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Mit einem festlichen Gottesdienst, einem gemeinsamen Mittagessen und einem gelungenem Konzert feierte die Stadtpfarrei St. Michael das Fest ihres Kirchenpatrons 2019.

 

Mit vielen Ministranten zog Pfarrer Johannsen unter festlichen Klängen in die gut gefüllte Stadtpfarrkirche ein. Die Kantorei an St. Michael und ein Bläserquartett gestalteten das Hochamt am Patroziniumstag mit der „missa parochialis“ von Wolfram Menschick und Werken von Heinrich Schütz und Johann Sebastian Bach. In seiner Predigt stellte Pfarrer Johannsen den diesjährigen Besuch einer Gruppe aus der Pfarreiengemeinschaft 12 Apostel im Wallfahrtsort Monte Sant‘ Angelo in den Mittelpunkt, wo sich das älteste Heiligtum des Erzengels Michael befindet. 492 ist der Erzengel dort Hirten erschienen. Seit dieser Zeit ist die Grotte unter der Wallfahrtskirche San Michele Ziel von Päpsten, Königen, Kreuzfahrern und vielen Millionen Pilgern. Die symbolischen Orte der Wallfahrt, den Berg, die Höhle und das Meer, deutete der Pfarrer in der Predigt als Hinweise wie das Wirken des Erzengels auch heute noch verstanden werden kann. Nach dem Festgottesdienst lud die Pfarrei zum Mittagessen ins Pfarrheim. Ursel Bauer und ihr Team boten ein fränkisches Hochzeitsessen oder alternativ Nudeln mit Soße. Der Spielmannszug der Kolpingsfamilie unterhielt die Gäste im voll besetzten Pfarrsaal gekonnt mit Märschen und fränkischen Weisen. Viele Kuchen und ein großes Nachtischbuffet erfreute die Gäste zum Abschluss.
Am Nachmittag lud das Trio Ars sonorum zum Bläser- und Orgelkonzert ein.  Mit Werke von Alessandro Besozii, Girolamo Frescobaldi, Carlo Tessarini und Fritz Werner nahmen Bernd Müller (Trompete), Alexander Daum (Posaune) und Florian Glemser (Orgel) die Zuhörer mit auf eine kurzweilige Reise durch die Musikgeschichte.

Die Predigt zum Michaelsfest 2019 „Was macht ein Engel in der höhle?“

Liebe Schwestern und Brüder

Im Mai war ich mit einer Gruppe aus unserer Pfarreigemeinschaft unterwegs in Apulien. In der Regel ist heute für christliche Reisegruppen das Hauptziel in Apulien der Wallfahrtsort San Giovanni Rotondo, wo Padre Pio begraben ist. Immerhin sechs Millionen Besucher zählt der Wallfahrtsort jeden Jahres und gehört damit nach dem mexikanischen Guadalupe und der ewigen Stadt zu den drei größten christlichen Heiligtümern der Welt. Natürlich waren wir auch dort, aber unser Hauptziel im Norden Apuliens war das viel ältere Heiligtum des Erzengels Michael auf dem Monte Gargano im Monte Sant´Angelo. Es ist der Tradition unserer Kirche nach der erste Ort, an dem der Erzengel Michael erschienen ist, erstmals im Jahr 492.

Die Reiseleiterin erinnerte uns daran, dass es sieben Orte gibt, die als besondere Heiligtümer des Erzengels Michael verehrt werden und erzählte, dass diese sieben Orte im Mittelalter wie auf einer Linie lägen vom äußersten Westen Irland über England, das europäische Festland über die griechischen Inseln bis ins Heilige Land_

1) Die kleine Insel südwestlich vor der Küste Irlands Skellig Michael (Irland)
Hier soll der Erzengel Michael dem heiligen Patrick erschienen sein, um diesem bei der Vertreibung des Teufels aus Irland zu helfen.

2) St. Michael’s Mount (England) vor der Küste Cornwalls.

Hier soll der Erzengel Michael einer Gruppe von Fischern erschienen sein.

3) Die beeindruckende Klosterinsel Mont Saint Michel (Frankreich), deren Bauten aus 11 Jahrhundert wie ein Fels in der Brandung vor der Küste der Normandie aufragen und von den Fluten des Altantiks umspült werden

Der Erzengel Michael  hat dort im Jahr 708 den heiligen Bischof Aubert von Avranches mit der Errichtung einer Kirche auf der Felseninsel beauftragt. Bis zum heutigen Tag zieht dieser große Wallfahrtsort des Mittelalters rund 2,5 Millionen Besucher jedes Jahr an. Wir werden im nächsten Jahr dort sein

4) Sacra Di San Michele (Italien)
Es wrude berühmt als der Drehort von Umberto Eccos Romaverfilmung „Der Name der Rose“. Das Kloster befindet sich in Val de Susa in Piemont. Mit dem Bau wurde etwa um das Jahr 1000 begonnen.

5) Santuario di San Michele Archangelo (Italien)
Die Geschichte Ortes geht auf das Jahr 490 zurück, als der Erzengel Michael dem heiligen Laurentius von Siponto erschienen ist. Dieser hat mit der Errichtung des Heiligtums im Gargano (Provinz Apulien) begonnen.

6) Das Kloster Panomitis aus dem 9. Jh.  auf der griechischen Insel Symi, nur neun Kilometer entfernt von der türkischen Küste.

7) Und schließlich die Wallfahrtskirche Stella Maris oberhalb der israelischen Hafenstadt Haifa
Der Prophet Elija führte an dieser Stelle die Auseinandersetzung mit den Baalspriestern (1 Kön 18) mit Hilfe des Erzengels

Traditionell hat man diese Linie auch den Speer des Heiligen Michael genannt, mit dem er Luzifer besiegte. Ich muss zugeben, dass ich mich des Eindrucks nicht erwehren kann, dass dahinter auch ein wenig esoterisches Fantasieren steht, denn geographisch geht die Linie nicht auf, da unsere Erde nun mal keine Landkarte, sondern eine Kugel ist. Und zum anderen kennt die Tradition ja noch mehr Erscheinungen des Erzengels, z.B. in Konstantinopel, in Chonae und natürlich in Rom zur Zeit der Pest unter Papst Gregor d. Großen. Warum die Linie ziemlich hart an diesen wichtigen Orten vorbeischrammt, kann mit keiner so erklären. Aber mir gefällt die dahinterstehende Idee, dass das, was man mal als christliches Abendland umschrieben hatte, festgehalten wird wir wie von einer Klammer des Schutzes durch den Heiligen Erzengel Michael vor dem Bösen. Diese mögliche Schwertlinie, die ja auf allen Bilder und Darstellungen im Westen zu finden ist, ist nicht nur ein Zeichen des Kampfes gegen das Böse, sondern mehr noch ein Zeichen des Kampfes Gottes für den Menschen, damit er nicht vom Bösen überwältigt wird.

Und wenn man sich die sieben Orte anschaut, dann wiederholen sich in ihrer Lage bestimmte symbolisch hochaufgeladene Ortsangaben: Der Berg, Das Meer und die Höhle. Nicht alle verbinden zugegeben alle diese drei Symbolorte, aber wie ein durchgehendes Thema in der Musik, in dem immer wieder variiert wird, sind sie doch in dieser Linie immer wieder erkennbar. Der Atlantik und das Mittelmeer, hohe Berge und Gebirgszüge oder sogar Felseninseln und Höhlensysteme wie in Haifa. An einem Ort verbinden sich alle drei: Der Monte Sant`Angelo, wo wir die erste Erscheinung des Erzengels festmachen, gleichsam die Mitte der Linie des Engels. Dort, etwa 800 Meter hoch, auf dem Bergmassiv des Gargano, der sich wie eine Tribüne über der Adria erhebt, wird seit dem 492 eine Grotte verehrt, in der der Erzengel Michael sich zum ersten Mal Hirten zeigte.

Berg – Meer – Höhle: Drei mit hoher Bedeutung aufgeladenen Landschaften, die diesem Ort neben der historischen Begebenheit der Erscheinung, eine besondere Atmosphäre und Botschaft verleihen. Alle drei Orte sind immer zugleich heilig und bedrohlich.

Der Berg ist in der Bibel der Ort, wo sich Himmel und Erde berühren, wo der Mensch Gott begegnen kann. Der Sinai, über 2.200 Meter hoch, wird seit alter  Zeit verehrt der der Schauplatz dreier bedeutender Gottesbegegnungen: Hier am Horeb erscheint Gott dem Mose im brennenden Dornbusch. Nach dem Auszug aus Ägypten bekommt Mose hier die zehn Gebote und darf aus einer Felsspalte heraus die Herrlichkeit Gottes sehen. Und hier wird der Prophet Elija seinen ganzen Frust nach dem Kampf mit den Baalspriestern abladen und Gott erfahren nicht im Erdbeben, Sturm und Feuer, sondern im leisen Säuseln des Windes. Auf dem Berg Tabor sehen die Jünger am Beginn ihres Weges nach Jerusalem und damit zum Kreuz Jesus bereits in seiner österlichen Gestalt. Auf den Bergen erleben Menschen heute noch ein Gefühl, über alles Weltliche erhoben und frei für die Begegnung mit Gott zu sein. Davon zeugen die vielen Gipfelkreuze, die wir nicht aus Rücksicht auf muslimische Ölscheichs verbergen dürfen. Ein Wallfahrtsort gehört für mich auf einen Berg. Deshalb habe ich ja auch ein kleines Problem mit Walldürn, das im Tal liegt. Der Berg ist aber auch immer ein Ort, der Menschen so fasziniert, dass sie nicht mehr mitbekommen oder mitbekommen wollen, was in der Welt geschieht. Mose auf dem Sinai ahnt nichts davon, dass die Israeliten sich von ihm im Stich gelassen fühlen und deshalb sich einen neuen neuen Gott erschaffen, ein goldenes Kalb. Die Jünger wollen Hütten bauen, um den Moment der Verklärung dauerhaft festzuhalten und so dem Kreuz zu entgehen. Immer muss Gott die Menschen auch vom Berg runterdrängen ins Tal der Welt und der Wirklichkeit.

Wenn Michael seine Heiligtümer auf dem Berg suchte, dann mag er uns beide Alternativen verwehren:

Dass wir uns im Tal der Welt verlieren mit alltäglichen Sorgen und nicht mehr die Begegnung mit Gott suchen in der Stille und im Zurücklassen des Alltags. Der Psalmist betet: „Ich schaue auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe. Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Dass wir diese Welt verurteilen als Jammertal, dem es zu entfliehen gilt und für das es sich nicht lohnt sich einzusetzen, weil wir ja einer viel schöneren Heimat zugehen.

Im Evangelium verheißt Jesus dem Nathanael: „Ihr werdet die Engel auf und niedersteigen sehen“ Gott will nicht, dass wir den Weg zu ihm verlieren und er will nicht, dass wir uns den Weg, von dem wir kommen, abschneiden. Die Engel, Michael ihnen voran, verbinden Himmel und Erde und wollen, dass wir es ihnen gleichtun.

Michael fragt uns „Wer ist wie Gott“ und lädt uns ein, Gott zu suchen und uns nicht neue Götter in der Welt zu schaffen, aber er drängt uns auch, für diese Welt zu kämpfen, weil Gott sie uns als sein Geschenk gegeben hat. Deshalb gehören auch Christen auf die Straße, wenn Menschen jetzt aufstehen, um die Erde zu verteidigen gegen gedankenlose Ausbeutung und Zerstörung.

Was macht ein Engel, der doch in luftigen Höhen schweben sollte, in einer dunklen Höhle. Genau da wird der Erzengel auf dem Monte Gargano verehrt, in einer Grotte, zu der man viele Treppen hinuntersteigen muss.
Die Höhle ist nicht nur in der Bibel, sondern in vielen Legende, Ort des Rückzuges. In ihnen leben weise Menschen, Ratgeber. Dorthin ziehen sich Propheten wie Elija, aber auch der Großvater Jesu, Joachim zurück, um zu erkennen, was richtig ist und mit Gott zu reden. Hier werden Helden und Götter geboren. Im Osten wird die Geburt Jesu nicht in einem Stall verortet, sondern in einer Grotte, einer Höhle, zu der man ja noch heute in der Geburtskirche in Bethlehem hinuntersteigt. Das Grab Jesu ist ein Felsengrab, eine Höhle gewesen. Die Höhle ist zugleich ein Ort der Dunkelheit und Verzweiflung wie auch ein Ort der Erkenntnis und der Offenbarung.

Das Kind, das in Armut in der Grotte von Betlehem geboren wird, wird von Hirten und Königen erkannt als der Heiland und Retter der Welt

Der Gekreuzigte in seinem Felsengrab, Opfer ungerechter Justiz, wird von den Frauen am Ostermorgen nach der Botschaft der Engel als der auferstandene Herr erlebt.

Platon erzählt ein berühmtes Höhlengleichnis. Er vergleicht die Menschen mit Gefangenen in einer Höhle, die nur auf eine Felswand schauen können, auf denen sich die Wirklichkeit wie Schatten abspielt. Sie haben nur eine Idee von dem, was wirklich ist, glauben aber, dass sie schon die Wahrheit erkannt haben.
Die Höhle steht auch für die Erkenntnis das Wahrhaftigen in der Welt.
Nathanael im Evangelium wird gelobt als ein „wahrer Israelit“, also einer der nicht Propaganda und Ideen glaubt, sondern die Wahrheit von Gott her sucht.
Der Engel in der Höhle kämpft gegen die Versuchung, falschen Ideen zu vertrauen, sich mit einfachen Wahrheiten abzufinden, wie wir es im Augenblick erleben, wo Menschen Rattenfängern hinterherlaufen, die mit Parolen sie gegen andere in Stellung bringen, aber auch gegen Idee, die meinen, der Mensch sei so klug und verständig, dass er für die großen Fragen des Lebens Gott nicht mehr braucht. Offenbarung schafft Erkenntnis, sagt Michael und nicht Parolen.

Und schließlich genießt man vom Gargano einen wunderbaren Blick über die Adria, den Golf von Manfredonia, der sich ja ins Mittelmeer fortsetzt, und so eine Verbindung mit Israel schafft. Es ist eigentümlich, dass Israel in seiner Geschichte nie ein großes Seefahrervolk war. Es hatte nur wenige Häfen, wie Jaffo, Akko oder Caesarea. Aber die Seefahrt und damit ein wichtigen Wirtschaftszweig hat es immer anderen überlassen, den Phönikern und den Seefahrervölkern. Das Meer gehört zum Element des Wassers, dem Ursprung allen Lebens, wie die Bibel weiß, und steht als Symbol für die Urflut vor der Schöpfung und das Rote Meer, durch das Gott das Volk Israel geführt hat. Wer das Meer überwindet, das todbringende Meer, der kann befreit leben in der Ordnung Gottes, die er der Welt am Anfang gab und nochmals neu auf dem Sinai nach dem Durchzug durch das Schilfmeer. Das Meer, aus dem in der Offenbarung das wilde Tier entsteigt, ist am Anfang schon Zeichen des Ungeordneten, des Chaotischen und somit Bedrohlichen. Dieses Meere des Chaos bändigt der Engel auf dem Berg und setzt Gottes Ordnung durch.

Chaos bedroht uns. Wenn es in unserem Leben chaotisch wird, dann verlieren wir die Kontrolle, wissen nicht was wir tun sollen, sind hin- und hergerissen zwischen so vielen scheinbaren Lösungen, versinken aber immer mehr im Meer der Ratlosigkeit und der Verzweiflung. Der Engel Michael lehrt uns das Vertrauen in die Ordnung, die Gott dem Kosmos und dem Leben gibt. Nichts läuft ohne ihn. Auch wenn es manchmal planlos in unserer Welt und in unserem Leben zugehen scheint, er hat noch alles im Griff, so der mächtige Streiter, der dem Bösen und Chaotischen wehrt.

Liebe Schwestern und Brüder,

mag diese Linie in der Realität etwas bezweifelbar sein, aber ihre Botschaft ist für uns glaubwürdig. Gottes Schutz und sein Einsatz für uns, für den das Schwert des Engels Michael stehen, umklammern diese Welt und unser Leben und haben uns fest im Blick und in der Hand. Wir sind nicht schutzlos und machtlos, wir müssen nicht vom Himmel träumen, weil uns die Erde so jämmerlich erscheint. Wir müssen nicht Parolen glauben, sondern dürfen weiterhin nach der Wahrheit Gottes suchen. Wir sind nicht ohne Hilflos im Kampf mit den chaotischen Mächten in unserem. So wie der Engel uns fragt „Wer ist wie Gott“, so stellt er diese Frage auch allen Mächten, die Gottes Abbild, uns Menschen bedrohen wollen. So können wir mit Blick auf den Erzengel mit Paulus sagen:

Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn. (Röm 8,38)

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