mafiasystem erbarmungslos ausbeuten und die Interessen ihrer Drahtzieher mit allen Mitteln vertreten und verteidigen.

3. Entgegen der Verfassung, die dem Präsidenten der Republik eine Amtszeit von fünf Jahren nur einmal erneuerbar erlaubt, klebt der jetzige Präsident noch an der Macht. So manövriert er mit Verfassungsänderungen, um an der Macht zu bleiben. Seit 2016 ist die zweite Amtsperiode des Kabila abgelaufen. Er will aber keine Wahlen organisieren. Das schafft ernsthafte Spannungen. Um die Menschen abzuschrecken und jede Protestaktion zu unterbinden, hat Kabila an die Polizei und sogar an die Armee den Befehl gegeben, alle Demonstrationen und Forderungen gewaltsam zu verhindern.

Die kongolesische Bischofskonferenz wollte die Rolle des Feuerwehrmannes spielen, indem sie einen Mechanismus implementierte, um das Land aus der Krise herauszuführen. Aber das Regime, da es an der Macht bleiben will, macht alles, um die Umsetzung dieses Abkommens vom Sankt Silvester im Dezember 2016 aufzuschieben. Das katholische Laienkomitee, das von der Bischofskonferenz unterstützt wird, organisiert immer wieder Demonstrationen und Protestaktionen, um die Umsetzung dieses Abkommens und die Abhaltung der Wahlen zu fordern.

Leider Gottes werden diese friedlichen Demonstrationen von Militärs und Polizei gewaltsam zunichte gemacht. Jede Demonstration fordert viele Opfer (Tote und Verletzte). Während die Leute mit Bibeln, Rosenkränzen und Kreuzen in der Hand friedlich demonstrieren, reagieren die Polizei und die Armee mit Feuerschießen und Tränengase darauf. Noch schlimmer ist, dass die Polizisten und Soldaten sogar die Kirchen bestürmen und in den Gotteshäusern auf Kirchenbesucher schießen. An anderen Orten verhindern sie die Gottesdienste!

Das ist kurz die Konfliktsituation im Kongo. Heutzutage sieht Kongo wie ein Ruinenhaufen aus. Die Unsicherheit ist total. Und das Besatzungsregime hat der Katholischen Kirche einen Krieg gegen erklärt. So werden viele Priester, Ordensleute und Christen angegriffen, gefoltert und sogar getötet. Die Kirche aber bleibt auf der Seite des Volkes, fördert und trägt diesen Befreiungsprozess des Volkes gegen das Besatzungs- und Ausbeutungssystem mit. Es koste, was es kosten mag! Dieses blutige Besatzungsregime im Kongo plant die Entführung und Ermordung des Kardinals Laurent Monsengwo aus Kinshasa und einiger Bischöfe und Priester, um diese Befreiungsbewegung zu enthaupten. Die Kirche Kongos lässt sich nicht einschüchtern und braucht aber die Unterstützung aller. Und jede Hilfe in diesem Sinn ist sehr erwünscht! Danke für Ihre Aufmerksamkeit und Unterstützung!



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