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Weihwasser - Weihrauch - Erde - Kreuz 

Allerseelen_2020.pdf

Liebe Schwestern und Brüder

Die letzten Wochen und Monate haben viele unangenehme Einschränkungen mit sich gebracht, aber sicher mit unvergleichbar hart haben uns die Corona-bedingten Regelungen auf den Friedhöfen getroffen. Das war emotional sehr herausfordernd für Familien, aber auch für uns Seelsorger, wenn wir Menschen beigesetzt haben, die oft einen großen Bekanntenkreis hatten und zu deren Wesen die Geselligkeit gehörte, und es durfte nur eine beschränkte Teilnehmerzahl dabei sein, wenn wir sie auf ihrem letzten Weg begleitet haben. Viele Angehörige haben darunter gelitten, dass sie in der Zeit davor ihre Eltern, die im Altersheim waren, nicht besuchen konnten. Oft war das erst in der Sterbephase möglich. Jetzt waren die Beisetzungen noch auf den kleinsten Familienkreis beschränkt und konnten nicht einmal veröffentlich werden.

Auch der Verzicht auf selbstverständliche Rituale bei den Beerdigungen hat viele Menschen verstört: Weihwasser und Erde konnten zunächst nicht mehr gegeben werden. Glücklicherweise haben aber die Bestatter Kreativität entwickelt und Formen gefunden, die diese Rituale doch möglich machen, ohne ein Aspergill oder eine Schaufel zu berühren.

Selbstverständlich gehören das Reichen von Weihwasser und Erde für uns zum Abschied dazu. Rituale erlösen uns ja auch von der Ratlosigkeit, was wir in einem Trauerfall tun sollen. Sie haben entlastende Wirkung. Außerdem sagen sie viel aus über das, was wir als Christen glauben und was wir hoffen für unsere Verstorbenen.

Wenn der Sarg in das Grab eingelassen bzw. die Urne eingestellt wurde, dann folgen vier Zeichen, die eigentlich in kürzester Form das Leben eines Menschen mit dem Glauben verbinden: Weihwasser – Weihrauch – Erde – Kreuz

Wir reichen Weihwasser und der Priester erinnert daran, dass wir in der Taufe bereits mit Christus begraben wurden, aber auch schon mit ihm auferstanden sind. Unser Leben ist vom ersten Augenblick an in guten Händen. Das Leben unserer Verstorbenen hatte vom ersten Moment an einen Plan und Ziel. Sie waren immer schon eingehüllt in das österliche Geheimnis. Nicht erst im Tod müssen wir uns für sie nach Gott ausstrecken. Sie waren gewollte und geliebte Kinder Gottes, die jetzt an ihr Ziel gekommen sind.

Wenn wir den Sarg anschließend mit Weihrauch inzensieren, dann begleitet der Priester den Ritus mit den deutenden Worten „Dein Leib war der Tempel des Heiligen Geistes,. Der Herr nehme dich auch in das himmlische Jerusalem.“ Dieses irdische Leben, von dem wir Abschied nehmen, war kostbar. Es ist der Raum gewesen, an der Heilige Geist einmalige und unverwechselbare Gaben entfaltet hat. Dieses Leben ist wie ein Gebet, das wie Weihrauch zu Gott steigt.

Wir werden uns bewusst, dass wir Geschöpfe sind, wenn wir mit der Erde auch sagen: „Du bist von der Erde genommen und kehrst nun zur Erde zurück.“ Die Endlichkeit ist unser Schicksal, wir sind Teil der Schöpfung. Aber über diese Schöpfung sagt Gott, dass sie gut ist. Und was gut ist, das lässt er nicht zugrunde gehen. Darum fügen wir an: „Der Herr aber wird dich auferwecken.“ Das ist Gottes Urteil über alles, was er geschaffen hat: Es soll leben.

Das Kreuz, das wir über den Sarg zeichnen, ist nicht der Schlussstrich, den wir unter ein Leben ziehen. „Im Kreuz unseres Herrn Jesus Christus ist Auferstehung und Heil. Der Herr schenke dir seinen Frieden“, so wird gebetet. Das Kreuz Jesu ist das Plus, das unser Leben vermehrt zum Leben in Fülle. Nichts geht verloren, nichts ist zu Ende, alles wird vollendet.

Ein schöner Brauch hat sich in den letzten Jahren etabliert: Viele Angehörigen legen Blumen oder Blüten in das Grab. Sie erinnern an das Psalmwort über den Menschen, der sich bemüht, nach Gottes Willen zu leben: „Er ist wie ein Baum, der an Wasserbächen gepflanzt ist.“ In einem neuen Lied in unserem Gotteslob singen wird die schönen Verse:

„Du wächst und bleibst für immer,
doch unsre Zeit nimmt ab.
Dein Tun hat Morgenschimmer,
das unsere sinkt ins Grab.
Gib, eh die Sonne schwindet,
der äußre Mensch vergeht,
dass jeder zu dir findet
und durch dich aufersteht.“

Der Tod zieht uns nicht in den Abgrund, er öffnet uns die Tür zum Leben in Fülle. Wenn wir an den Gräber unserer Verstorben stehen, dann dürfen wir traurig sein, weil sie uns fehlen, aber wir dürfen auch freudig glauben, dass ihr ganzes Leben ein Wachsen war auf Gott hin, und dass es jetzt blüht in seiner Ewigkeit. Amen.

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